Sternentstehung unter der Lupe

  • 20. August 2014

Aufnahme der Europäischen Südsternwarte zeigt zwei sehr aktive Gebiete der südlichen Milchstraße.

NGC 3603 ist ein sehr heller Sternhaufen, der dafür bekannt ist, dass er die größte Konzentration an schweren Sternen enthält, die bisher in einem Sternhaufen gefunden wurden. Im Zentrum liegt ein Wolf-Rayet-Mehrfachsternsystem mit der Bezeichnung HD 97950. Wolf-Rayet Sterne befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Sternentwicklung, ihre Einzelsterne besitzen mehr als zwanzig Sonnenmassen. Wolf-Rayet-Sterne verlieren große Mengen an Materie über starke Sternwinde, welche das Material an der Sternoberfläche mit mehreren Millionen Kilometern pro Stunde in den Weltraum transportieren. Es ist eine Art extreme „Stern-Diät“ in kosmischen Dimensionen.

Zwei spektakuläre Sternentstehungsregionen in der südlichen Milchstraße

Abb.: Zwei spektakuläre Sternentstehungsregionen in der südlichen Milchstraße: Links NGC 3603 in einer Entfernung von etwa 20.000 Lichtjahren. Rechts eine Ansammlung leuchtender Gaswolken, bekannt als NGC 3576, etwa 9000 Lichtjahre von der Erde entfernt. (Bild: ESO / G. Beccari)

NGC 3603 ist ein Gebiet sehr intensiver Sternentstehung. Sterne werden in dunklen und staubigen Regionen des Alls geboren, die weitgehend dem direkten Blick entzogen sind. Wenn die jungen Sterne dann langsam beginnen zu leuchten, entfernen sie selbst das sie umgebende Material und werden sichtbar. Sie erzeugen auf diese Art jene leuchtenden Gaswolken, die als H-II-Regionen bekannt sind. Diese leuchten aufgrund der Wechselwirkung zwischen ultravioletter Strahlung von den jungen und heißen Sternen und dem Wasserstoffgas in den sie umgebenden Wolken. H-II-Regionen können Durchmesser von mehreren hundert Lichtjahren besitzen. Die Region, welche NGC 3603 umgibt, hat die Besonderheit, dass sie jene mit der größten Masse in unserer Galaxis ist.

Den Sternhaufen hat zum ersten Mal John Herschel am 14. März 1834 beobachtet. Er führte eine dreijährige Expedition zur systematischen Untersuchung des südlichen Sternenhimmels durch. Er beschrieb den Haufen als ein bemerkenswertes Objekt und dachte, dass es ein Kugelsternhaufen sein könnte. Spätere Studien zeigten jedoch, dass es kein alter kugelförmiger Sternhaufen, sondern ein junger, offener und sehr sternreicher Haufen ist.

NGC 3576, auf der rechten Seite im Bild zu sehen, liegt ebenfalls im Carina-Sagittarius-Spiralarm unserer Milchstraße. Er befindet sich nur etwa 9.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und ist daher viel näher als NGC 3603, obwohl er im Bild als sein Nachbar erscheint.

NGC 3576 ist aufgrund zweier großer Objekte bemerkenswert, die den gekrümmten Hörnern eines Schafbocks ähneln. Diese seltsamen Filamente sind das Ergebnis stellarer Winde, die von den heißen und junge Sternen in der Zentralregion des Nebels ausgehen. Sie haben Staub und Gas über hunderte Lichtjahre nach außen transportiert. Im obernen Bereich des Nebels sind zwei dunkle Silhouetten zu erkennen, sogenannte Bok-Globulen. Es sind Bereiche, in denen in Zukunft neue Sterne entstehen können. NGC 3576 wurde ebenfalls im Jahr 1834 von John Herschel entdeckt. Es war eines der produktivsten und erfolgreichsten Jahre des englischen Astronomen.

ESO / DE

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