Neuordnung des Physik-Studiums

  • 03. June 2004



Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Konferenz der Fachbereiche Physik empfehlen ein zweistufiges Studium mit Bachelor- bzw. Master-Abschluss.


Bad Honnef – Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) und die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) sprechen sich für ein zweistufiges Physik-Studium an Stelle des bisherigen, einstufigen Diplom-Studiengangs aus. Demnach soll in Zukunft der erste berufsqualifizierende Abschluss – Bachelor genannt – nach dreijähriger Studiendauer erreicht werden. Ein zweijähriges Aufbaustudium befähigt zu dem Abschluss „Master“.


Herzstück des Master-Studiengangs ist eine einjährige Forschungsphase, bei der selbständiges und praktisches Arbeiten im Vordergrund stehen, und die mit der Abgabe der Master-Abschlussarbeit endet. Die DPG und die KFP treten dafür ein, dass der Master-Studiengang allen qualifizierten Bewerbern offen steht. Quotierungen lehnen die DPG und die KFP nachdrücklich ab. Diese Stellungnahme wurde zum Abschluss einer Klausurtagung im rheinischen Bad Honnef verabschiedet. Hintergrund der Resolution ist der „Bologna-Prozess“, der bis zum Jahre 2010 zu europaweit vergleichbaren Studienabschlüssen führen soll.


Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Konferenz der Fachbereiche Physik legen damit detaillierte Richtlinien vor, die als Grundlage für die Gestaltung der Physik-Studiengänge in Deutschland dienen sollen. Ein Ziel ist dabei, das Physik-Studium zu straffen. Zudem soll durch Einführung eines international gültigen Punktesystems die Mobilität der Studierenden innerhalb Europas gefördert werden. Des Weiteren geht es darum, Fächerkombinationen zu erleichtern – etwa die Verknüpfung eines Bachelor in Physik mit einem Master in einer Ingenieurswissenschaft oder Jura.


Für Deutschland als Hochtechnologiestandort, dessen internationale Konkurrenzfähigkeit auf Exzellenz in Wissenschaft und Technik beruht, muss, so die DPG und die KFP, die Qualität des Physik-Studiums höchste Priorität haben. Die hohen Standards der deutschen Physikausbildung werden in aller Welt geschätzt und sind Ursache dafür, dass die Arbeitslosigkeit in diesem Beruf mit dreieinhalb Prozent weit unter dem deutschen Durchschnitt liegt. Die Fähigkeit von Physikern und Physikerinnen, neue Sachverhalte zügig zu erschließen und zu nutzen, ist für diese Berufsgruppe prägend. Die DPG und die KFP sehen daher in der einjährigen Forschungsphase im Rahmen des Master-Studiengangs ein zentrales Element der Physik-Ausbildung. Denn während dieses Studienabschnittes, der mit der Abgabe der Master-Arbeit endet, steht selbständiges und an der Komplexität der Praxis orientiertes Arbeiten im Vordergrund. Kurzum: während der Forschungsphase festigen angehende Physikerinnen und Physiker jene Fähigkeiten, die von Wissenschaft und Industrie so geschätzt werden. Damit widersprechen die DPG und die KFP der Vorgabe der Kultusministerkonferenz, die unabhängig von den jeweiligen fachspezifischen Anforderungen für das letzte Studienjahr weiteres Lernen gefolgt von einer halbjährlichen Masterarbeit festlegt.


„Industrie und Forschung fordern von den Hochschulen Physik-Absolventen, die selbständiges Arbeiten gelernt haben, die sich auf unbekanntem Terrain flexibel bewegen und dafür Verantwortung übernehmen können“, erklärt DPG-Präsident Knut Urban. „Während überall Praxisnähe gefordert wird, möchte die Politik lieber die Hälfte des letzten Studienjahres mit weiteren schulischen Lerninhalten füllen. Wir plädieren dafür, dieses Jahr als ganzes zu nutzen, um die jungen Menschen durch Stärkung von Eigenverantwortung und strategischem Denken auf die Praxis des Berufsalltags vorzubereiten.“


Bildungspolitiker haben sich verschiedentlich dafür ausgesprochen, die Zahl der Studierenden, die nach der Erlangung des Bachelor-Grades ein Master-Studium aufnehmen dürfen, zu begrenzen. Die Physiker lehnen Quotierungen nachdrücklich ab. Für eine solche Reglementierung liefere weder die Bologna-Erklärung noch die absehbare Entwicklung des Arbeitsmarktes für Physiker und Physikerinnen eine Rechtfertigung, so die DPG und die KFP. „Bereits heute, wo die meisten Studierenden mit dem Diplom abschließen, können wir in Deutschland den Bedarf an hoch qualifizierten Physikerinnen und Physikern nicht abdecken“, sagt der Vorsitzende der KFP, Axel Haase, Präsident der Universität Würzburg. „In dieser Situation fordert es die Verantwortung für den Wissenschafts- und Technikstandort Deutschland, dass man sich nicht an der Niedrigqualifikation des Bachelor orientiert, sondern dass man im Gegenteil Bedingungen dafür schafft, dass möglichst viele Studierende den Abschluss auf international hohem Niveau erreichen. Einem Niveau, das dem bisherigen Diplom entspricht – und das ist der Master.“ Die Physiker befürchten zudem, dass Studierende, denen hierzulande der Master-Studiengang verwehrt wird, die im Bologna-Prozess gewonnene Bewegungsfreiheit nutzen könnten, um im Ausland weiter zu studieren. Dieser „Brain Drain“ würde die Zahl der Absolventen in Deutschland noch weiter reduzieren.


Quelle: DPG


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