Kosmische Teilchenbeschleuniger bringen die Dinge in Gang

  • 18. November 2011

Die Cluster-Satelliten der Esa haben entdeckt, dass kosmische Teilchenbeschleuniger effizienter sind als bisher angenommen.

Alle Teilchenbeschleuniger müssen irgendwie mit dem Beschleunigungsprozess beginnen. Zum Beispiel werden beim großen Hadronen-Speicherring am Cern eine Reihe kleiner Beschleuniger eingesetzt, um die Teilchen auf Geschwindigkeit zu bringen, bevor sie in den ringförmigen Hauptbeschleuniger mit 27 Kilometer Umfang für die weitere Beschleunigung eingeschossen werden.

Abb.: Die Cluster-Raumsonden stoßen auf die Bugstoßwelle der Erde. (Bild: Esa / AOES Medialab)

Abb.: Die Cluster-Raumsonden stoßen auf die Bugstoßwelle der Erde. (Bild: Esa / AOES Medialab)


Große magnetische Felder im Weltraum führen Teilchen als kosmische Strahlung mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das Universum, sind aber kaum in der Lage, sie überhaupt erst in Bewegung zu bringen. Nun hat die Cluster-Mission der Esa gezeigt, dass in den natürlichen Teilchenbeschleunigern des Weltraums über unseren Köpfen ein ähnlicher „Stufenprozess“ stattfindet wie bei Cern.

Am 9. Januar 2005 flogen die vier Cluster-Satelliten durch eine magnetische Stoßfront hoch über der Erde. Die rotierenden Raumfahrzeuge waren nahezu perfekt am Magnetfeld ausgerichtet und konnten so bestimmen, was mit Elektronen in einem sehr kurzen Zeitmaßstab von 250 Millisekunden oder weniger passiert.

Die Messungen zeigten einen starken Temperaturanstieg der Elektronen an, was die Bedingungen für eine Beschleunigung im großen Maßstab begünstigte. Man hatte lange vermutet, dass Stoßfronten dafür verantwortlich sein könnten, aber die Schichtdicke der Stoßfronten und die genauen Einzelheiten des Prozesses waren schwer zu erfassen.

Steven J. Schwartz vom Imperial College in London und seine Kollegen nutzten die Cluster-Daten, um einzuschätzen, wie dick die Stoßfront ist. Je dünner die Stoßfront ist, desto leichter kann sie Teilchen beschleunigen.

„Durch diese Beobachtungen haben wir herausgefunden, dass die Schicht der Stoßfront extrem dünn ist“, sagt Schwartz. Mit „dünn“ sind in diesem Zusammenhang etwa 17 Kilometer gemeint. Frühere Schätzungen ergaben, dass die Stoßwellen über der Erde nicht mehr als 100 Kilometer dick sind. Zum ersten Mal wurde die Region der anfänglichen Beschleunigung in solchem Detail vermessen.

Stoßwellen gibt es überall im Universum. Sie entstehen dort, wo ein schnell fließendes Medium auf ein Hindernis oder einen anderen Teilchenstrom trifft. Ein ähnlicher Prozess findet in der Erdatmosphäre statt, wenn ein Überschallflugzeug mit der Atmosphäre kollidiert, bevor die Luftteilchen zur Seite gedrückt werden können. Sie bilden eine Stoßfront vor dem Flugzeug, die wir als Überschallknall hören.

Im Sonnensystem erzeugt die Sonne einen sich schnell bewegenden, elektrisch geladenen Teilchenwind. Trifft er auf das Magnetfeld der Erde, entsteht vor unserem Planeten eine permanente Stoßwelle. Das Cluster-Programm untersucht dieses Phänomen und die neuen Ergebnisse auf diesem Gebiet könnten in größerem Maßstab angewandt werden. Stoßwellen finden sich auch im Umfeld von explodierenden Sternen, jungen Sternen, schwarzen Löchern und ganzen Galaxien. Astronomen vermuten, dass sie der Ursprung der hochenergetischen kosmischen Strahlung sein könnten, die sich im ganzen Universum befindet.

Esa / PH

Share |

Webinar

Warum reale akustische Systeme nur multiphysikalisch simuliert werden können

  • 02. November 2017

In diesem Webi­nar wird ge­zeigt, warum man bei­spiels­weise schon bei der Simu­la­tion eines „ein­fachen“ Laut­spre­chers auf multi­phy­si­ka­li­sche Kopp­lung an­ge­wie­sen sein kann, wenn man ex­pe­ri­men­tel­le Er­geb­nis­se kor­rekt re­pro­du­zie­ren will.

Alle Webinare »

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer