Gruber Kosmologie-Preis 2012 für das WMAP-Team

  • 22. June 2012

Neben Leiter Charles Bennett kann sich auch der neue MPA-Direktor Eiichiro Komatsu über die Auszeichnung freuen.

Wie die Gruber-Stiftung bekannt gab, erhält Charles Bennett gemeinsam mit dem WMAP-Team den Kosmologie-Preis 2012 für die Vermessung des Universums. Als Mitglied des WMAP-Teams und Erstautor der Artikel, die die kosmologische Interpretation der WMAP-Datensätze aus den ersten fünf bzw. sieben Jahren präsentierten, spielte der neue MPA-Direktor Eiichiro Komatsu eine wichtige Rolle beim Erfolg der WMAP-Mission. Der mit 500.000 US-Dollar dotierte Gruber Kosmologie-Preis geht damit – zumindest teilweise – zum dritten Mal an einen MPA-Wissenschaftler, nach Rashid Sunyaev 2003 und Simon White 2011.

Sieben Jahre an WMAP-Daten wurde verwendet, um dieses detaillierte Bild des jungen Universums zu erstellen

Abb.: Sieben Jahre an WMAP-Daten wurde verwendet, um dieses detaillierte Bild des jungen Universums zu erstellen. Das Bild zeigt die 13,7 Milliarden Jahre alten Temperaturschwankungen (dargestellt als Farbunterschiede) am gesamten Himmel, die die sichtbaren Anzeichen der Keimzellen darstellen, aus denen sich unsere heutigen Galaxien entwickelten. Mit Hilfe von Multifrequenzdaten wurde die Strahlung unserer Galaxie abgezogen. Die Farbabstufungen zeigen einen Temperaturbereich von ±200 µK. (Bild: NASA / WMAP Science Team)Caption

Die Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) ist eine Satellitenmission der NASA, die 2001 in eine Umlaufbahn um den zweiten Lagrange-Punkt des Erde-Sonne-Systems gestartet wurde. Der WMAP-Satellit erstellte eine vollständige Himmelskarte der nahezu gleichförmigen kosmischen Hintergrundstrahlung und lieferte so ein Bild der winzigen Temperaturschwankungen, die kleinste Dichteschwankungen widerspiegeln. Diese Strukturen sind in dem Zeitpunkt gesehen, zu dem das gesamte Universum nur 400.000 Jahre alt war, lange bevor sich irgendwelche Sterne oder Galaxien gebildet hatten.

WMAP-Teamchef Charles Bennett, Professor für Physik und Astronomie an der Johns Hopkins University, Baltimore

Abb.: WMAP-Teamchef Charles Bennett, Professor für Physik und Astronomie an der Johns Hopkins University, Baltimore. (Bild: Gruber F.)

Der neuesten Analyse der WMAP-Daten zufolge – eine Publikation mit Komatsu als Erstautor – ist das Universum auf ein Prozent genau 13,75 Milliarden Jahre alt , besteht aus 22,7 Prozent dunkler Materie, 72,8 Prozent dunkler Energie und nur 4,6 Prozent „gewöhnlicher“ Materie, hat in der ersten Billionstel Billionstel Billionstel Sekunde seiner Existenz  eine „Inflationsphase“ durchlaufen,  wie von vielen Theoretikern vorhergesagt, und besitzt innerhalb von 0,6 Prozent eine flache Geometrie besitzt. Diese Ergebnisse sind derart präzise, dass die WMAP-Version des Universums inzwischen allgemein als das kosmologische Standardmodell bekannt ist.

Obwohl Eiichiro Komatsu offiziell bereits am 1. Januar 2012 seine Direktorenstelle am MPA antrat, verbringt er bis August noch viel Zeit an der University of Texas in Austin verbringen, wo er das Texas Cosmology Center TCC leitet

Abb.: Obwohl Eiichiro Komatsu offiziell bereits am 1. Januar 2012 seine Direktorenstelle am MPA antrat, verbringt er bis August noch viel Zeit an der University of Texas in Austin verbringen, wo er das Texas Cosmology Center TCC leitet. (Bild: UT Austin)

Charles Bennett war der wissenschaftliche Projektleiter der Mission, Eiichiro Komatsu oblag seit 2001 als Teammitglied insbesondere die physikalischen Deutung der beobachteten Strukturen. Seit 2010 sammelt WMAP inzwischen keine Daten mehr, aber im Sommer 2009 wurde bereits eine Nachfolgemission gestartet: Der Planck-Satellit der ESA vermisst die Temperaturschwankungen des CMB mit noch höherer Genauigkeit als WMAP und vor diesem COBE. Das Max-Planck-Institut für Astrophysik entwickelte wichtige Software-Komponenten für Planck und ist maßgeblich an der wissenschaftlichen Interpretation der Missionsdaten beteiligt.

MPA / OD

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