Mars als Magnet

  • 29. December 2003

Washington (dpa) - Das Schweigen des europäischen Mars-Roboters «Beagle 2» hat wenige Tage vor der geplanten Landung des amerikanischen Roboters «Spirit» die Nervosität in den USA wachsen lassen. «Wir haben alles menschenmögliche unternommen, um einen Erfolg zu erzielen», sagte der Leiter des zuständigen NASA-Labors JPL, Charles Elachi. Doch zugleich werden NASA-Wissenschaftler nicht müde darauf hinzuweisen, dass der Mars zu den größten Herausforderungen der Raumfahrt gehört.

Zwei Drittel aller Marsmissionen sind bisher gescheitert und so mancher Wissenschaftler bezeichnet den Roten Planeten deshalb als Todes-Planeten. Mondlandungen seien vergleichsweise einfach, unter anderem deshalb, weil der Erdtrabant keine Atmosphäre besitzt, die ein Landefahrzeug behindert, erklärten Wissenschaftler der «Los Angeles Times». Die Marsatmosphäre habe dagegen zwar nur ein Prozent der Dichte der Erdatmosphäre, doch reiche dies aus, um eine Sonde zum Verglühen zu bringen oder vom Kurs abzubringen.

So wie in dieser Zeichnung dargestellt, soll sich der Roboter "Spirit" auf dem Mars fortbewegen - vorausgesetzt die Landung glückt. (Quelle: NASA)

Doch die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hofft, dass sie nach zwei spektakulären Pleiten Ende 1999 diesmal alles richtig gemacht hat. Ihre Super-Landeroboter «Spirit», der am 3. Januar nach einer 483 Millionen Kilometer langen Reise landen soll, und «Opportunity», der drei Wochen später folgt, wurden mit allen möglichen High Tech und Schutzmechanismen ausgestattet, um erfolgreich zu landen und dann auf dem Mars nach Spuren von Leben zu suchen.

So sind sie von einer äußeren Schutzschale und Luftkissen umhüllt, haben Fallschirme und Bremsraketen, um die Landung so sanft wir möglich zu gestalten. Läuft alles nach Plan wird «Spirit» am späten Samstag kurz vor Mitternacht (Sonntag MEZ) seine Weltraum-Reisehülle aus Solarkollektoren und Antennen abstoßen und mit 5400 Meter pro Sekunde in die Marsatmosphäre hineinschießen. Die Reibung der dünnen Atmosphäre wird die äußere Schutzhülle auf 1400 Grad Celsius aufheizen und den Roboter auf 430 Meter pro Sekunde abbremsen.

Dann beginnt die letzte Phase, die NASA-Wissenschaftler die Minuten der Angst nennen: Zwei Minuten vor der Landung öffnen sich die Fallschirme und bremsen «Spirit» weiter ab. Zwanzig Sekunden später wirft der Roboter seine Schale ab und gibt damit erstmals sein Innenleben den harschen Marsbedingungen preis. In den letzten sechs Sekunden werden die Leinen des Fallschirms gekappt, die Airbags blasen sich auf, Bremsraketen zünden und «Spirit» fällt aus 15 Metern Höhe in der Nähe des Gusev-Kraters auf den Marsboden, wo er bis zu einem Kilometer vor sich hinhüpft, bevor er endlich zur Ruhe kommt.

Sollte es bisher geklappt haben, können die Wissenschaftler aufatmen. Der Landeroboter wird sich dann laut Plan in den kommenden Tagen erst einmal orientieren, seiner Kameras und Instrumente ausfahren und nach etwa einer Woche seine ersten vorsichtigen «Schritte» unternehmen. Die NASA geht davon aus, dass ähnlich wie bei dem Sojourner-Roboter der Pathfinder-Mission 1997 wieder Millionen Menschen die Abenteuer «Spirits» am Bildschirm verfolgen werden.

Zwar ähneln die Rover dem Sojourner, doch sind sie im Vergleich zu ihrem Vorgänger wahre Riesen. Auch der Aktionsradius wurde dramatisch gesteigert. So können «Spirit» und «Opportunity» bis zu 40 Meter am Tag problemlos zurücklegen und dabei mit Hilfe ihrer Instrumente Gesteinsbrocken auf Wasserspuren oder organischen Molekülen untersuchen.

Für die Europäer, die bisher vergeblich auf ein Signal vom «Beagle» warten, hat die NASA Trost parat. Auch an den amerikanischen Marsrobotern sind die Europäer beteiligt. So verfügen «Spirit» und «Opportunity» über zwei in Deutschland gebaute wichtige Spektrometer für die Gesteinsanalyse.

Thomas Müller, dpa

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