Im Bann des Mondes

  • 11. November 2004


 

Nach fast 14 Monaten Flugdauer ist es soweit: Europas erste Mondsonde «SMART-1» erreicht den Erdtrabanten.

Paris (dpa) - Nach einer außergewöhnlichen Reise von weit mehr als 80 Millionen Kilometern ist es soweit: Europas erste Mondsonde «SMART-1» gerät von diesem Freitag an nach und nach in das Schwerefeld des Mondes und schwenkt Anfang nächster Woche in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten ein.

Dieser erste Flug einer europäischen Sonde zum nur 384 000 Kilometer entfernten Mond dauerte fast 14 Monate, das aber aus gutem Grund: Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat unterwegs eine ganze Menge zukunftsträchtiger Techniken getestet, vor allem einen revolutionären solarelektrisches Ionenantrieb. Jetzt geht es jedoch darum, «SMART-1» langsam in den Bann des Mondes geraten zu lassen.

Am 27. September 2003 auf dem europäischen Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch-Guyana mit einer Ariane-5-Rakete gestartet, hat sich die 350 Kilogramm leichte Kleinsonde in enger gezogenen Spiralen ihrem Ziel genähert und ist trotzdem äußerst sparsam mit dem Treibstoff umgegangen. Die Europäer wollten ausreichend Zeit haben, um nicht nur den solarelektrischen Hauptantrieb für künftige, lange Flüge durch das Sonnensystem - etwa zum Merkur oder zur Sonne - zu testen.

SMART-1 ist die erste Mondsonde der ESA. Die Mission dient gleichzeitig dem Test neuer Technologien für weitere Projekte. (Quelle: ESA)

«SMART-1» ist unter anderem auch Vorreiter einer besseren Kommunikation in der Raumfahrt. Mit einem der sieben Instrumente an Bord (KaTE) wurde erprobt, wie sich größere Datenmengen weit rascher über weite Entfernungen übermitteln lassen. Außerdem konnte in einem Experiment eine Laserverbindung mit dem weit entfernten und schnellen Raumfahrzeug aufgebaut werden - mit dem Flug zum Mond bereitet Europa weitaus ehrgeizigere Missionen vor. «SMART-1» (Small Mission for Advanced Research and Technology), gesteuert vom europäischen Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt, macht daher auch nur den Anfang in einer Reihe von Testflügen.

An Bord der 100 Millionen Euro teuren «SMART-1»-Sonde sind sieben Instrumente in Kleinformat. Sie wiegen zusammen nur 19 Kilogramm und haben alle Tests im All bestanden - Europas Erkundung des Mondes kann also beginnen. «Wir kehren zum Mond zurück, weil wir denken, dass Leben und Arbeiten dort eine Zukunft hat», sagt der ESA-Projektwissenschaftler Bernard Foing. Trotz der sechs «Apollo»-Flüge der Amerikaner vor mehr als drei Jahrzehnten wollen die Raumfahrtnationen noch eine ganze Menge Rätsel des Erdtrabanten lösen. Und dann geht es noch darum, geeignete Landegebiete für eine Mond-Besiedlung auszukundschaften.

Zunächst einmal muss die heiße Annäherungsphase klappen. 60 000 Kilometer über der Mondoberfläche wird der kleine Kundschafter der Europäer schrittweise vom Schwerefeld des Mondes erfasst. Wenn «SMART-1» sich dem Mond in der Nacht zum 16. November erstmals bis auf 6000 Kilometer nähert, wird das Ionentriebwerk für längere Zeit gezündet. Die elliptischen Bahnen werden immer enger, um von Mitte Januar an zwischen 3000 und 300 Kilometer über den Mondpolen zu verlaufen. «Zuvor müssen wir den Satelliten in der nächsten Woche aber ganz vorsichtig abbremsen», erläutert Foing.

Dann gilt es Daten zu sammeln, mindestens sechs Monate lang. So wurde von der ESA «die erste umfassende Untersuchung der wesentlichen chemischen Elemente auf der Mondoberfläche» angekündigt. Mit an Bord sind eine hochauflösende Mini-Kamera und zwei Spektrometer. Darunter ist ein Infrarotgerät des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau (Niedersachsen), das einen sehr tiefen Blick in den schattigen Südpolkrater werfen soll. Im Griff des Mondes diesen besser kennen zu lernen, darum geht es, für spätere Forschungsstationen dort oder auch als Testgelände für Mars-Flüge.

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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