Kollege Roboter auf der Raumstation

  • 16. October 2015

Roboter mit Gedächtnis könnte als dauerhaftes Stationsmitglied praktisches Wissen weitergeben.

Das französische Forscherteam des Instituts für Stammzellen und Gehirn hat einen humanoiden Roboter – Nao – mit einem „autobiographischen Gedächtnis“ entwickelt. Somit ist Nao in der Lage, erlerntes Wissen weiterzugeben. Dieser technologische Fortschritt könnte insbesondere an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) zur Anwendung kommen. Bei jedem Besatzungswechsel, also alle sechs Monate, könnte Nao als einziges dauerhaftes Besatzungsmitglied das Wissen an das nachfolgende Team weitergeben. Diese Ergebnisse wurden auf dem 24. internationalen Symposium IEEE über Robotik und interaktive menschliche Kommunikation vorgestellt.

Abb.: Peter Ford Dominey und der Roboter Nao, der in Echtzeit aus der Interaktion mit Menschen lernen kann. (Bild: Inserm / P. Latron)

Abb.: Peter Ford Dominey und der Roboter Nao, der in Echtzeit aus der Interaktion mit Menschen lernen kann. (Bild: Inserm / P. Latron)

Ein Ziel der Robotik ist es, eine engere Kooperation zwischen Mensch und Roboter zu ermöglichen. Mit dem humanoiden Roboter Nao sind die Wissenschaftler diesem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen. Über visuelle Imitation, physische Demonstration und Sprachsteuerung ist Nao fähig, Bewegungen und Informationen zu erlernen und „sich zu merken“. Alle diese einzelnen Aktionen werden automatisch im autobiographischen Gedächtnis des Roboters abgespeichert, um das so erworbene Wissen bei Bedarf weitergeben zu können. Diese Erkenntnisse sollen nun auf der ISS zur Anwendung kommen.

Heutzutage sind Roboter an Bord zur Entlastung der Besatzung kaum noch wegzudenken. Seit 2011 wird der humanoide Roboter Robonaut 2 für Aufgaben innerhalb und außerhalb der Raumstation eingesetzt. Alle sechs Monate wechselt die Besatzung und die Weitergabe von Informationen wird notwendig.

Zur Erprobung der Fähigkeiten von Nao wurde ein Szenario entworfen, bei dem eine elektronische Karte beschädigt ist. Nao übernimmt in diesem Fall die Rolle des wissenschaftlichen Assistenten und folgt den Anweisungen des Besatzungsmitglieds. Sollte dieser Fehler dann erneut auftreten, kann Nao dank seines Gedächtnisses einem neuen Mitglied an Bord später mittels einer Videoaufzeichnung erklären, wie die Karte zu reparieren ist. Tritt ein ähnlicher Fehler auf, kann Nao seine Erfahrungen mit solchen Defekten weitergeben und gleichzeitig die Lösung dieses neuen Problems abspeichern und an die folgende Besatzung weitergeben.

Diese Ergebnisse zeigen die Machbarkeit solcher Systeme und ermöglichen die Sammlung und die Weitergabe von Wissen. Jetzt wollen die Forscher Nao unter realen Bedingungen der Schwerelosigkeit im All testen. In Zukunft sollen diese Roboter als persönliche Gedächtnisstütze auch bei der Betreuung von älteren Menschen zum Einsatz kommen.

Franz. Botschaft / DE

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