Zehn Jahre Durchblick

  • 04. December 2003

Zehn Jahre Durchblick

Am 8. Dezember 1993, erhielt das Weltraumteleskop Hubble seine berühmte «Brille» - technisches Vorbild war ein Duschkopf. 

Hamburg (dpa) - Das «Heureka!» kam James Crocker wie Archimedes im Bad - allerdings nicht beim Plantschen in der Wanne, sondern angeblich unter der Dusche: Beim Beseitigen der anfänglichen Sehschwäche des Weltraumteleskops Hubble spielte ein bayerischer Duschkopf jedenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Vor zehn Jahren, am 8. Dezember 1993, erhielt das Teleskop seine berühmte «Brille».

Hubble, ein Gemeinschaftsprojekt der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und der europäischen Raumfahrtagentur ESA, war im April 1990 in der Erdumlaufbahn stationiert worden. Ungestört von der Lufthülle unseres Planeten versprach der Standort eine zuvor unerreichte freie Sicht auf Sterne und Galaxien. Doch die Probleme waren schon kurz nach dem Start aufgetreten: Statt brillanter Bilder funkte das 1,5-Milliarden-Dollar-Teleskop neblige Schnappschüsse zur Erde.

Allerdings waren die per Computer nachgeschärften Aufnahmen «immer noch besser, als alles, was man vom Boden aus machen konnte», meint Ralf-Jürgen Dettmar, Professor für Astronomie an der Universität Bochum. «So gab es von einigen Galaxien und auch vom Saturn ganz spektakuläre Bilder.» Hubbles Leistung blieb trotzdem weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Denn der Hauptspiegel des Teleskops war falsch geschliffen worden. Die Kleinigkeit von einem Fünfzigstel eines Haardurchmessers sorgte nun für trübe Optik.

Das Hubble Weltraumteleskop vor der Erde. (Quelle: NASA)

Nachdem ein Team von Spezialisten schon einige Monate über das Problem nachgedacht hatte, kam dem US-Amerikaner James Crocker im September 1990 die zündende Idee. «Angeblich nackt unter der Dusche stehend - so zumindest die Legende», erzählt ESA-Forscher Rudolf Albrecht. Albrecht, heute Geschäftsführender Direktor der Space Telescope European Coordinating Facility in Garching bei München, gehörte damals zum Umfeld der Expertengruppe.

Amerikaner und Europäer hatten sich in Hubbles Dependance in Garching versammelt. Auf dem Tisch lag der Vorschlag, die Sehschwäche mit einer «Brille» zu kurieren. Doch wie die Korrekturspiegel im Inneren des Teleskops in Stellung bringen?

In der Dusche seines Garchinger Hotelzimmers fiel Crockers Blick auf die Stange, entlang derer der Duschkopf auf und ab gleitet. Crocker erzählte später: «Komisch - so etwas haben wir in Amerika nicht. Mal sehen wie das funktioniert.» Die Idee für eine Zusatzoptik war geboren: winzige Spiegel, die sich über Hebel und Führungsschienen in Position klappen ließen ähnlich wie der Duschkopf an der Stange.

Im Dezember 1993 war es dann soweit: Die Crew der Raumfähre «Endeavour» fing das Teleskop in rund 600 Kilometern Höhe ein und hievte es in die Ladebucht der Fähre. Dettmar, damals in den USA, erinnert sich: «Die Situation war schon sehr angespannt. Für die NASA hing sehr viel von dieser Mission ab.» Nicht zuletzt wegen der Improvisationsgabe der Astronauten wurde der Shuttle-Flug ein voller Erfolg. Das Teleskop erhielt eine «Brille» und wurde komplett überholt.

Hubble hat seitdem Bilder von den Geburtsstätten der Sterne geschossen und bis an den Rand des Universums geblickt. Und es ist weiterhin fast konkurrenzlos - trotz irdischer Riesenteleskope. Astrophysiker Dettmar schätzt, dass «nochmal zehn Jahre ins Land gehen werden, bis man am Boden soweit ist».

Ob der Weltraumspäher so lange durchhält, ist fraglich. Seit der ersten Reparatur wurde Hubble noch drei Mal gewartet und weitere Besuche sind nötig, um das Teleskop am Laufen zu halten. Nach dem Unglück der «Columbia» denkt die NASA neu über solche Flüge nach, denn jede Shuttle-Mission ist ein Risiko. «Letztlich ist es auch eine Finanzfrage, wie lange es weitergeht», sagt Dettmar. «Wissenschaftlich gesehen, lohnt es sich auf jeden Fall, das Teleskop über 2010 hinaus zu betreiben.» Doch auch Hubbles Nachfolger, das James-Webb-Teleskop wird längst geplant.

Marcus Neitzert, dpa

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