Von den ersten Quasaren bis zu erdähnlichen Planeten

  • 14. September 2015

Herbsttagung der Astronomischen Gesellschaft – Karl-Schwarzschild-Medaille für Immo Appenzeller.

Unter dem Titel „From the First Quasars to Life-Bearing Planets – from Accretion Physics to Astrobiology“ findet vom 14. bis zum 18. September in Kiel die internationale Herbsttagung der Astronomischen Gesellschaft statt. Knapp dreihundert Fachleute aus aller Welt präsentieren und diskutieren an der Uni Kiel neueste Forschungsergebnisse aus vielen verschiedenen Gebieten der modernen Astrophysik. Die fachliche Breite ist ebenso ein besonderes Merkmal von AG-Tagungen wie die Verleihung wichtiger Forschungspreise

Akkretionsscheibe

Abb.: Akkretionsscheiben können auch entstehen, wenn – wie hier – ein stellares schwarzes Loch Materie von einem benachbarten Stern aufsammelt (künstlerische Darstellung, Bild: : L. Calçada & M. Kornmesser, ESO ).

Wo auch immer sich im Kosmos größere Strukturen bilden, spielt die Gravitation die zentrale Rolle. Wenn sich aus ursprünglich kleinen Dichte­schwankungen nach und nach immer mehr Materie in einem Raumgebiet konzentriert, entstehen oft rotierende, scheibenartige Gebilde, in deren Zentrum ein neuer Stern entsteht und in deren Außenbereichen sich Planeten bilden. Diese Akkretion von Materie beobachten Astronomen im Kosmos auch auf sehr viel größeren räumlichen und energetischen Skalen. So findet man Akkretionsscheiben beispielsweise auch in der Umgebung von supermassereichen schwarzen Löchern in den Zentren aktiver Galaxien, deren leuchtkräftigste Vertreter die Quasare sind.

„Die Bedeutung solcher Akkretions-Phänomene, wie wir sie intensiv auf der AG-Tagung in Kiel diskutieren, reicht heute von der klassischen Astrophysik bis hin zur noch jungen Astrobiologie. Dort geht es unter anderem um die Bildung von möglicherweise Leben beherbergenden Planeten“, so Matthias Steinmetz, der Präsident der AG. Neben reinen Forschungsthemen spielen in den Plenumsvorträgen und den zwölf kleineren Vortragsrunden auch Tele­skope und Observatorien mit deren Messinstrumenten eine wichtige Rolle.

Appenzeller

Abb.: Immo Appenzeller vom Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg erhält die Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft 2015. (Bild: I. Appenzeller)

In der offiziellen Eröffnungsveranstaltung am 15. September, ehrt die AG Immo Appenzeller mit der Karl-Schwarzschild-Medaille, der höchsten Auszeichnung für Astronomie in Deutschland. Appenzeller studierte Physik und Astronomie in Tübingen und Göttingen, wo er auch promovierte und habilitierte. Im Jahre 1975 wurde er zum Professor an die Uni Heidelberg und als Direktor der Landessternwarte auf dem Königstuhl berufen, die er drei Jahrzehnte lang sehr erfolgreich geleitet.

Die wissenschaftlichen Leistungen Appenzellers zeichnen sich durch eine enorme fachliche Breite aus. Neben maßgeblichen Beiträgen im Bereich der Sternphysik beschäftigte er sich auch intensiv mit extragalaktischen Objekten in einem kosmologischen Kontext - wie den aktiven Galaxien und Quasaren oder sehr jungen Galaxien höchster Rotverschiebung. „Immo Appenzeller hat nicht nur theoretische Arbeiten mit Beobachtungen in ungewöhnlich intensiver Art miteinander verbunden, er hat auch im Bereich der experimentellen Astrophysik neue Impulse gesetzt“, sagt Steinmetz. Neben Gastaufenthalten am amerikanischen Yerkes-Observatorium, in Tokio und an der Universität von Arizona, leitete Immo Appenzeller zwischen 1998 und 2000 als kom­missarischer Direktor auch das MPI für Astronomie in Heidelberg, war 1985/86 Dekan der Heidelberger Fakultät für Physik und Astronomie und zud­em 1994 bis 1997 Generalsekretär der Internationalen Astronomischen Union.


Auf der AG-Tagung werden außerdem verliehen: der Ludwig-Biermann-Preis für herausragende Nachwuchsforscherinnen und -forscher an Ivan Minchev aus Potsdam; der Doktorandenpreis an Cornelia Müller aus Würzburg und der Sonderpreis „Jugend forscht“ an Robin Heinemann und Patricia Asemann aus Kassel. Darüber hinaus verleiht das MPI für Astronomie Heidelberg den Roelin-Preis für Wissenschaftspublizistik an Karl-Heinz Lotze aus Jena.


Spezielle Treffen zur Geschichte der Astronomie, zu Astronomie und Bildung sowie zur Öffentlichkeitsarbeit in der Astronomie ergänzen das wissen­schaftliche Tagungsprogramm. Weiterhin finden Treffen der Doktoranden und des Astro-Frauen-Netzwerks statt, sowie eine Lehrerfortbildung. Der traditionelle öffentliche Abendvortrag steht unter dem Titel „Von der Kieler Förde zum Mars“ und wird am 17. September um 19:30 Uhr im Frederik-Paulsen-Hörsaal von Robert Wimmer-Schweingruber aus Kiel gehalten.

AG / RK

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