Herausforderungen und vielfältige Chancen

  • 29. December 2008


Physik Journal - Das Wahljahr bietet uns die Möglichkeit, die Bedeutung der Physik zu unterstreichen. Von Gerd Litfin


Den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, ist eine zentrale Aufgabe der DPG. Schon heute spüren wir die Auswirkungen des Fachkräftemangels in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern. Der Suche nach Lösungen muss sich die DPG deshalb mit ganzer Kraft auch in diesem und in den kommenden Jahren widmen. Naturwissenschaftliche Bildung fängt bereits im Kindergarten an. Uns allen muss die frühkindliche Bildung ebenso wie die Schulausbildung ein zentrales Anliegen sein, um Interesse und naturwissenschaftliche Neugier zu wecken und wachzuhalten. Für die anschauliche Vermittlung von naturwissenschaftlichen Inhalten hat die DPG deshalb Ende des letzten Jahres der „Sendung mit der Maus“ die Medaille für naturwissenschaftliche Publizistik verliehen. Fakt ist: Physik und naturwissenschaftliche Bildung gehören zu den Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb der Hochtechnologieländer. Dieses wurde auch bei einem Treffen zwischen der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Schavan, dem DPG-Hauptgeschäftsführer und mir im Magnus-Haus Berlin thematisiert.

Gespannt sind wir auf die Fortschritte und Ergebnisse des Lehrerfortbildungsprojekts der DPG, gefördert durch die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, sowie die Studie zu den Quereinsteigern in das Lehramt Physik. Wir möchten und müssen durch diese Projekte die Nachwuchsförderung sowie die Qualitätsentwicklung und -sicherung des naturwissenschaftlichen Unterrichts in besonderem Maße voranbringen.

Frauen sind in Führungspositionen generell unterrepräsentiert. Um in der Physik ihren Anteil in Führungspositionen zu erhöhen, müssen wir an der Basis beginnen und uns ganz besonders dafür einsetzen, Physik für Mädchen und Frauen in Schule, Studium und Beruf attraktiver zu machen. Hier sieht sich die DPG im Einklang mit dem vom BMBF angeregten nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen, den ich in meiner Funktion als DPG-Präsident mitunterzeichnet habe. Die Pakt-Partner haben sich für die kommenden Jahre konkrete gemeinsame Ziele gesetzt. Dazu zählt zum einen, die Zahl der Studienanfängerinnen in MINT-Fächern auf mindestens europäisches Niveau zu steigern. Zum anderen soll der Frauenanteil in Führungspositionen an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen um einen Prozentpunkt pro Jahr wachsen bzw. bei Neueinstellungen im MINT-Bereich – mindestens auf den Anteil der Hochschulabsolventinnen in den entsprechenden Fächern. In den Pakt bringt sich die DPG mit den „Lise Meitner Lectures“ ein, die gemeinsam mit der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft Schülerinnen und jungen Frauen „Role Models“, also weibliche Vorbilder, aus der Physik vorstellen, um so mehr weiblichen Nachwuchs für die Universitäten und Forschungsinstitute zu gewinnen.

Das neue Jahr stellt wiederum eine Reihe von Herausforderungen an uns. Es bietet jedoch auch vielfältige Chancen. Als Wahljahr – sowohl der Deutsche Bundestag als auch das Europaparlament werden neu gewählt – gibt es uns die Möglichkeit, die Bedeutung der Physik für die Gesellschaft zu unterstreichen. In Gesprächen mit unseren lokalen Abgeordneten sowie in übergeordneten Gesprächsrunden mit Politikern werden wir die Chance nutzen, die Bedeutung hochwertiger Physikausbildung hervorzuheben – beginnend von der Schule bis in die Universität. Auch sollte es uns gelingen, das erforderliche Qualitätsniveau für die Physik herauszustellen und die damit verbundenen strukturellen, personellen und finanziellen Anforderungen anzumelden. Die großen gesellschaftsrelevanten Themen wie Energie, Klima und Gesundheit, zu denen die Physik wichtigen Input liefern kann, werden in der Diskussion mit der Politik sicher eine besondere Rolle spielen. Industriephysiker in diese Gespräche einzubeziehen, ist uns ein wichtiges Anliegen und eine Voraussetzung für deren verbesserte Einbindung in die DPG.

Das im Dezember erstmals versandte Infoblatt „Physik konkret“ wird zukünftig dabei helfen, aktuelle Themen mit relevanten Fakten vorzubereiten. Etwa sechsmal im Jahr wollen wir damit unsere Mitglieder, Industriephysiker und Politiker über wichtige Themen informieren.

Ich möchte denjenigen, die sich im abgelaufenen Jahr für die DPG engagiert haben, meinen herzlichen Dank aussprechen. Angesichts der wichtigen Aufgaben, die uns bevorstehen, benötigen wir wiederum viele Menschen, die mitwirken, unterstützen und helfen. Damit nehmen wir eine außergewöhnliche Chance für die Physik in Deutschland war.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2009.



Prof. Dr. Gerd Litfin ist Präsident der DPG und Vorsitzender des Aufsichtsrats der LINOS AG.


Quelle: Physik Journal, Januar 2009, S. 3

AL

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