Atomare Speicherbausteine

  • 14. November 2013

Holmium und Platin bilden ein Quantensystem, das eine extrem hohe Spinstabilität aufweist.

Ein Bit pro Atom: Nach diesem Prinzip würde man gerne die magnetischen Datenspeicher der Zukunft bauen. Diesem Ziel ist ein Team um Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik in Halle und der Universität Leipzig nun einen großen Schritt näher gekommen. Sie haben ein einzelnes Holmiumatom so auf einer Metalloberfläche fixiert, dass der Spin eines Holmiumelektrons über zehn Minuten stabil blieb. Heutzutage ist noch ein Verbund von mehreren Millionen Atomen nötig, damit ein magnetisches Bit so stabil bleibt, dass Festplattendaten über Jahre sicher sind.

Holmium-Atome auf einer Platinoberfläche

Abb.: Diese Rastertunnel-Aufnahme zeigt Holmium-Atome auf einer Platinoberfläche. In diesem Quantensystem bleiben die Spins und damit die magnetischen Momente einzelner Holmiumelektronen länger als zehn Minuten stabil. (Bild: KIT)

„Ein einzelnes Atom fixiert auf einer Unterlage ist meist so empfindlich, dass es nur Bruchteile einer Mikrosekunde seine magnetische Ausrichtung beibehält“, erklärt Wulf Wulfhekel vom Karlsruher Institut für Technologie. Zusammen mit Kollegen des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik, der Universität Leipzig und der Universität Halle hat er es nun geschafft, diese Zeit um einen Faktor von etwa einer Milliarde auf mehrere Minuten zu verlängern. „Dies öffnet nicht nur das Tor zu dichteren Computerspeichern, sondern könnte auch für den Aufbau von Quantencomputern einen Grundstein legen“, so Wulfhekel.

In dem aktuellen Experiment setzten die Forscher ein einzelnes Atom des Seltenen-Erden-Metalls Holmium auf eine Platinunterlage. Bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt, bei zirka minus 272 Grad Celsius, vermaßen sie mittels der feinen Spitze eines Rastertunnelmikroskops, wie sich der Spin des Atoms und mithin sein magnetisches Moment ausrichtete. Dabei beobachteten sie, dass das magnetische Moment erst nach etwa zehn Minuten seine Richtung wechselte. „Das System hält seinen einmal eingestellten magnetischen Spin somit rund eine Milliarde Mal länger als vergleichbare atomare Systeme“, so Wulfhekel. Für das Experiment nutzten die Forscher ein neuartiges Rastertunnelmikroskop des KIT. Dank einer speziellen Kühlung für den Temperaturbereich nahe dem absoluten Nullpunkt ist es besonders vibrationsarm und erlaubt lange Messzeiten.

„Um die Spin-Umklapp-Zeiten zu verlängern, haben wir den störenden Einfluss der Umgebung des Atoms ausgeblendet“, erklärt Arthur Ernst, der am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik und an den Universitäten Leipzig und Halle forscht und lehrt. Er und seine Mitarbeiter haben es mit theoretischen Rechnungen ermöglicht, die Experimente der Karlsruher Kollegen zu interpretieren.

Normalerweise stoßen die Elektronen der Unterlage und des Atoms quantenmechanisch rege miteinander und destabilisieren den Spin des Atoms in Mikrosekunden oder schneller. Holmium und Platin bilden jedoch ein Quantensystem, dessen Symmetrieeigenschaften die störenden Wechselwirkungen bei tiefen Temperaturen ausschalten. „Im Grunde sind Holmium und Platin füreinander in Bezug auf die Spinstreuung unsichtbar“, so Ernst. Mittels externer Magnetfeldern ließe sich der Spin des Holmiums aber noch einstellen und so Informationen schreiben. Genau das will das Forscherteam nun versuchen. Wenn ihnen das gelingt, wären damit die Grundlagen für die Entwicklung kompakter Datenspeicher oder Quantencomputer gelegt.

KIT / DE

Share |

Newsletter

Haben Sie Interesse am kostenlosen wöchentlichen oder monatlichen pro-physik.de-Newsletter? Zum Abonnement geht es hier.

Strahlmessung

thumbnail image: Messen Sie <i>M</i><sup>2</sup> in weniger als einer Minute

Messen Sie M2 in weniger als einer Minute

Das M2-Lasermessgerät Ophir BeamSquared 2.0 ermittelt die optische Güte des Laserstrahls schnell und präzise. Mehr

Webinar

Vom Raytracing-Modell zum digitalen Prototypen

  • 22. November 2018

Raytracing ist die Stan­dard­methode zur Ent­wick­lung von opti­schen Sys­te­men und wird ein­ge­setzt, um diese Sys­teme vir­tuell auszu­legen und Vor­her­sagen über ihre opti­schen Ei­gen­schaf­ten zu ma­chen. Ein­satz­be­rei­che sol­cher digi­ta­ler Pro­to­ty­pen sind bei­spiels­weise die Ent­wick­lung von Laser- oder Ab­bil­dungs­sys­te­men.

Alle Webinare »

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer