Kolonien auf dem Mars?

  • 15. April 2004

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Blauer Himmel, grüne Wiesen - Forscher spinnen bereits Pläne zur «Kolonialisierung» des Mars.

München (dpa) - Vor der Tür parkt eine Art Landrover, im Frühbeet sprießen Radieschen und Karotten. Das runde Häuschen mit den kleinen Fenstern bietet Platz für fünf Menschen. Außerhalb des Hauses geht ohne Raumanzüge vorerst nichts. Denn noch ist der Mars kalt und staubig, und auch eine sauerstoffreiche Atmosphäre fehlt - noch. So könnten die ersten Schritte einer Kolonialisierung unseres Nachbarplaneten aussehen.

Recht unwirtlich sieht der Mars auf den Bildern der NASA-Rover aus. Forscher spekulieren, wie der Mars eine erdähnliche Athmosphäre erhalten könnte? (Quelle: NASA)

Während alle Welt gebannt die neuen Erkenntnisse der laufenden unbemannten europäischen und amerikanischen Marsmissionen verfolgt, spinnen Forscher bereits Pläne für ein mögliches dauerhaftes menschliches Leben auf dem Roten Planeten. Die Idee: Im Laufe mehrerer Jahrhunderte könnte der Mars mit Hilfe verschiedener Techniken eine erdähnliche Atmosphäre erhalten und damit auch erwärmt werden.

Schon vor Jahren hat der Physiker und Kosmologe Stephen Hawking die Befürchtung geäußert, der Menschheit bleibe angesichts der Klimaerwärung eines Tages möglicherweise keine andere Wahl als die Auswanderung ins All. Der Mars böte dafür mit einer Hülle aus Kohlendioxid und den jüngst bestätigten Wasservorkommen zumindest keine ganz schlechten Voraussetzungen. «Technisch ist es möglich - die entscheidende Frage ist: Wollen wir das?», meint der Astronaut und Professor für Raumfahrttechnik der Technischen Universität (TU) München, Ulrich Walter.

Vorher sind allerdings noch eine ganze Reihe Probleme zu lösen. Nötig wäre eine viel größere und leistungsfähigere Rakete als für bisherige Raumflüge. Viel Ausrüstung muss mitgenommen werden. Der Flug zwischen Erde und Mars dauert länger als 200 Tage und erfordert eine bestimmte Konstellation der beiden Planeten - das kann mehr als ein Jahr Wartezeit für den Rückflug bedeuten. Mit einem speziellen Strahlungsbunker müssten die Marsreisenden vor möglichen so genannten Sonnenstürmen geschützt werden.

Trotzdem kündigte auch US-Präsident George W. Bush zu Jahresbeginn Vorbereitung zu bemannten Mond- und Marsmissionen an. Längst befassen sich die Experten von NASA und ESA mit der Entwicklung von bewohnten Stationen auf Mond und Mars. Als Behausung sollen so genannten Habitate dienen, etwa kreisrunde Wohneinheiten mit zwei Stockwerken, einem Durchmesser von acht Metern und 120 Quadratmeter Wohnfläche. Solarzellen sollen die Energieversorgung sichern. «Man muss erst einmal eine Infrastruktur zum Leben schaffen», erläutert Walter, der 1993 mit dem Space Shuttle im All war. Das Wohnen in den Habitaten wird derzeit bereits von Freiwilligen in Kanada und Utah getestet.

Abfall müssten die Marsbewohner akribisch recyclen, ein Atomreaktor oder Solarfarmen könnte Energie für eine Treibstoffgewinnungsanlage liefern, in der Methan und Sauerstoff hergestellt werden. «Die Technik ist da, alles vor Ort herzustellen.» Beheizte Frühbeete würden die Lebensmittelversorgung sichern - aus dem Kohlendioxid der Marsatmosphäre könnten die Pflanzen per Photosynthese Sauerstoff produzieren.

Über die weiteren Schritte gehen die Ideen dann auseinander. «Eine bemannte Marsmission ist das eine - die Atmosphäre eines ganzen Planeten umzuformen, ist eine andere Sache», sagt Kristian Pauly, Ingenieur an der TU München und Mitglied der weltweiten Mars Society. «Es bedarf noch weiterer Forschung, um die komplexen Wechselwirkungen einer Mars-Atmosphäre zu verstehen.»

Der Mars müsste erwärmt und sein ewiges Eis zum Schmelzen gebracht werden. Das könnte mittels Sonnenspiegeln in der Umlaufbahn oder mit speziellen Organismen geschehen, die sich über die Oberfläche ausbreiten und das Sonnenlicht stärker absorbieren. Wieder andere schlagen den Einsatz von Treibhausgasen vor. Mit dem weiteren Abtauen des Eises könnten - so die Hoffnung - sogar von selbst Flüsse und Seen entstehen, es gäbe ersten Regen, Pflanzen würden im Laufe mehrerer Jahrhunderte einen großen Teil des Kohlendioxids in Sauerstoff umsetzen. Der heute karge Planet wäre mit Seen und grünen Wiesen bedeckt, darüber könnte sich vielleicht sogar ein blauer Himmel wölben - wenn der Regen den rötlichen Staub aus der Atmosphäre wäscht.

Selbst wenn das alles gelänge - wie der Mensch auf dem Mars zurecht käme steht in den Sternen. Durch die geringere Masse des Mars wäre der Mensch unter anderem um zwei Drittel leichter, die starke Anziehung zum Erdboden würde fehlen - möglicherweise könnten sich die ersten Ankömmlinge nur eher hopsend als laufend fortbewegen.

Sabine Dobel, dpa

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