Physik mit Prädikat

  • 11. December 2003

Physik mit Prädikat

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft gibt die Preisträger des Jahres 2004 bekannt.

Die höchste Auszeichnung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) für Theoretische Physik geht an den Quantenforscher und Biophysiker Klaus Hepp, Professor an der ETH Zürich. Der Schweizer erhält die „Max-Planck-Medaille 2004“ für seine Beiträge zur Quantenfeldtheorie und Laserphysik sowie für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Neurowissenschaften. Mit der „Stern-Gerlach-Medaille“, der wichtigsten DPG-Auszeichnung für Experimentelle Physik, wird der Festkörperforscher Frank Steglich geehrt. Der Dresdner Experte für Supraleitung ist Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe.

Folgende Preisträger hat die DPG jetzt benannt:

  • Max-Planck-Medaille - höchste DPG-Auszeichnung für Theoretische Physik
    Die Auszeichnung erhält Herr Prof. (em.) Dr. Klaus Hepp (66), ETH Zürich, für seine bedeutenden Beiträge zur Quantenfeldtheorie und Laserphysik sowie für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Neurowissenschaften. Der gebürtige Kieler mit Schweizer Pass hat seit den 1970ern die Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns erforscht – insbesondere das Zusammenspiel zwischen Seh-, Bewegungssinn und Augenbewegung. Diese neuronale Abstimmung versagt bei Menschen mit Gleichgewichtsstörungen, auch bei Seekranken ist sie aus dem Takt geraten.

  • Stern-Gerlach-Medaille - höchste DPG-Auszeichnung für Experimentelle Physik
    Die Auszeichnung erhält Herr Prof. Dr. Frank Steglich (62), Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe (Dresden), für die bahnbrechende Entdeckung einer besonderen Form der Supraleitung („Schwere-Fermionen-Supraleitung“) und seine Beiträge zur Physik der kondensierten Materie, insbesondere zum Magnetismus und zur Supraleitung „stark korrelierter“ Elektronensysteme (Bild: DFG).

  • Walter-Schottky-Preis - Nachwuchspreis für herausragende Beiträge zur Physik der kondensierten Materie, unterstützt von Siemens AG und Infineon Technologies AG
    Die Auszeichnung erhält Herr Priv.-Doz. Dr. Markus Morgenstern (37), Universität Hamburg, für seine hervorragenden Arbeiten über die elektronischen Eigenschaften von Halbleitern. Morgensterns Werkzeug ist das „Rastertunnelmikroskop“. Damit untersucht der Festkörperphysiker Materialien, die starken Magnetfeldern und sehr niedrigen Temperaturen ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen elektronische Systeme in verschiedenen Dimensionen – etwa Elektronen, die sich in einem zweidimensionalen „Flachland“ bewegen. 

  • Gustav-Hertz-Preis - Auszeichnung für herausragende junge Physikerinnen und Physiker
    Die Auszeichnung erhält Herr Dr. Klaus Blaum (31), GSI Darmstadt und Forschungszentrum CERN (Genf), für seine hervorragenden Arbeiten über die Massenbestimmung instabiler Atomkerne. Blaum perfektionierte das so genannte ISOLTRAP-Experiment, das am europäischen Teilchenlabor CERN in der Abteilung ISOLDE betrieben wird. Das Experiment untersucht geladene Atome (Ionen) mit Hilfe so genannter Fallen. Blaum erweiterte den Messaufbau um eine „Kohlenstoffcluster-Quelle“. Dank dieser Eichapparatur ist es erstmals möglich, Kernmassen entlang des gesamten Periodensystems der Elemente bzw. der Nuklidkarte präzise zu messen. Kernmassen geben unter anderem Aufschluss über die „Schwache Wechselwirkung“ – eine der fundamentalen Naturkräfte – sowie über die Entstehung der chemischen Elemente im Inneren der Sterne.

  • Robert-Wichard-Pohl-Preis - für herausragende fachübergreifende Forschung oder Physik-Didaktik
    Die Auszeichnung erhält Herr Prof. Dr. (em.) Hans-Joachim Wilke (69), TU Dresden. Der Physik-Didaktiker hat sich um die klassische Experimentierkultur zur Vermittlung physikalischer Sachverhalte verdient gemacht. Wilke hat in hervorragender Weise zu einer attraktiven Physikausbildung beigetragen und begeistert mit seinen Vorführungen ein breites Publikum. Die Markenzeichen seiner Vorträge sind spektakuläre Experimente mit „Aha-Effekt“.

  • Hertha-Sponer-Preis - für herausragende Wissenschaftlerinnen
    Die Auszeichnung erhält Frau Dr. Myrjam Winning (33), RWTH Aachen, für ihre bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Metallurgie und Materialwissenschaften. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen so genannte Korngrenzen, die sie per Röntgenstrahlung („Röntgenbeugung“) untersuchte. Diese mikroskopischen Strukturen beeinflussen Festigkeit und Elastizität von Werkstoffen. 

  • Georg-Kerschensteiner-Preis - für hervorragende Leistungen in Lehre und Physik-Vermittlung
    Diese Auszeichnung teilen sich zwei Physik-Lehrer aus Baden-Württemberg: Herr Dipl.-Phys. StD Bernd Kretschmer (62, rechtes Bild), Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach und Herr Dipl.-Phys. StD Rudolf Lehn (53, linkes Bild), Schülerforschungszentrum e.V., Bad Saulgau, erhalten diesen Preis für ihre herausragenden Erfolge bei der Förderung von Schülerinnen und Schüler auf dem Gebiet der Physik. Die beiden Physik-Lehrer engagieren sich auf vielfältige Weise in der Nachwuchsförderung und betreuen seit 1995 das deutsche Team beim „International Young Physicists’ Tournament“. An dem Physik-Wettbewerb beteiligen sich Jahr für Jahr rund zwanzig Schülergruppen aus aller Welt. Mit Kretschmer und Lehn an der Spitze holte die deutsche Equipe bislang dreimal den Titel – zuletzt im Sommer 2003 – und belegte ansonsten mindestens Platz 3. 

  • Georg-Simon-Ohm-Preis - für herausragende Fachhochschulabsolventen
    Die Auszeichnung erhält Frau Dipl.-Physik-Ing. (FH) Stefani Dokupil (28), FH Münster und Forschungszentrum caesar (Bonn), für ihre herausragenden Arbeiten über magnetische Schichtsysteme, die als Dehnungssensoren verwendet werden können. Dokupil führte diese Untersuchungen im Rahmen ihrer Diplomarbeit durch. Die hauchdünnen Schichtsysteme kombinieren „magnetostriktive“ Materialien mit „Tunnelmagnetowiderstands-Strukturen“ und reagieren auf Verformungen mit einem elektrischen Signal. Die Sensoren könnten in der Medizintechnik eingesetzt werden, zum Beispiel in der Kieferorthopädie oder bei der Fußdruckanalyse. Dokupil ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bonner Forschungszentrum caesar. 

  • Max-Born-Preis - Auszeichnung der DPG und des britischen Institute of Physics für herausragende Beiträge zur Physik
    Die Auszeichnung erhält Herr Prof. Dr. Matthias Scheffler (52), Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (Berlin), für seine herausragenden Beiträge zur theoretischen Oberflächenphysik. Scheffler untersucht chemische Reaktionen auf Oberflächen – insbesondere die Katalyse – mit Hilfe von Supercomputern. Außerdem befasst er sich mit dem Wachstum von Nano-Strukturen und den Eigenschaften von Biomolekülen. 

  • Gentner-Kastler-Preis - Auszeichnung der DPG und der Société Française de Physique für herausragende Beiträge zur Physik
    Die Auszeichnung erhält Frau Prof. Dr. Dominique Langevin (56), Université Paris Sud, für ihre herausragenden Beiträge zur Physik der „weichen Materie“ und ihre Unterstützung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Zum Arbeitsgebiet der Experimentalphysikerin zählen unter anderem Schäume und Seifenfilme, aber auch Oberflächeneffekte wie die „Kapillarwellen“. 

  • DPG-Schülerpreis - Auszeichnung für besondere Leistungen bei internationalen Physik-Wettbewerben
    34. Internationale Physikolympiade:
    Herr Igor Gotlibovych (15), Maria-Theresia-Gymnasium München, Herr Thomas Krämer (20), Alte Landesschule Korbach (Hessen), jetzt: Universität Würzburg, Herr Matthias Merkel (19), Max-Steenbeck-Gymnasium Cottbus, jetzt: TU Dresden, Herr David Schwandt (20), Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Frankfurt/Oder, z. Zt. Zivildienstleistender, Frau Daniela Taubert (19), Theodor-Heuss-Gymnasium Nördlingen (Bayern), jetzt: LMU München. Bei der Physikolympiade, die im Sommer 2003 in Taipeh (Taiwan) stattfand, belegte diese Gruppe den siebten Platz unter 54 Nationen. Der gebürtige Ukrainer Igor Gotlibovych, Mitglied der deutschen Delegation, gewann eine Goldmedaille. Die Physikolympiade ist ein Einzelwettbewerb und besteht aus zwei mehrstündigen Klausuren, einer theoretischen und einer experimentellen. Betreuer sind Herr Dr. Harri Heise, Werner-Heisenberg-Gymnasium, Heide (Schleswig-Holstein), Herr Dr. Gunnar Friege, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel.


    Dr. Harri Heise, Mathias Merkel, David Schwandt, Daniela Taubert, Thomas Krämer, Igor Gotlibovych und Dr. Gunnar Friege (von links).

    16. International Young Physicists’ Tournament (IYPT):
    Herr Lars Boyde (20), Friedrich-Schiller-Gymnasium Fellbach , z. Zt. Zivildienstleistender, Frau Natalie Müller (20), Kant-Gymnasium Weil am Rhein, jetzt: Universität Heidelberg, Herr Benjamin Obert (19), Störck-Gymnasium Bad Saulgau, jetzt: Universität Ulm, Herr Dominik Schmid-Lorch (20), Gymnasium Ebingen (Albstadt-Ebingen), jetzt: Universität Ulm, Herr Alexander Zöllner (20), Theodor-Heuss-Gymnasium Schopfheim, jetzt: Universität Heidelberg. (alle Preisträger stammen aus Baden-Württemberg). Im Sommer 2003 gewann dieses Team das IYPT im schwedischen Uppsala. An dem Turnier beteiligten sich Jugendliche aus über zwanzig Nationen. Das IYPT ist ein Mannschaftswettbewerb. Vor dem Turnier haben die Teams mehrere Monate Zeit, um 17 verschiedene physikalische Probleme zu bearbeiten. So entstehen richtige Forschungsprojekte, deren Ergebnisse beim eigentlichen Wettkampf vorgestellt werden. Betreuer sind Herr StD Bernd Kretschmer, Hans-Thoma-Gymnasium, Lörrach, Herr StD Rudolf Lehn, Schülerforschungszentrum e.V., Bad Saulgau.

    Benjamin Obert, Alexander Zöllner, Natalie Müller, Lars Boyde und Dominik Schmid-Lorch (von links).

Quelle: DPG
Bildquelle: DPG (soweit nicht anders angegeben)

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