„Blick unter die Haut“ gegen Krebs

  • 05. November 2012

Derzeit ist für die Analyse auf Hautkrebs eine Biopsie nötig. Ein Forscherteam hat gezeigt, dass mit der „optischen Kohärenztomografie“ der Eingriff bald Geschichte sein könnte.

Die „optische Kohärenztomografie“ (OCT) wird bereits länger in der Augenheilkunde bei Netzhautuntersuchungen und auch in der Dermatologie eingesetzt. Jedoch war es bisher nicht möglich, so detailliert unter die Haut zu „schauen“ dass man Krebs-Vorstufen bzw. den Verlauf von Hautkrebserkrankungen erkennen kann. Das ist jetzt mit einer neuen Lasertechnologie, die von Forschern der MedUni Wien gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität in München entwickelt wurde, gelungen. Zudem wurde ein innovatives Beleuchtungsverfahren entwickelt, mit dem man besser in die Haut „eindringen“ kann.

Abb.: Die betroffene Hautstelle wird mit einem Metallring markiert, der dann am optischen Kohärenztomografen eingeklinkt wird, um bei der Untersuchung störende Bewegungen zu unterdrücken. (Bild: MUW)

Abb.: Die betroffene Hautstelle wird mit einem Metallring markiert, der dann am optischen Kohärenztomografen eingeklinkt wird, um bei der Untersuchung störende Bewegungen zu unterdrücken. (Bild: MUW)


Diese Technologie besitzt mit 1300 Nanometern eine um 500 Nanometer höhere Wellenlänge und ermöglicht es, 440.000 Tiefenprofile in der Sekunde aufzunehmen; im Gegensatz zu 20.000 bis 60.000 bei der normalen optischen Kohärenztomografie. Die höhere Wellenlänge ist nötig, um tiefer ins Haut-Gewebe eindringen zu können.

Rainer Leitgeb vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der MedUni Wien: „Die höhere Geschwindigkeit ist wichtig, damit bei der Bildgebung die Details nicht durch die Bewegung des Patienten an Kontrast verlieren. Dadurch bekommen wir ein detailreiches Bild der Durchblutung und der Gefäßstruktur. Weltweit ist es damit erstmalig gelungen, derartig detaillierte Bilder des Gefäßsystems von Hautkarzinomen beim Menschen zu bekommen.“

Damit lässt sich auch erkennen, wie ein bereits bestehender Tumor ernährt wird. „Wenn wir das besser verstehen, können wir ihn auch besser bekämpfen“, so der Forscher. Außerdem können Vorstufen von Tumoren in der Haut sichtbar gemacht werden und zwar ohne eine schmerzhafte Biopsie. „Wir haben mit diesem Verfahren also eine neue Option für die Entwicklung gezielterer Therapien. Die Hoffnung ist, dass wir einen Scan entwickeln können, mit dessen Hilfe die Hautärzte am ganzen Körper Hautkrebs und seine Vorstufen frühzeitig entdecken und damit auch frühzeitig behandeln können.“

Erste Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachjournal Biomedical Optics Express publiziert. In einer bereits laufenden klinischen Studie an der MedUni Wien werden die Resultate nochmals evaluiert, zugleich arbeiten die Wissenschafter in Wien und München an einer weiteren Verbesserung der eingesetzten Technologie.

MUW / PH

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