Im Weltall brennt noch Licht

  • 20. November 2003

Vor fünf Jahren - am 20. November 1998 - war die Geburtsstunde der ISS.

Moskau (dpa) - Als am 20. November 1998 die Geburtsstunde der Internationalen Raumstation (ISS) schlug, kannte der Optimismus kaum Grenzen. Beim Start des russischen Basismoduls vom Weltraumbahnhof Baikonur kam der damalige Chef der US-Raumfahrtbehörde NASA aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. «Am Himmel ist ein neuer Stern aufgegangen, der mit jedem Monat und Jahr heller strahlen wird», sagte Daniel Goldin. Fünf Jahre später brennt zwar noch Licht auf der ISS, doch die Tragödie der Raumfähre «Columbia», akute Finanzsorgen und Verzögerungen haben die bemannte Raumfahrt in Schwierigkeiten gebracht.

Die internationale Raumstation ISS - aufgenommen am 21. April 2001 aus dem Space Shuttle Endeavour (Quelle: NASA)

Zumindest die Statistik beeindruckt nach fünf Jahren gemeinsamer bemannter Raumfahrt von insgesamt 14 Nationen: 38 Mal wurde die ISS bislang von der Erde aus angeflogen. Die Langzeitbesatzungen arbeiteten an 129 wissenschaftlichen Projekten. Gegenwärtig halten der US-Astronaut Michael Foale und der russische Kosmonaut Alexander Kaleri als achte Besatzung auf dem Außenposten der Menschheit im All die Stellung.

In fünf Jahren verzehrten insgesamt 103 Raumfahrer an Bord 10.000 Mahlzeiten und 8000 Snacks für zwischendurch. Auf der Erde kümmern sich mehr als 100.000 Menschen darum, dass die Astronauten eine ausgewogene Ernährung erhalten, die ISS in 400 Kilometern Höhe nicht vom Kurs abkommt und im Dialog zwischen Russen, Amerikanern und Japanern keine Missverständnisse auftreten.

Allerdings hat sich die bemannte Raumfahrt bis heute nicht vom Absturz der Raumfähre «Columbia» mit sieben Toten im Februar erholt. Bis auf weiteres können nur die Russen die ISS anfliegen, weil die US-Shuttles am Boden bleiben müssen. Die Langzeitbesatzungen mussten von einem Trio auf ein Duo reduziert werden.

Immer wieder gibt es Ärger zwischen Russen und Amerikanern um die Finanzierung der russischen Ersatzflüge. Rechtzeitig zum Abschluss des ersten «Fünfjahresplans» wies der russische Regierungschef Michail Kasjanow sein Finanzministerium an, bis zum Jahresende knapp 50 Millionen Euro für den Start russischer Trägerraketen zu zahlen. Einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar spülten die Flüge der beiden ersten Weltraumtouristen, des US-Amerikaners Dennis Tito und des Südafrikaners Mark Shuttleworth, in die Kassen der russischen Raumfahrtbehörde.

Seit dem Start des ersten ISS-Bauteils vor fünf Jahren ist die bemannte Raumfahrt internationaler geworden. In diesem Jahr schickte China seinen ersten «Taikonauten» auf einen kurzen Flug ins All. Auch Indien zeigt Interesse am Leben im Weltraum. Die traditionsreiche Raumfahrernation Russland musste 2001 mit Tränen Abschied von ihrer altersschwachen Raumstation nehmen. Die Mir verglühte in einer technischen Meisterleistung zielgenau über dem Stillen Ozean.

Europas wichtigster Beitrag zur ISS, das Columbus-Forschungslabor, sollte ursprünglich in diesem Oktober angekoppelt werden. Das unter Führung des deutschen Unternehmens DaimlerChrysler Aerospace (DASA) (jetzt EADS Space Transportation) in Bremen gebaute Modul muss aber auf die Wiederaufnahme der Shuttleflüge warten. Optimisten hoffen auf einen Columbus-Start im kommenden Jahr, Realisten sprechen von einer Verzögerung bis 2006. In voller Pracht soll die Raumstation etwa 500 Tonnen wiegen und so lang wie ein Fußballfeld sein.

Das Columbus-Forschungslabor fliegt frühestens 2004 ins All - Realisten sprechen von 2006. (Quelle: ESA)

In den ersten fünf Jahren ihres Bestehens hat die ISS die Bedenken gegen das milliardenteure Projekt nicht zerstreuen können. Kritiker fordern, die Gelder in kommerzielle Projekte für den Start von Kommunikations-, Spionage- oder Wettersatelliten zu stecken. Andere halten die bemannte Raumfahrt generell für eine aussterbende Art. Die empfindliche Spezies Mensch ins All zu schicken, sei viel zu teuer. Amerikaner und Europäer haben in der unbemannten Raumfahrt den Mars ins Visier genommen. Mehrere Landeexpeditionen sind in diesem Jahr zum Roten Planeten gestartet.

Stefan Voß, dpa

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