Kosmisches Schattenspiel

  • 26. October 2004


 

Hamburg (dpa) - Ein kosmisches Schattenspiel erwartet die Mitteleuropäer am frühen Donnerstagmorgen: Der Vollmond taucht vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Diese totale Mondfinsternis ist von ganz Mitteleuropa aus sichtbar - wolkenfreien Himmel vorausgesetzt. Meteorologen rechnen allerdings mit eher trüben Aussichten, so dass vor allem im Westen und Norden Deutschlands auch die zweite Mondfinsternis dieses Jahres wie schon im Mai hinter Wolken verborgen bleiben könnte. Wer das Himmelsschauspiel verpasst oder wegen bedeckten Himmels nicht beobachten kann, muss sich bis zur nächsten Chance am 3. März 2007 gedulden.

Um exakt 3.14 Uhr schiebt sich der Mond am Donnerstag in den Erdschatten. Von 4.23 Uhr bis 5.45 Uhr taucht er ganz in den Schatten ein, um 6.54 Uhr endet der sichtbare Teil der Mondfinsternis. Dabei ist der Mond allerdings nicht völlig dunkel, wie die Vereinigung der Sternfreunde (Heppenheim) betont. Der Erdtrabant schimmert rötlich braun. Grund ist die Erdatmosphäre, die wie beim Sonnenuntergang hauptsächlich rotes Licht passieren lässt und auf unseren Begleiter lenkt. Vom Mond aus gesehen glüht während einer Mondfinsternis ein roter Feuerkranz um die Erde. «Von dort sind dann sämtliche Sonnenuntergänge der Erde auf einmal zu sehen», beschreibt die US-Raumfahrtbehörde NASA den Blick aus dem All.

Wie hell der Mond im Kernschatten erscheint, hängt vom Verschmutzungsgrad der Erdatmosphäre ab. Nach heftigen Vulkanausbrüchen, die große Mengen Staub hoch in die Atmosphäre schleudern, waren Mondfinsternisse besonders dunkel. Auch in den vergangenen Jahren zeigte der Mond im Kernschatten der Erde eine dunkelrote bis bräunliche Verfärbung, während er manchmal in der totalen Phase im hellen Kupferrot leuchtet. Nach großen Vulkanausbrüchen oder bei global starker Bewölkung erscheint der Erdtrabant dunkler.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr kreuzt der Mond den Erdschatten, im Mai versperrten allerdings dichte Wolken vielen Himmelsguckern den Blick. Auch in der Nacht zu Donnerstag brauchen Beobachter nach Prognosen des Wetterdienstes Meteomedia viel Glück, um eine Wolkenlücke zu erwischen. Es sollen mehrere kleinere Regengebiete über Deutschland ziehen, die von Baden-Württemberg bis zur Küste die Sicht trüben. Im übrigen Deutschland, in Österreich und der Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Einzig die Fönwetterlage im Südosten Bayerns könnte Beobachtern dort gute Sicht gewähren.

Trotz der scheinbaren Häufung von Mondfinsternissen dieses Jahr sind sie eher seltene Ereignisse und sogar weniger häufig als Sonnenfinsternisse: Auf 5000 Sonnenfinsternisse kommen im gleichen Zeitraum nur etwa 3000 Mondfinsternisse. Da Mondfinsternisse jedoch stets von der gesamten dem Mond zugewandten Erdhalbkugel aus zu sehen sind, Sonnenfinsternisse jedoch nur in einem maximal 300 Kilometer schmalen Streifen, lassen sich Mondfinsternisse häufiger beobachten.

Astronomisch korrekt beginnt die Finsternis am Donnerstag bereits mit Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde um 2.06 Uhr. Dies ist jedoch ein so unauffälliger Vorgang, dass er grundsätzlich unbeobachtbar bleibt. Erst mit Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde wird die Finsternis deutlich sichtbar. Wenn der Mond schließlich um 8.03 Uhr den Halbschatten verlässt, geht die Sonne bereits auf und der Mond unter.

Hans-Ulrich Keller und Till Mundzeck, dpa

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