Tod eines Moleküls auf Film

  • 08. August 2013

Reaktionsmikroskop COLTRIM hilft die asymetrische Spaltung von Wasserstoff-Molekülen zu beobachten.

Ein starker Laserpuls, der zur Spaltung eines Wasserstoffmoleküls verwendet wird, beeinflusst unmittelbar die Entstehung der Bruchstücke. Das konnte die Arbeitsgruppe von Reinhard Dörner an der Goethe-Universität Frankfurt kürzlich nachweisen, als sie den Prozess erstmals auf einer unvorstellbar kurzen Zeitskala „filmte“. Wie die Physiker mitteilen, ist ihre Methode robust und leistungsfähig, so dass sie künftig dazu dienen könnte, auch andere ultrakurze atomare Prozesse zu beobachten.

Abb.: Die einzelnen Bilder des zerbrechenden Moleküls werden auf der linken blauen Platte aufgenommen, während der Zeitpunkt des Entstehens auf der rechten roten Platte registriert wird. (Bild: AK Dörner, U. Frankfurt)

Abb.: Die einzelnen Bilder des zerbrechenden Moleküls werden auf der linken blauen Platte aufgenommen, während der Zeitpunkt des Entstehens auf der rechten roten Platte registriert wird. (Bild: AK Dörner, U. Frankfurt)

Die Teilung eines Wasserstoffmoleküls, bestehend aus zwei Protonen und zwei Elektronen, kann nicht „gerecht“ ausgehen. Sie beginnt damit, dass eines der Elektronen durch einen kurzen, energiereichen Laserpuls aus dem Molekül heraus katapultiert wird. Das verbleibende Elektron verbindet sich dann mit einem der Protonen zu einem Wasserstoffatom, während das andere Proton leer ausgeht. „Man könnte meinen, dass es dem Zufall überlassen ist, wo das Elektron landet. Tatsächlich wird es aber durch das Laserlicht gesteuert“, erklärt Dörner.

Dieser Prozess läuft so schnell ab, dass er bisher nicht beobachtet werden konnte. Deshalb kamen Dörner und seine Mitarbeiter auf die Idee, das schwingende Lichtfeld des Lasers selbst als ultraschnelles und ultrapräzises Uhrwerk zu verwenden. „Eine Umdrehung dieser Uhr dauert 2,7 Femtosekunden. Eines der beiden Elektronen aus dem Wasserstoff dient als Uhrzeiger, den wir mit COLTRIMS ablesen“, so Dörner.

COLTRIMS ist ein in Frankfurt entwickeltes Reaktionsmikroskop, mit dem man die Richtung und Energie aller geladenen Fragmente eines solchen Prozesses rekonstruieren kann. Dank dieser Technik konnten die Physiker jedem Molekülfragment die Zeit seiner Entstehung zuordnen und damit die Einzelbilder in der richtigen zeitlichen Reihenfolge zu einem Film zusammensetzen.

U. Frankfurt / PH

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