Mars im Visier

  • 15. December 2003

Darmstadt (dpa) - Die Europäische Mars-Mission geht in die entscheidende Phase. Das Team in der Weltraumkontrollstation (ESOC) in Darmstadt wird an diesem Dienstag um das Dreifache verstärkt - auf 160 Mitarbeiter. Sie bringen den Mars-Express auf Kursrichtung mit dem Roten Planeten. Drei Tage später, am 19. Dezember, wird die Landeeinheit «Beagle 2» ausgesetzt. Dann dauert es fast eine weitere Woche, bis die Flugobjekte ihre Ziele erreichen: Am 25. Dezember soll «Beagle 2» von Airbags geschützt auf der Oberfläche aufkommen. Etwa zum selben Zeitpunkt schwenkt die Sonde in ihre Umlaufbahn um den Roten Planeten ein.

Die Stimmung ist äußerst gespannt. Die Wissenschaftler haben alle denkbaren Fehlermöglichkeiten bereits mehrfach in der Simulation durchgespielt. Auch die real aufgetretenen Probleme konnten sie lösen. So hat die Sonde ihr Ziel erreicht, obwohl sie wegen eines Kabelfehlers nur 70 Prozent der Energie aus den Sonnensegeln verwerten kann. Allerdings ist der Mars immer für eine Überraschung gut, sagt Colin Pillinger, zuständig für «Beagle 2». Nicht von ungefähr sind von rund 30 Missionen zum Roten Planeten mehr als die Hälfte gescheitert.

So könnte es aussehen, wenn Mars Express in der Mars-Umlaufbahn angekommen ist. (Quelle: Medialab/ESA)

Bislang läuft alles nach Plan. Nach dem Ausklinken der Landeeinheit, benannt nach dem Schiff «Beagle» des Naturforschers Charles Darwin, werden beide Flugobjekte nebeneinander in einer Geschwindigkeit von knapp 11 000 Stundenkilometern auf den Mars zurasen. Dann wird die Sonde auf ihre Umlaufbahn vorbereitet und abgebremst. «Wenn dieses Manöver nicht gelingt, zerschellt sie auf dem Planeten», erklärt Projektleiter Michael McKay. Im besten Fall erreicht sie im Januar ihre vorgesehene elliptische Umlaufbahn, die sie bis auf 250 Kilometer an den Mars heranbringt.

Die etwa 70 Kilogramm leichte Landeeinheit verwandelt sich beim Eintritt in die Atmosphäre in ein glühendes Geschoss und wird stark abgebremst. Danach öffnen sich die Fallschirme und die Airbags. Mit ihnen hüpft «Beagle 2» wie ein überdimensionaler Fußball mehrmals auf dem Marsboden auf, um seine Geschwindigkeit von mehr als 60 Stundenkilometern abzufangen. Dann wird die Luft herausgelassen und das Forschungslabor entfaltet seine Sonnensegel wie Blütenblätter. «Das muss innerhalb weniger Stunden geschehen, sonst entladen sich in der Kälte die Batterien, und die Einheit ist unbrauchbar,» erklärt Colin.

Die Zweiteilung der Mission ist ihr großer Vorteil. Auch wenn ein Gerät verloren geht, war der Einsatz nicht umsonst. Der Mars-Express hat sieben Geräte an Bord, unter anderem eine Kamera, mit dem die Planetenoberfläche bis auf zehn Meter genau kartografiert werden kann. Ein Radar analysiert die Bodenbeschaffenheit in einer Tiefe von mehreren Kilometern. Dabei wird vor allem nach Wasservorkommen gesucht. Die Überlebensdauer der Sonde wird auf vier Jahre geschätzt.

«Beagle 2» wird dagegen nur wenige Monate auf dem von Sandstürmen überzogenen Planeten arbeiten können. Das reicht jedoch aus für einige Panoramabilder und Bodenproben. Mit seinem «Maulwurf»-Bohrer kann er bis in eine Tiefe von 1,50 Meter vordringen und anschließend das Gestein nach Spuren von Leben untersuchen.

Für die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) ist die Mars-Mission auch ein Prestigeobjekt. Zwar arbeitet sie mit den Russen zusammen, die die Sonde ins All gebracht haben, ebenso wie mit den Amerikanern, deren Mars-Sonde «Odysee» den ersten Kontakt zu «Beagle 2» aufnehmen soll. Gleichzeitig hofft die ESA, die Partner in den Schatten stellen zu können.

Mit rund 300 Millionen Euro kostet der zweigeteilte Mars-Express nach Schätzungen nur halb so viel wie die beiden Mars-Missionen der US-Amerikaner, die im Januar und Februar den Planeten erreichen werden. Dabei sind die Rollen klar verteilt: Die Europäer werden die wissenschaftlich interessanten Löcher bohren, und die US-Amerikaner liefern mit ihren niedlichen elektronischen Mars-Enten auf Rädern die publikumswirksamen Bilder.

Ingo Senft-Werner, dpa

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