Doktor Bolognese?

  • 15. May 2007

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Die Deutsche Physikalische Gesellschaft fordert, dass die Promotion weiterhin ausdrücklich der Forschung dienen soll.

Bad Honnef – Nach Vorstellung der europäischen Bildungsminister, die diese Woche in London tagen, soll die Promotion in den „Bologna-Prozess“ integriert werden. Als dritte Stufe im Anschluss an Bachelor und Master wäre die Doktorarbeit damit Teil der universitären Ausbildung. „Die Promotionsphase ist keine Ergänzung des Studiums“, meint dazu Prof. Dr. Eberhard Umbach, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). „Doktoranden sind berufstätige Wissenschaftler, keine Studenten. Die Belastung der Doktoranden mit zusätzlichen Lerninhalten geht auf Kosten der Forschung.“

Ziele des „Bologna-Prozesses“ sind europaweit vergleichbare Studiengänge und Hochschulabschlüsse. In diesem Zusammenhang begrüßt die DPG Aktivitäten, die die Qualität der Promotion weiter erhöhen. Doktorandinnen und Doktoranden aller Disziplinen erwarten heutzutage eine transparente und damit planbare Promotionsphase. DPG-Präsident Umbach stellt jedoch klar, dass „ein Promotionsprogramm der Physik auch zukünftig nicht als Fortsetzung der universitären Ausbildung betrachtet werden darf. Das Masterstudium bildet Physiker bereits zum Forscher aus. Die Promotionsphase ist dann die erste Berufstätigkeit der hochqualifizierten Hochschulabsolventen. Doktoranden tragen hierzulande rund zwei Drittel der Forschungsleistung in der Physik. Darauf können wir keinesfalls verzichten.“

Die DPG wendet sich gegen eine übermäßige Reglementierung der Promotion. „Promotionsprogramme, die sich an den Gepflogenheiten des jeweiligen Fachgebiets orientieren, können zur Qualitätssicherung beitragen. Auch ergänzende Lehrveranstaltungen im kleineren Rahmen können nützlich sein, besonders im Falle interdisziplinärer Forschungsgebiete. Doch eine europäische ‚Standardpromotion' mit verschultem und überladenem Ausbildungsprogramm und mehreren Prüfungen wäre der falsche Weg“, kritisiert Umbach.

Auch Prof. Dr. Gerd Ulrich Nienhaus, DPG-Vorstandsmitglied für Bildung und Ausbildung, gibt zu bedenken: „Im Zuge einer europäischen Reglementierung können nationale und fachspezifische Besonderheiten nicht mehr differenziert genug berücksichtigt werden. In Deutschland haben die begehrten Physikdoktoranden nahezu alle einen Arbeitsvertrag oder ein Forschungsstipendium und sind in der Regel Teil einer Arbeitsgruppe. Über ihre Teams sind sie vielfach in größere Forschungsprojekte und entsprechende Zeitpläne eingebunden. Diese günstigen Rahmenbedingungen existieren selten in anderen Fachgebieten. Insofern sind wir skeptisch gegenüber einer ‚Standardpromotion', die die unterschiedlichen Fächerkulturen aus dem Blick verliert.“

Nach Überzeugung von DPG-Vorstandsmitglied Nienhaus fördert die bisherige Promotionskultur in der Physik nicht nur das Entstehen von exzellenten Doktorarbeiten: „Zugleich werden die vom Arbeitsmarkt geforderten ‚Soft Skills' vermittelt, zum Beispiel durch englischsprachige Konferenzpräsentationen, Publikationen oder die unterstützende Tätigkeit in der universitären Lehre. Der Erfolg dieses Modells zeigt sich in der erfreulich niedrigen Arbeitslosenquote von nur 3 Prozent bei Physikern. In Deutschland promovierte Physiker sind international hoch begehrt.“

Damit die hohe Qualität der Promotion im Interesse der Nachwuchswissenschaftler und künftiger Arbeitgeber weiter besteht, fordert die DPG, dass nur Absolventinnen und Absolventen mit angemessener Qualifikation zur Promotion zugelassen werden. DPG-Präsident Umbach: „Allein der an einer Universität erworbene Master-Grad – und zwar mit sehr guten Leistungen – dokumentiert die Eignung zur Promotion. Ein ‚Fast Track', der vom Bachelor direkt zur Promotion führt, sollte nur außergewöhnlich talentierten Kandidaten offen stehen.“

Quelle: DPG

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