Schwefel in allen Nanoporen

  • 11. April 2012

Ein Team von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität München und der kanadischen Waterloo Universität hat poröse Nanopartikel aus Kohlenstoff entwickelt, in denen Schwefel so eingelagert ist, dass daraus leistungsfähige Akkus gebaut werden können.

Die bisherigen Prototypen des Lithium-Schwefel-Akkus bestehen aus einer Lithium-Elektrode und einer Schwefel-Kohlenstoff-Elektrode, zwischen denen Lithium-Ionen ausgetauscht werden. Der Schwefel spielt in diesem System eine besondere Rolle: zum einen kann er im Idealfall zwei Lithium-Ionen pro Schwefelatom aufnehmen und ist daher wegen seines geringen Gewichts ein exzellenter Energiespeicher. Gleichzeitig ist er aber selber kaum leitfähig, so dass Elektronen beim Be- und Entladen nur schwer weitertransportiert werden können. Die Idee der Münchner Wissenschaftler ist es daher, Schwefel mit einer möglichst großen Oberfläche zur Elektronenaufnahme zu erzeugen und ihn gleichzeitig an leitfähiges Material zu koppeln.

Abb.: Die sphärisch geordneten, mesoporösen Kohlenstoff-Nanopartikel mit sehr großer innerer Oberfläche wurden in zwei Schritten hergestellt. So bilden sie ein überlegenes Kathodenmaterial in Lithium-Schwefel-Batterien. (Bild: Angew. Chem. J. Schuster)

Abb.: Die sphärisch geordneten, mesoporösen Kohlenstoff-Nanopartikel mit sehr großer innerer Oberfläche wurden in zwei Schritten hergestellt. So bilden sie ein überlegenes Kathodenmaterial in Lithium-Schwefel-Batterien. (Bild: Angew. Chem. J. Schuster)


Dazu entwickelten Thomas Bein, Mitglied bei der Nanosystems Initiative Munich (NIM), und sein Team ein Gerüst aus porösen Kohlenstoffnanopartikeln. In den drei bis sechs Nanometer großen Poren kann sich der Schwefel homogen verteilen. Dadurch liegen fast alle Schwefelatome frei zugänglich, um Lithium-Ionen aufzunehmen. Gleichzeitig befinden sie sich in der Nähe des leitfähigen Kohlenstoffs.

„Der Schwefel ist in den neuartigen hochporösen Kohlenstoffnanoteilchen elektrisch sehr gut zugänglich und wird darin stabilisiert, so dass wir eine hohe Anfangskapazität von 1200 Milliamperestunden pro Gramm und gute Zyklenstabilität erzielen konnten“, erklärt Thomas Bein. „Unsere Ergebnisse zeigen die große Bedeutung der Nano-Morphologie für die Leistungsfähigkeit neuer Konzepte zur Energiespeicherung.“

Die Kohlenstoff-Struktur verringert auch das „Polysulfid-Problem“. Polysulfide entstehen als Zwischenprodukt der Elektrolyse und können das Laden und Entladen des Akkus beeinträchtigen. Der Kohlenstoff bindet das Polysulfid jedoch solange, bis dessen Umwandlung zum unschädlichen Dilithiumsulfid abgeschlossen ist. Zusätzlich konnten die Wissenschaftler das von ihnen entwickelte Kohlenstoff-Material mit einer dünnen Silizium-Oxid-Schicht überziehen, die vor Polysulfid schützt, ohne die Leitfähigkeit zu beeinträchtigen.

Mit ihrem neuem Material stellten die Wissenschaftler ganz nebenbei einen Rekord auf: Unter allen mesoporösen Kohlenstoff-Nanopartikeln weist ihr Material nach aktueller Datenlage das bisher größte innere Porenvolumen (2,32 Kubikzentimeter pro Gramm) und die extrem hohe Oberfläche von 2445 Quadratmeter pro Gramm auf. Das entspricht ungefähr dem Volumen eines Zuckerwürfels und der Oberfläche von zehn Tennisfeldern – vielleicht werden ähnlich große Oberflächen bald in unseren Akkus stecken.

NIM / PH

Share |

Webinar

Warum reale akustische Systeme nur multiphysikalisch simuliert werden können

  • 02. November 2017

In diesem Webi­nar wird ge­zeigt, warum man bei­spiels­weise schon bei der Simu­la­tion eines „ein­fachen“ Laut­spre­chers auf multi­phy­si­ka­li­sche Kopp­lung an­ge­wie­sen sein kann, wenn man ex­pe­ri­men­tel­le Er­geb­nis­se kor­rekt re­pro­du­zie­ren will.

Alle Webinare »

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer