Mainz hat den Dreh raus

  • 23. April 2015

Spin Phenomena Interdisciplinary Center an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eröffnet.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat am 22. April das Spin Phenomena Interdisciplinary Center SPICE offiziell eröffnet. Damit entsteht ein neues Zentrum, das den wissenschaftlichen Austausch und die Kooperation der vielen verschiedenen Disziplinen befördert, die auf dem Gebiet der Spin-Phänomene forschen. SPICE greift damit eine der großen Herausforderungen des neuen Jahrhunderts auf: Wie können die Zeitspannen für die Entdeckung neuer Phänomene und die Entwicklung neuer multifunktionaler Materialien verkürzt werden, vor allem wenn daran mehr als eine Fachrichtung beteiligt ist? Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und das Land Rheinland-Pfalz fördern das Zentrum.

Die Erforschung des Spins und der mit ihm zusammenhängenden Phänomene steht nicht zufällig im Fokus der SPICE-Aktivitäten. Der Spin – auch als Eigendrehung von Elektronen zu verstehen, die ein Magnetfeld erzeugt – spielt in vielen Bereichen der Grundlagen- wie der angewandten Forschung, insbesondere der Materialforschung, eine entscheidende Rolle. Er ist die Basis der heutigen Datenspeichertechnologie und eröffnet in vielen Bereichen der Anwendung ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten – von einer schnelleren Elektronik über neue Datenspeicherkonzepte mit höheren Speicherdichten bis hin zur gezielten Entwicklung von Materialien mit neuen Eigenschaften. Weil der Spin zu den fundamentalen Phänomenen der Quantenmechanik gehört, die in der mikroskopischen Welt regiert, fasziniert er nicht nur experimentell wie theoretisch arbeitende Physiker und Chemiker, sondern auch Mathematiker, Informatiker und Ingenieure.

„Die Vision von SPICE ist es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um entscheidende Beiträge zur Bewältigung der größten wissenschaftlichen Herausforderungen rund um den Spin zu leisten. Und zwar auf einem Niveau, das eine Disziplin alleine gar nicht erreichen kann“, betont Jairo Sinova, Geschäftsführender Direktor von SPICE und Alexander von Humboldt-Professor an der JGU. „Die beste Wissenschaft – Lernen und Entdecken – passiert außerhalb unserer Komfortzone. Mit SPICE wollen wir eine anspruchsvolle und anregende Atmosphäre schaffen, die unkonventionelle Sichtweisen und den Blick über die Grenzen aktueller Spin-Forschung ermöglicht.“ Dabei kann er sich nicht nur einen fruchtbaren Austausch mit Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern vorstellen: Auch Literaturwissenschaftler oder Künstler, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, seien willkommene Partner.

Dafür bietet SPICE verschiedene Formate. Im Rahmen von Workshops tauschen sich Forscherinnen und Forscher diverser Disziplinen über ihre neuesten Ergebnisse aus und bieten hochkarätige Seminare an. Speziell an führende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler wendet sich ein bisher einzigartiges Workshop-Format, in dem sie selbst als Veranstalter und Hauptredner auftreten. Darüber hinaus können Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler für einige Tage, Wochen oder Monate ihre Forschung in Mainz fortsetzen und dabei an die vielfältige Spin-Expertise vor Ort ankoppeln.

„Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz bietet für SPICE ein besonders fruchtbares Umfeld, denn Spin-Forschung hat hier einen herausragenden Stellenwert. Wir danken der Alexander von Humboldt-Stiftung und dem Land Rheinland-Pfalz für ihr Engagement und freuen uns auf lebendige interdisziplinäre Veranstaltungen und einen fruchtbaren Austausch auf höchstem Niveau“, so der Präsident der JGU, Georg Krausch. Außer der Interdisciplinary Spintronics Research Group (INSPIRE) unter Leitung von Jairo Sinova widmen sich auch andere Arbeitsgruppen diesem zukunftsträchtigen Thema, darunter die Exzellenz-Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ), das Center for Innovative and Emerging Materials (CINEMA) und das Mainz Institute for Theoretical Physics (MITP).

Erste Gastwissenschaftler haben sich im Rahmen von SPICE bereits für dieses exzellente Umfeld entschieden. So verbrachten die israelischen Physiker Prof. Ora Entin-Wohlman und Prof. Amnon Aharony zwei Wochen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Und der französische Physiker Thierry Valet, bekannt für seine Beiträge zum Verständnis des Riesenmagne-to-Widerstandseffektes und die Valet-Fert-Theorie, besuchte im Februar INSPIRE und das SPICE-Center. Auch für die kommenden Monate sind schon verschiedene Workshops angesetzt. Unter anderem werden sich Ende Mai rund vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 32 Vortragenden aus aller Welt über „Computational Quantum Magnetism“ austauschen. Und im August lockt der "Young Research Leaders Group Workshop" führende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zum Thema „Frontiers with Strongly Correlated and Topological Mesoscopic Systems“ für eine Woche in das Kloster Johannisberg und anschließend eine Woche an die JGU.

JGU / OD

Share |

Webinar

Warum reale akustische Systeme nur multiphysikalisch simuliert werden können

  • 02. November 2017

In diesem Webi­nar wird ge­zeigt, warum man bei­spiels­weise schon bei der Simu­la­tion eines „ein­fachen“ Laut­spre­chers auf multi­phy­si­ka­li­sche Kopp­lung an­ge­wie­sen sein kann, wenn man ex­pe­ri­men­tel­le Er­geb­nis­se kor­rekt re­pro­du­zie­ren will.

Alle Webinare »

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer