52.000 Schiffsmeldungen in einem Monat

  • 04. September 2014

AISat testet Helix-Antenne zur besseren Überwachung des Schiffsverkehrs.

Der erste Blick des am 30. Juni gestarteten Satelliten AISat fiel auf die russische Kamtschatka-Halbinsel und die Bering-See. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings nur eine herkömmliche Antenne an Bord des Satelliten im Einsatz. Innerhalb von acht Minuten zeichnete der Empfänger die Signale des Automatic Identification Systems von 45 Schiffen auf. Am 8. August entfaltete sich dann die vier Meter lange Helix-Antenne. Seit ihrer Inbetriebnahme konnte die Spirale aus 660 Kilometern Höhe mehr als 52.000 Datensätze empfangen. Eine Premiere, denn bisher war noch keine Helix-Antenne für die Detektion von Schiffen im Einsatz. Die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sind zufrieden - auch wenn der Satellit noch ein wenig taumelt. Einige Parameter für das Lageregelungssystem müssen noch optimiert werden, um die Ausrichtung des Satelliten zu stabilisieren. Von der Helix-Antenne erhoffen sich die Wissenschaftler in Hochverkehrsgebieten einen genaueren Empfang der Schiffssignale, die unter anderem Informationen zu Position, Schiffsgröße und -ladung enthalten.

AISat Schiffsmeldungen

Abb.: In eiunem Monat hat AISat 52.000 Schiffsmeldungen registriert - jeder Punkt ist eine Meldung. (Bild: DLR)

Gerade in dicht befahrenen Gebieten sind die bisher üblichen Antennen mit der hohen Anzahl an Schiffssignalen überfordert - sie blicken auf Gebiete mit einem Durchmesser von über 5000 Kilometern und empfangen viel zu viele Meldungen gleichzeitig und ohne sie einzelnen Schiffen zuordnen zu können. „Unsere Helix-Antenne schaut gezielter auf eine Region mit einem Durchmesser von 750 Kilometern“, erläutert Projektleiter Jörg Behrens. „Wir gehen davon aus, dass wir dadurch viel genauer die einzelnen Schiffssignale erkennen können.“ In Gebieten wie dem Mittelmeer, der nordamerikanischen Atlantikküste oder großen Häfen wie Peking, Tokio oder Singapur würde dies die Sicherheit erhöhen.

Das Projektteam AISat steuert den Satelliten vom DLR-Standort Bremen aus. „Mit AISat betreten wir Neuland - sowohl mit der Technik als auch mit der Kommandierung aus dem DLR Bremen“, so Behrens. „Im Moment befinden wir uns in einem steten Lernprozess.“ Mittlerweile empfangen die Wissenschaftler mehrmals am Tag bei Überflügen Datensätze der aufgenommenen Schiffssignale. „Bei Spitzbergen sind viele Fischerboote unterwegs, in Sibirien sehen wir Schiffe auf den Flüssen, viele Datensätze stammen von Schiffen im Suezkanal, dem westlichen und östlichen Mittelmeer", zählt Behrens auf. Es fehlen noch Daten von der Deutschen Bucht. Dieses dicht befahrene Gebiet soll den Wissenschaftlern als Referenz für ihre empfangenen Daten dienen. Im Vergleich mit über Bodenanlagen empfangene Daten wollen sie so in Zukunft die Qualität ihres Satelliten im All überprüfen und zeigen, dass die Helix-Antenne zielgerichtet und genau Schiffssignale empfängt - nur mit einer größeren Reichweite als bodengebundene Empfangsanlage.

DLR / RK

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