Ackerbau im Asteroidengürtel

  • 04. August 2015

Internationale Astronomische Union benennt Krater auf Zwergplanet Ceres nach historischen Fruchtbarkeitsgöttern.

Tamayie, der polynesische Gott der Kokosnuss­bäume, hat es nicht geschafft, der mexikanische Gott Nanahuatl auch nicht. Aus rund 150 Fruchtbarkeits­göttern und -göttinnen haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für das Team der NASA-Mission Dawn 17 Namen für die prominentesten Krater auf Ceres herausgepickt und der International Astronomical Union (IAU) vorgeschlagen – denn der Zwergplanet ist nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannt. Nun bevölkern Götter von fünf Kontinenten von der hawaiianischen Haulani über die römische Land­wirtschafts­gottheit Occator bis hin zu zur deutschen Göttin Gaue die abwechslungsreiche Oberfläche. „Zwischen dem höchsten Berg und dem tiefsten Krater­boden liegen rund 15 Kilometer – das entspricht fast dem Relief der Erde zwischen Marianen­graben und Mount Everest“, erläutert Ralf Jaumann, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Mitglied des Dawn-Teams. Allerdings ist die Erde auch um das Dreizehn­fache größer als Ceres. „In der Kruste von Ceres muss also eine enorme Dynamik stecken, die eine solche Topographie auftürmt.“

Abb.: Krater auf Ceres: Blau gefärbt sind Regionen rund 7,5 Kilometer unterhalb der Oberfläche, weiß erscheinen Regionen rund 7,5 Kilometer oberhalb der Oberfläche. (Bild: NASA / JPL-Caltech / UCLA / MPS / DLR / IDA)

Abb.: Krater auf Ceres: Blau gefärbt sind Regionen rund 7,5 Kilometer unterhalb der Oberfläche, weiß erscheinen Regionen rund 7,5 Kilometer oberhalb der Oberfläche. (Bild: NASA / JPL-Caltech / UCLA / MPS / DLR / IDA)

Vor allem die unterschiedlichen Kratertiefen in Relation zum jeweiligen Krater­durchmesser sind für die Planetenforscher spannend: „Die Einschlags­krater Dantu und Ezinu sind extrem tief, größere Krater wie Kerwan und Yalode sind deutlich flacher“, sagt Jaumann. „Das weist darauf hin, dass das Eis mit Kratergröße und -alter mobiler wird und der Krater dadurch an Tiefe verliert.“ Dantu, benannt nach einem ghanaischen Erntegott, hat einen Durchmesser von etwa 120 Kilometern und ist fünf Kilometer tief. Die Abmessungen von Ezinu – der Krater hat seinen Namen von der sumerischen Göttin des Korns – sind vergleichbar. Damit sind diese beiden nur halb so groß wie der deutlich flachere Kerwan, benannt nach einem Hopi-Geist des Mais, und Krater Yalode, einer westafrikanischen Dahomey-Göttin. „Die Frage ist: Wie groß muss ein Krater sein, damit die durch den Einschlag erzeugte Spannung in der Kruste groß genug ist, um mittels Bewegung des Eises die Delle auszugleichen, was dann zu einer Hebung des Kraterbodens und zur Abflachung der Kraterränder führt – und wie lange dauert das?“

Mit den 17 Fruchtbarkeits­göttern und -göttinnen wurden in einem ersten Schritt nur die auffälligsten, prominentesten Krater mit Namen versehen. Damit erhalten auch die 15 so genannten Quadrangel (Abschnitte), in die die Oberfläche von Ceres aufgeteilt wurde, ihren Namen. Zwei dieser Regionen werden von DLR-Planetenforschern geologisch kartiert: Dies sind die Gebiete um Krater Sintana sowie Krater Haulani, indem sich einige der rätselhaften weißen Flecken des Zwergplaneten befinden. Haulani hat einen Durchmesser von etwa dreißig Kilometern und – das haben Messungen mit Dawns Spektro­meter ergeben – scheint kälter als das umliegende Gelände zu sein.

Der auffälligste Krater auf Ceres erhielt den Namen der römischen Gottheit Occator. Im Inneren des 90-Kilometer-Kraters liegen die hellsten Flecken, die man auf Fotos von Zwergplanet Ceres besonders gut erkennt. Krater Urvara, benannt nach der indischen und iranischen Gottheit der Pflanzen und Felder, ist besonders auffällig durch seinen drei Kilometer hohen Berg in der Mitte des 160 Kilometer breiten Einschlag­beckens. Auch der Krater auf dem nullten Längengrad, den die Wissenschaftler des Dawn-Teams nun festgelegt haben, erhielt einen Namen: Er wurde nach Kait, der hethitischen Göttin des Korns, benannt.

Doch auch die Götter und Göttinnen, die bisher noch nicht zum Zuge kamen, könnten noch an die Reihe kommen: „Auch die übrigen Krater auf Ceres werden noch benannt“, erläutert Thomas Roatsch vom DLR-Institut für Planeten­forschung. „Bei Saturn-Mond Enceladus wurden etwa 75 Krater benannt – und er ist nur halb so groß wie Zwergplanet Ceres.“ Es wird also noch kreative Arbeit auf das Dawn-Team zukommen, damit letztendlich alle wichtigen Strukturen auf Ceres einen Namen erhalten. Aussprechbar müssen sie sein – „das ist zum Beispiel bei polynesischen Göttern nicht einfach“ – und die Fruchtbarkeitskultur der gesamten Welt abbilden.

In der Zwischenzeit senkt sich Raumsonde Dawn immer tiefer hinunter zur Oberfläche von Zwergplanet Ceres, um im August den nächsten Orbit zu erreichen. Dann wird sie aus nur noch 1470 Kilometern Entfernung auf Ceres blicken und ist damit drei Mal dichter dran als in seinem letzten Orbit. Während dieses Fluges wird die Kamera an Bord der Sonde keine Bilder aufnehmen können, da die Ionentriebwerke von Dawn in Betrieb sind. Selbst wenn Ceres weniger als halb so groß ist wie Zwergplanet Pluto, der von Sonde New Horizons im Juli 2015 im Vorbeiflug abgelichtet wurde – mit seinem Durchmesser von fast 1000 Kilometern ist er das größte Objekt im Asteroiden­gürtel zwischen Mars und Jupiter.

DLR / DE

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