Stereobrille für den roten Planeten

  • 18. April 2016

Kamera der Exomars-Mission ist einsatzbereit und liefert erste Bilder aus dem Weltraum.

Seit ihrem Start am 14. März 2016 befindet sich die ExoMars-Sonde auf dem Weg zum Mars. Dieses Ziel soll die Sonde mit der hoch­auflösenden Kamera im Gepäck im kommenden Oktober erreichen. Bereits jetzt haben die Forscher Gewissheit, dass CaSSIS funktioniert. Das hoch­auflösende Kamera­system sendet erste Bilder aus dem All.

Abb.: Aufnahme von CaSSIS (Bild: ESA / Roscosmos / UniBe / SSO / INAF-OAPD / ASI / SRC)

Abb.: Aufnahme von CaSSIS (Bild: ESA / Roscosmos / UniBe / SSO / INAF-OAPD / ASI / SRC)

Das technisch komplexe Kamerasystem, das dereinst hoch­auflösende Stereo­bilder der Mars­oberfläche liefern soll, wurde in der Rekord­zeit von nur 23 Monaten gebaut: „Es war eine große Heraus­forderung. Normaler­weise rechnet man mit 38 Monaten für ein derart kompliziertes Instrument. Das Team der Universität Bern und unsere Partner haben unglaublich hart gearbeitet, um recht­zeitig fertig zu werden”, so CaSSIS-Projekt­managerin Ruth Ziethe vom Physikalischen Institut der Universität Bern.

Nach unzähligen Tests, bei denen die Forscher Weltraum­bedingungen simulierten und die Mars-Kamera auf Herz und Nieren prüften, erfolgte schließlich am 14. März der Start im Weltraum­bahnhof Baikonur in Kasachstan. Das lange Warten auf die ersten Signale wurde gespannt verfolgt. Im Weltraum kann es trotz größter Bemühungen und vorgängigen Tests zu unvor­her­gesehenen Situationen kommen.

Wie geplant wurde CaSSIS (Colour and Stereo Surface Imaging System) nun am 07. April 2016 ein erstes Mal aktiviert. Ein Moment, den die Forscher mit Nervosität erwarteten. „Das erste Einschalten der Kamera verlief reibungslos”, sagt Nicolas Thomas, Leiter des Berner CaSSIS-Teams. „Wir sind es schritt­weise angegangen, und das Instrument scheint wie erwartet zu funktionieren.” Nach diesem guten Start wurde auch der Rotations­mechanismus aktiviert. „Der Mechanismus macht die Stereo-Aufnahmen der Kamera erst möglich, also wollten wir ihn natürlich ausprobieren”, sagt Ruth Ziethe.

Auch der Rotations­mechanismus funktioniert wie geplant und sorgte für eine aufregende Erkenntnis: Nach der Betrachtung der Bilder wurde offensichtlich, das CaSSIS Sterne abgebildet hat. Dies bedeutet, dass die Kamera nahe am optimalen Wert fokussiert, was vor dem Start die große Sorge von Nicolas Thomas war. „Soweit sieht alles gut aus. CaSSIS ist nicht dafür gebaut worden, schwache Sterne abzubilden, also war es sehr beruhigend, dass sie es trotzdem kann. Es weist also alles darauf hin, dass wir gute Daten der Mars­oberfläche erhalten werden.”

Das Ziel des Kamerasystems ist es, Aufnahmen von der dynamischen Mars­oberfläche zu liefern, um neue Erkenntnisse zu den Veränderungen während der Mars-Tagen und den Mars-Jahreszeiten zu gewinnen. Insbesondere die kürzlich entdeckten Spuren von flüssigem Wasser sollen durch CaSSIS untersucht werden. „Wir wissen inzwischen, dass sich die Mars-Ober­fläche ständig verändert und nun haben wir das Werkzeug, um diese Veränderungen verfolgen zu können”, so Thomas. CaSSIS ist ein gemeinsames Projekt der Universität Bern, dem Astronomischen Observatorium in Padua und dem Space Research Center in Warschau mit Unterstützung der lokalen Industrie.

U. Bern / DE

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