Quantengravitation im Spiegel sehen?

  • 19. March 2012

Eine Forschungskollaboration schlägt ein Experiment mit Spiegeln auf der Skala der Planck-Masse vor, mit dem man einige Quantengravitationstheorien im Labor überprüfen könnte.

Eine der wichtigsten und spannendsten Aufgaben der modernen Physik ist die Suche nach einer Theorie, die die Quantenmechanik mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie vereinigt. Eine vereinheitlichte Theorie der Quantengravitation erwartet man auf der Planck-Skala von extrem großen Energien und sehr kleinen Entfernungen. Die Planck-Länge beträgt gerade mal 1,6 × 10-35 Meter: Würde man diese Länge als einen Meter definieren, so wäre ein Atom so groß wie das gesamte sichtbare Universum. Und auch die Planck-Energie ist so groß, dass selbst der Large Hadron Collider des CERN nur einen winzigen Bruchteil dieser Energie erreicht. Um nahe an die Planck-Energie zu kommen, müsste ein Teilchenbeschleuniger eine astronomische Größe haben.

Abb.: Darstellung eines Laserpulses, der in Wechselwirkung mit dem Spiegel mögliche Quantengravitationseffekte testet. (Bild: J, Schmöle, VCQ, U. Wien)

Abb.: Darstellung eines Laserpulses, der in Wechselwirkung mit dem Spiegel mögliche Quantengravitationseffekte testet. (Bild: J, Schmöle, VCQ, U. Wien)


Die Planck-Skala kann auch durch die Planck-Masse beschrieben werden: Ein Staubkorn hat etwa diese Masse, was im Vergleich zu Atomen extrem schwer ist, so dass Quanteneffekte für solche Massen als nicht beobachtbar gelten. Die Skala ist damit so weit von Experimenten entfernt, dass es als nahezu unmöglich gilt, Theorien der Quantengravitation zu testen. Trotzdem haben Physiker jetzt einen Weg beschrieben, wie die Vorhersagen mancher Theorien der Quantengravitation im Experiment mit massiven Spiegeln zu testen wären.

Dabei kommt Heisenbergs Unschärferelation in’s Spiel: Die Quantenmechanik verbietet es, die Position und die Geschwindigkeit eines Teilchens gleichzeitig zu kennen. Trotzdem sind aufeinanderfolgende Messungen vom Ort und vom Impuls möglich: Entweder man misst zuerst den Ort und dann den Impuls oder umgekehrt. In der Quantenphysik erhält man unterschiedliche Resultate, je nachdem welche Reihenfolge man wählt. Viele Theorien zur Quantengravitation besagen jedoch, dass sich dieser Unterschied abhängig von der Masse ändert, denn die Planck-Länge begrenzt die Messgenauigkeit des Ortes. Forscher in Wien und in London haben jetzt gezeigt, dass trotz dieser nur sehr kleinen Änderung ein messbarer Effekt bei sehr massiven Quantensystemen auftreten kann.

Die Idee der Forscher besteht darin, diese Differenz zwischen den beiden Messreihenfolgen in neuen Quantensystemen zu testen: Mit neuen Techniken und Quantentechnologien ist es seit kurzem möglich, massive, bewegliche Spiegel in Quantenzustände zu bringen und diese mit sehr hoher Präzision auszumessen. Die Forscher schlagen vor, vier Wechselwirkungen zwischen einem Laserpuls und einem beweglichen Spiegel zu nutzen, um genau diesen Unterschied zwischen der Reihenfolge der Messungen des Orts und des Impulses zu untersuchen. Indem man die Wechselwirkungen ganz genau zeitlich koordiniert und präzise implementiert, scheint es möglich, diesen Effekt auf den Laserpuls zu übertragen und ihn dann mit quantenoptischen Methoden auszulesen.

„Jegliche Abweichung von dem erwarteten quantenmechanischen Ergebnis wäre sehr spannend", sagt Igor Pikovski, Erstautor der Forschungsarbeit, „und selbst wenn man keine Abweichung misst, erhält man eine Einschränkung für mögliche neue Theorien."

U. Wien / PH

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