Stern im Transit

  • 23. July 2015

Unerwartet schneller RR-Lyrae-Stern im Zentrum der Milch­straße stammt aus dem Halo.

Andrea Kunder vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam hat mit ihrem Team die Geschwin­dig­keiten von rund hundert RR-Lyrae-Sternen im Zentrum unserer Milch­straße untersucht und dabei völlig unerwartet einen Stern entdeckt, dessen Geschwin­digkeit fast fünf­hundert Kilometer pro Sekunde beträgt. Da alle RR-Lyrae-Sterne pulsieren und die gleiche Leucht­kraft haben, konnte das Team sowohl die exakte Entfernung als auch den Orbit des Sterns für die letzten eine Milliarde Jahre rekon­struieren. Das Ergebnis fällt klar aus: mit hoher Wahr­schein­lich­keit handelt es sich bei dem Stern um einen Passanten aus dem Außen­bereich unserer Milchstraße, dem Halo, der aktuell durch den Zen­tral­bereich hindurchrast, den Bulge.

Abb.: Die berechnete Bewegung des Sterns (blau) über die letzten eine Milliarde Jahre. Der Stern (rot) wurde nahe dem galaktischen Zentrum entdeckt und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit. (Bild: J. Fohlmeister, A. Kunder, AIP)

Abb.: Die berechnete Bewegung des Sterns (blau) über die letzten eine Milliarde Jahre. Der Stern (rot) wurde nahe dem galaktischen Zentrum entdeckt und bewegt sich mit rasender Geschwin­digkeit. (Bild: J. Fohlmeister, A. Kunder, AIP)

„Der Stern mit dem Katalognamen MACHO 176.18833.411 hat die höchste Geschwin­digkeit, die wir je bei einem RR-Lyrae-Stern im Bulge messen konnten. Mit einer Geschwin­digkeit von 482 Kilometern pro Sekunde bewegt er sich knapp unter­halb der Flucht­geschwin­digkeit, die ihn aus der Galaxie hinaus schleudern würde”, so Andrea Kunder. Sterne mit so hoher Geschwin­digkeit sind sehr selten nahe des galak­tischen Zentral­bereichs zu finden. Da es sich bei dem jetzt entdeckten Stern um einen RR-Lyrae-Vertreter handelt, war es den Wissenschaftlern möglich, seinen Orbit detailliert zu berechnen. Sie fanden dabei heraus, dass die Bahn des Sterns nicht nur im Bulge verläuft, sondern sich bis weit in den Halo der Milchstraße erstreckt.

Diese Entdeckung macht es zukünftig einfacher, alte Bulge-Sterne von solchen in anderen Regionen der Milch­straße zu unter­scheiden. Auch im Bulge müssen die Astronomen damit rechnen, Sterne aus den Außen­bereichen zu finden. Solche durch­ziehenden Sterne könnten fälsch­licher­weise für ursprüng­liche Bulge-Sterne gehalten werden. Dass der jetzt entdeckte Stern ein Einzelfall ist, gilt als äußerst unwahr­schein­lich.

AIP / DE

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