«Girls' Day» am 22. April

  • 16. April 2004

«Girls' Day» soll Mädchen eine ungeliebte Berufswelt eröffnen. Mehr als 4700 Veranstalter machen mit.

Frankfurt/Main (dpa) - Frauen und Technik - Das sind in Deutschland immer noch zwei Welten. Die am besten ausgebildete Mädchengeneration aller Zeiten stellt in technischen Berufen nur eine verschwindende Minderheit. Der «Girls' Day - Mädchenzukunftstag» soll Schülerinnen am 22. April Zugang zu diesen Berufen verschaffen. Einige tausend Betriebe, Bildungseinrichtungen und Behörden bieten einen Tag lang Einblick in die Arbeit von Technikern, Ingenieuren, Informatikern oder Naturwissenschaftlern. Der nach US-Vorbild zum vierten Mal initiierte Aktionstag kann nach Einschätzung von Fachleuten zu einem Bewusstseinswandel beitragen.

Vom Kanzleramt über Unternehmen wie Siemens oder Volkswagen bis hin zu Landeskriminalämtern reicht die Palette der mehr als 4700 Veranstalter für Mädchen aus den Klassen 5 bis 10. Mit dabei sind auch Hochschulen, Handwerkskammern, Stadtverwaltungen oder Fernsehanstalten. Es beteiligten sich auch mehr mittelständische Unternehmen als in den vergangenen Jahren, sagt Mitorganisatorin Carmen Ruffer vom Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie in Bielefeld. 2003 hatten 3905 Arbeitgeber mehr als 100 000 Mädchen ein eintägiges Praktikum geboten.

Von den gut drei Millionen Bundesbürgern in einem technischen Beruf sind dem Statistischen Bundesamt zufolge nur etwa 795 000 Frauen. Unter den 20 begehrtesten Ausbildungsberufen von Mädchen ist kein technischer. Der Frauenanteil bei Maschinenbauern, Bau- und Elektrotechnikern beträgt nach Branchenangaben etwa fünf Prozent.

«Junge Mädchen können gar nicht früh genug mit dem Beruf in Kontakt kommen», sagt die Sprecherin der Gesellschaft für Informatik, Cornelia Winter. Nach Ansicht des Sprechers des Verbands Elektrotechnik, Elektronik Informationstechnik, Walter Börmann, bemühen sich auch immer mehr Firmen ernsthaft, Mädchen an dem Tag technische Berufe näher zu bringen. «Aber es ist wie bei Jugend forscht: Erst nach dem 20. Jahr wird es richtig gut.»

Der Sprecher des Vereins Deutscher Ingenieure, Michael Schwartz, führt eine Zunahme der Studienanfängerinnen in den Ingenieurberufen auch auf den «Girls' Day» zurück. Von rund 60 400 Erstsemestern in den Ingenieurstudiengängen waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 2002/2003 knapp 13 000 Frauen. Nur etwa zehn Prozent der Ingenieure seien Frauen, bedauert Schwartz. «Dabei haben wir schon jetzt einen Fachkräftemangel, wenn der Aufschwung kommt, wird er noch größer.»

Beim «Girls' Day» 2003 haben 42 Prozent der Mädchen Berufe kennen gelernt, die sie interessieren. Das ergab eine repräsentative Umfrage unter rund 31 000 Teilnehmerinnen, wie die Organisatoren berichten. 30 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, später in dem Beruf zu arbeiten. Fünf Prozent gaben an, ihren Wunschberuf gefunden zu haben, genauso viele fühlten sich in ihrem Berufswunsch bestätigt.

Die Frauenbeauftragte der Marburger Universität, Silke Lorch- Göllner, weist auf das immer noch existierende Problem hin, Beruf und Familie zu vereinbaren. Teilzeit-Stellen in technischen Berufen oder der Pharmaindustrie seien selten. «Die Situation zwischen Beruf und Familie muss besser geregelt werden, sonst gibt es keinen Quantensprung», sagt auch Börmann vom Elektronik-Verband.

Viele Mädchen machten sich aber auch ein falsches Bild von technischen Berufen, sagt Winter von der Gesellschaft für Informatik. So glaubten sie, dass bei Informatik das Technische und Abstrakte im Vordergrund stehe, der Beruf aber wenig mit Menschen zu tun habe, «Dabei sind Projekt- und Teamarbeit ganz wichtig.»

Ira Schaible, dpa

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