Choreographie einer Kometenlandung

  • 12. November 2014

Nach zehn Jahren Flugzeit gilt es jetzt für Philae abzukoppeln, die letzten Kilometer zurückzulegen und zu landen.

[Stand: 12.11., 8.30 Uhr] Bereits gestern nachmittag wurde der Lander aufgeheizt, damit er pünktlich zur Landung auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko auch die richtige Temperatur hat. Schichtdienst rund um die Uhr galt daher letzte Nacht für das Team im Lander Control Center (LCC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Um 19 Uhr hatten die letzten Vorbereitungen für Separation, Abstieg und Landung. Heute früh um 2.35 Uhr, fiel dann die Entscheidung: Ist Philae fit für die Landung und kann das Lander Control Center des DLR Grünes Licht für die Separation geben? Anschließend begann dann die ausgeklügelte Choreographie, die Philae mit auf den Weg gegeben wurde, damit die Landung und der Einsatz der zehn Instrumente an Bord reibungslos ablaufen kann. Die Bestätigung der Landung wird gegen 17 Uhr erwartet.

Ablauf der Landung auf Tschurjumow-Gerasimenko (Klick für große Version in Popup-Fenster; Bild: DLR / ESA)

Abb.: Ablauf der Landung auf Tschurjumow-Gerasimenko (Klick für große Version in Popup-Fenster; Bild: DLR / ESA)

Bereits um 4.35 Uhr – da saß Philae noch in der Rosetta-Sonde – das erste Instrument eingeschaltet: ROMAP, das das Magnetfeld des Kometen und seine Plasma-Umgebung untersuchen soll. Um 8.21 Uhr folgten weitere Instrumente: Die Thermalsonde MUPUS, die sich auf dem Kometen bis in eine Tiefe von vierzig Zentimeter hämmern soll, wurde ebenso eingeschaltet wie SESAME, das mit Sensoren unter anderem die akustischen Eigenschaften des Kometenkerns erkundet. Um 9.13 Uhr geht CONSERT in Betrieb – dieses Instrument besteht aus Komponenten auf Lander und Orbiter und soll den Kometen mit Radiowellen durchleuchten.

Um 9.35 Uhr sollte die Rosetta-Sonde, gesteuert vom Kontrollzentrum der ESA, auf ihrer Bahn den Punkt erreichen, an dem Philae ausgestoßen wird. Sieben Stunden lang wird Philae dann im Schritttempo in Richtung Kometenoberfläche sinken. Um 9.44 Uhr soll dann das Landegestell ausgefahren werden. Das Team im Lander Control Center (LCC) des DLR wird dies genau überwachen, denn sollte Philae nicht wie geplant den Ablauf einhalten, müsste der Lander neue Steuerkommandos erhalten. Ab 11.35 Uhr beginnt die Kommunikationsverbindung zwischen Philae und dem DLR-Kontrollraum, aus dem der Lander gesteuert und betrieben wird.

Bereits während des Abstiegs nimmt die Kamera ROLIS, die an der Unterseite des Landers sitzt, die ersten Bilder der Landestelle auf. Diese werden voraussichtlich gegen 19 Uhr die Wissenschaftler am Boden erreichen. Setzt Philae wie geplant um 16.33 Uhr auf, wird die Nachricht der Landung die Erde erst rund 28 Minuten später erreichen – so lange benötigt das Signal für die Strecke zwischen Komet und Kontrollraum. Daher rechnet das LCC gegen 17 Uhr mit der Bestätigung aus dem All, dass die erste Landung überhaupt auf einem Kometen erfolgt ist.

Für das Team im Kontrollraum geht die Arbeit allerdings auch nach der Landung nahtlos weiter: Der „Gesundheitszustand“ des Landers wird detailliert analysiert, die Landestelle identifiziert und die nächsten Abläufe geplant.

Updates erhalten Sie über unseren Twitter-Account @prophysik. Wir verfolgen das Geschehen zunächst aus der Redaktion, später von der Volkssternwarte Schriesheim aus, wo Philae-Experte Holger Krämer den Live Stream kommentiert. Alexander Pawlak vom Physik Journal ist im europäischen Weltraumkontrollzentrum ESOC und fasst das Geschehen in einem Beitrag am Donnerstag zusammen (Update 13.12.: Philaes dreifache Landung). Roland Wengenmayr von Physik in unserer Zeit ist ebenfalls vor Ort und twittert unter @phiuz_de.

DLR / OD

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