Gib mir fünf!

  • 28. July 2014

BMBF fördert insgesamt fünf Forschungsprojekte am Institut für Astrophysik der Uni Göttingen in der Verbundforschung „Erdgebundene Astrophysik und Astroteilchenphysik“.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert insgesamt gleich fünf Forschungsprojekte am Institut für Astrophysik der Universität Göttingen über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2,7 Millionen Euro. Die Projekte werden im Rahmen der Verbundforschung „Erdgebundene Astrophysik und Astroteilchenphysik“ unterstützt. Die Forschungsprojekte behandeln allesamt die Entwicklung leistungsfähiger Instrumente für die drei Observatorien der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile. In Kürze beginnen die Arbeiten an der vierten Anlage, dem European Extremely Large Telescope (E-ELT), dessen Standort seit Juni diesen Jahres eingeebnet wird.

Das weltweit größte Teleskop E-ELT der Europäischen Südsternwarte ESO wird mit neuen Beobachtungsplattformen ausgestattet.

Abb.: Die Uni Göttingen stattet das weltweit größte Teleskop E-ELT der Europäischen Südsternwarte mit einer neuen Beobachtungsplattform aus. (Bild: ESO)

Die Göttinger Forscher statten unter anderem das Very Large Telescope (VLT) mit zwei Geräten der 2. Generation aus, das im Bau befindliche E-ELT dagegen mit drei neuen Instrumenten. Alle fünf Forschungsarbeiten sind eingebettet in europäische Forscherteams und schließen sich nahtlos an die Entwicklungen an, die seit 1990 in Göttingen speziell für ESO stattfinden. „Mithilfe der Micado Kamera, auch ELT-CAM genannt, wird das 39 Meter große E-ELT, das neue Flaggschiff der europäischen Astronomie, in Betrieb genommen. Sie ermöglicht den Wissenschaftlern ungewohnt scharfe Ausblicke in das ferne Universum beziehungsweise Einblicke in die Kinderstube der Sternentstehung und die Zentren der Galaxien“, sagt der Göttinger Astronom Harald Nicklas. „Mit ihr soll unter anderem das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße genauer untersucht und in dessen nahen Umfeld die Genauigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie überprüft werden“, so Nicklas.

Die Göttinger Astrophysiker gehören außerdem zum deutschen Entwicklungsteam beim Bau des Mosaic Spektrographen ELT-MOS. Sie tragen zur Entwicklung der optischen Fasereinkopplung für Multi-Objekt-Spektroskopie bei. „Beim ELT-HIRES-Instrument werden die Göttinger Forscher die in den eigenen Laboren weiterentwickelten modernsten Frequenzstandards zur hochgenauen Kalibrierung der spektroskopischen Aufnahmen beisteuern“, erklärt Ansgar Reiners. Deren Stabilität soll die Entdeckung erdähnlicher Planeten ermöglichen und dazu beitragen, die Atmosphäre dieser Planeten auf erdähnliche Lebensformen hin zu untersuchen.

Zwei weitere Vorhaben betreffen existierende Beobachtungsplattformen am VLT. „Das Muse (Multi Unit Spectroscopic Explorer) Instrument, dessen Hardware in wesentlichen Teilen bereits in Göttingen entwickelt wurde, soll mithilfe spezieller Softwarewerkzeuge insbesondere übervölkerte Kernregionen in Kugelsternhaufen besser beobachten können“, so Stefan Dreizler. Am Infrarot-Spektrographen Crires erfolgt darüber hinaus ein Upgrade, das die Empfindlichkeit und Effizienz um das Zehnfache steigern wird. „Göttingen entwickelt für das multi-nationale Projekt neue Technologien zur Kalibration sowie Analyse-Software, die die Möglichkeiten zur Entdeckung und Charakterisierung von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems drastisch verbessern wird“, ergänzt Prof. Reiners.

Durch die Förderung des BMBF, die dem Antragsvolumen in vollem Umfang entspricht, kann das Göttinger Forscherteam mit neun Stellen für den vollen Förderzeitraum personell aufgestockt und mit den notwendigen Entwicklungswerkzeugen ausgestattet werden. Beides ermöglicht den Göttinger Astrophysikern, die Entwicklung modernster Techniken und Instrumentarien voranzutreiben und die neu gewonnenen Himmelsdaten zum frühestmöglichen Zeitpunkt wissenschaftlich auszuwerten.

GAU / OD

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