Atomare Kühlbox für Rubidium-Ionen

  • 16. November 2012

Zusammenstöße mit kalten Atomen kühlen Ionen – so ähnlich auch im Weltraum?

Die Speicherung und Kühlung von Atomen und Ionen knapp über dem absoluten Nullpunkt gehört zu den wichtigsten in den letzten Jahren entwickelten Methoden der Atomphysik. Wissenschaftler aus Bangalore und Mainz haben nun in einem Experiment gezeigt, dass gefangene Ionen auch durch den Kontakt mit kalten Atomen gekühlt und dadurch für längere Zeit stabil in sogenannten Ionenfallen gespeichert werden können. Dieser Befund widerspricht zunächst den Erwartungen, wonach sich die Ionen durch Stöße mit den Atomen erwärmen müssten. Die Ergebnisse der indisch-deutschen Forschungskooperation eröffnen die Möglichkeit für künftige chemische Experimente zur Bildung von Molekülionen bei tiefen Temperaturen, wie sie etwa im interstellaren Raum vorliegen.

Aufbau der Apparatur am Raman Research Institute

Abb.: Aufbau der Apparatur am Raman Research Institute (Bild: RRI)

Wissenschaftler vom Raman Research Institute im indischen Bangalore und dem Institut für Physik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben für ihr Experiment zwei Techniken kombiniert: die Speicherung von neutralen Atomen in einer magneto-optischen Falle und ihre Kühlung durch Laserlicht bis kurz vor dem absoluten Nullpunkt sowie die Speicherung von geladenen Teilchen in einer Ionenfalle. Zu diesem Zweck hat Günter Werth eine Paul-Falle, wie er sie in Mainz verwendet, in Indien in Betrieb genommen, wo er sie mit einer magneto-optischen Falle kombinierte. Damit lassen sich nun gleichzeitig Ionen und kalte Atome an ein und demselben Ort fangen, um ihre Entwicklung zu beobachten.

„Die Frage war, ob das überhaupt funktionieren würde“, erläutert Werth. Das Experiment mit Rubidium-Ionen und Rubidium-Atomen hat dann gezeigt, dass die Teilchen tatsächlich Energie austauschen. Die Ionen werden bei einem Zusammenstoß mit den kalten Atomen effektiv gekühlt. Dafür sind zwei Aspekte maßgebend: Die kontinuierliche Kühlung der Atome zieht indirekt Energie von den gefangenen Ionen ab. Darüber hinaus können beim Zusammenstoß zwischen Ionen und Atomen beide ihre Ladungen austauschen und aus einem heißen wird dann ein kaltes Ion. Durch die konstante Anzahl der Atome in dem Reservoir der magneto-optischen Falle ist genügend Kapazität vorhanden, um auch eine größere Anzahl von Ionen zu kühlen, ohne dass sich das Reservoir an Atomen umgehend leert.

Neben dem Laserlicht, das an den Elektroden des Ionenkäfigs und anderen Oberflächen gestreut wird, ist ein heller Fleck zu erkennen, wo sich die gefangenen Ionen und Atome überlagern

Abb.: Neben dem Laserlicht, das an den Elektroden des Ionenkäfigs und anderen Oberflächen gestreut wird, ist ein heller Fleck zu erkennen, wo sich die gefangenen Ionen und Atome überlagern. (Bild: RRI)

Die Wechselwirkung zwischen Ionen und Atomen ist für die Physiker von besonderem Interesse, weil vergleichbare Interaktionen vielleicht im ebenso kalten Weltraum ablaufen. „Man erwartet von einem Zusammenstoß von Ionen und Atomen bei sehr niedrigen Temperaturen, dass sich Molekülionen bilden. Das ist ein Prozess, der sich vermutlich auch im interstellaren Raum abspielt“, so Werth.

JGU / OD

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