Börsensimulation als Wippenspiel

  • 15. March 2013

Bremer Neurophysiker starten offenes Online-Experiment.

Wie stark Aktienkurse schwanken können, haben auch Nicht-Börsianer in den letzten Jahren genau beobachten können. Doch woher kommen diese Schwankungen? Um diese Frage zu klären, simulieren die Physiker der Universität Bremen Klaus Pawelzik und Felix Patzelt die Börse mit dem Online-Spiel „The Seesaw Game“ – das Wippenspiel.

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Abb.: Das „Seesaw Game“ basiert auf Modellen von spekulativen Märkten, Herdenverhalten und extremen Ereignissen. (Bild: U. Bremen)

Auf den ersten Blick scheint alles ganz simpel: Auf einer Wippe, auf einer Seite blau auf der anderen rot, stehen drei Gewichte: ein blaues, ein rotes und ein schwarzes. Letzteres hält die Wippe in der Balance. Mit zwei Pfeilen, ebenfalls rot und blau, wird gesetzt. Doch man spielt nicht allein, sondern online gegen andere Spieler. Und jeder Mitspieler ist Teil eines Experiments. Die Herausforderung besteht darin, einzuschätzen, wie sich die anderen Spieler verhalten werden und auf die Seite der Wippe zu setzen, die am Ende eines Spielzuges hoch gehen wird. Liegt der Spieler mit seiner Vermutung richtig, gewinnt er, liegt er falsch, gibt es Punktabzug. In einem Highscore können die Spieler verfolgen, wie sie insgesamt abschneiden.

Felix Patzelt, theortischer Physiker und Programmierer des Spiels erklärt: „An der Börse will ich möglichst hohe Preise für meine Aktien erzielen. Daher kaufe ich heute, wenn ich glaube, dass die Aktie morgen steigt und verkaufe sie morgen.“ Dadurch wird allerdings auch das Angebot der Aktie erhöht und der Preis sinkt wieder. Das bedeutet, dass man dann erfolgreich ist, wenn man das Gegenteil der Mehrheit tut. Genau dies geschieht auch beim Wippenspiel.

„Entgegen der klassischen Wirtschaftslehre, nach der ein System von Wetten und Gegenwetten immer im ausgeglichenen Verhältnis steht, zeigen sich an der Börse und auch im Spiel extreme Schwankungen“, erklärt Patzelt. Die Bremer Neurophysiker haben neue mathematische Modelle entwickelt, die sie mit dem Spiel testen und weiterentwickeln wollen. „Das Ganze ist eine Art massenpsychologisches Experiment“, so Pawelzik. „Das kann man nicht ohne sehr große Kosten im Labor machen. Während man bei dem Internet-Spiel die Möglichkeit hat, mit Tausenden von Menschen so ein Spiel zu spielen.“ Jeder Mitspieler des Seesaw-Games kann dazu beitragen, die Schwankungen an den Finanzmärkten eines Tages besser verstehen zu können.

U. Bremen / DE

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