Licht und Materie

  • 02. May 2012

Neue Forschergruppe an der Universität Würzburg stellt neue Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften her.

Sieht so die Energiequelle der Zukunft aus? Speziell synthetisierte Moleküle spalten mit Hilfe von Sonnenlicht Wasser in seine Bausteine Wasserstoff und Sauerstoff. Eine solche künstliche Photosynthese soll in Zukunft im Labor die Welt aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen befreien und die Menschheit mit einem schier unerschöpflichen und sauberen Energieträger versorgen.

Das Logo symbolisiert das Forschungsspektrum, das von molekularen Bausteinen (untere Kugel) zu molekularen Aggregaten (oben links) reicht

Abb.: Das Logo symbolisiert das Forschungsspektrum, das von molekularen Bausteinen (untere Kugel) zu molekularen Aggregaten (oben links) reicht. Von Interesse sind dabei die Wechselwirkungen zwischen den molekularen Bausteinen eines Aggregats, symbolisiert durch die rote „Feder“. Untersucht werden die Dynamik und damit Funktion dieser Materialsysteme mittels Licht (Lasersymbol, Mitte), insbesondere mit ultrakurzen Laserpulsen im Femtosekundenbereich. (Bild: U. Würzburg)

Der Traum von der künstlichen Photosynthese als Energielieferanten im großen Maßstab ist von der Verwirklichung allerdings noch weit entfernt. Noch fehlt es an dem notwendigen Wissen über die grundlegenden Vorgänge im Inneren der potenziellen Wasserstoffproduzenten. Eine neue Forschergruppe an der Universität Würzburg arbeitet jedoch ab sofort daran; in ihr sind Wissenschaftler aus verschiedenen Teildisziplinen der Physik und der Chemie vertreten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG unterstützt das Projekt in den kommenden drei Jahren mit rund 2,3 Millionen Euro.

Molekulare Aggregate und deren Reaktionen auf Licht stehen im Mittelpunkt des Interesses der Würzburger Forschergruppe. „Wir untersuchen die Wechselwirkung zwischen Licht und Materie mit dem Ziel, die dynamischen Prozesse und optische Phänomene zu verstehen und zu steuern“, sagt der Sprecher der Gruppe, Tobias Brixner. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen die Wissenschaftler in die Lage versetzen, neue Materialien mit spezifischen Eigenschaften maßzuschneidern.

Diese Materialien sollen natürlich nicht nur der künstlichen Photosynthese zum Durchbruch verhelfen. Extrem sparsame Lichtquellen, abhörsichere Verschlüsselungstechnik, ultraschnelle Quantencomputer, günstige Photovoltaik-Elemente, Nano-Bauteile, die sich selbst reparieren können: All das ist denkbar, wenn erst die grundlegenden Prozesse in den molekularen Aggregaten aufgeklärt und verstanden sind.

In molekularen Aggregaten wie Flüssigkeiten, Lösungen oder Kristallen lagern sich Moleküle in bestimmten Strukturen zusammen und sind mal stärker, mal schwächer untereinander verbunden. Die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bausteinen sind entscheidend für das Geschehen innerhalb der Aggregate, wenn Licht auf sie trifft.
„Die Besonderheit und damit der Reiz molekularer Aggregate im Vergleich zu beispielsweise anorganischen Festkörpern liegt darin, dass sich die Eigenschaften der molekularen ‚Grundbausteine‘ gezielt variieren lassen“, erklärt Brixner. Veränderungen auf der mikroskopischen Ebene ziehen dann auch Veränderungen im makroskopischen Maßstab nach sich. Allerdings liegen die genauen Vorgänge noch im Dunklen „In der Vergangenheit wurden zwar unzählige Moleküle ausführlich optisch untersucht, eine systematische Variation von Aggregaten fand aber in der Regel nicht statt“, so Brixner. In vielen Fällen könne man deshalb mit dem aktuellen Wissen die Eigenschaften eines komplexen Systems nicht aus den Eigenschaften der zugrundeliegenden Molekülbausteine vorhersagen.

An diesem Punkt setzt die Arbeit der Würzburger Forschergruppe an: Sie untersucht in den kommenden drei Jahren die Wechselwirkungen zwischen Licht und Materie in molekularen Aggregaten. „Wenn man die fundamentalen Regeln der Wechselwirkungen beherrscht, sollte eine neue Generation von Materialien machbar sein, die über gegenwärtige hinausgehen“, so Brixner.

Insgesamt hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Einrichtung von sechs neuen Forschergruppen und einer Klinischen Forschergruppe beschlossen. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich „aktuellen und drängenden Fragen in ihren Fächern zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren“, wie es in einer Pressemitteilung der DFG heißt. Aktuell fördert die Einrichtung 191 Forschergruppen.

U. Würzburg / OD

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