Besuch beim orangen Bruder

  • 22. December 2004




Darmstadt (dpa) - Der Saturn-Mond «Titan» hütet ein Geheimnis. Er versteckt seine Oberfläche unter einem undurchdringlichen orangefarbenen Smog. Diesen Wolkenvorhang will jetzt ein Abgesandter der Erde durchdringen. Die europäische Lande-Einheit «Huygens» soll am ersten Weihnachtsfeiertag von der amerikanischen Sonde «Cassini» abgekoppelt werden und Kurs auf den Mond nehmen. Am 14. Januar wird sie in die Atmosphäre eintreten. Astronomen erwarten einen Blick in die Vergangenheit, denn vieles weist darauf hin, dass die Erde in ihren jungen Jahren dem «Titan» ähnlich gesehen hat.

«Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet», sagt Gerhard Schwehm, Hauptabteilungsleiter für Planetare Missionen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Er vermutet, dass auf dem «Titan» durch den Smog und die große Entfernung von der Sonne Dämmerlicht herrscht. Um Fotos schießen zu können, hat «Huygens» einen matten Schweinwerfer an Bord mit wenigen Watt Stärke. «Das reicht aber, um die Farben bestimmen zu können», erklärt Schwehm. Er geht davon aus, dass der Boden in Orangetönen leuchtet, überspannt von einem grünlich schimmernden Himmel. «Diese Farbe entsteht durch den Einfallswinkel des Sonnenlichts.»

Fraglich ist auch, ob das Landegerät auf festen oder flüssigem Boden aufkommt. Bislang konnte der Trabant nur mit Infrarot-Licht abgetastet werden. «Dabei haben wir festgestellt, dass es dunkle und hellen Flecken gibt, die allerdings die gleiche chemische Zusammensetzung aufweisen», sagt Schwehm. Das könnten, ähnlich wie auf der Erde, feste Kontinente und Meere sein. Hinweise auf große Berge oder Krater wurden nicht gefunden.

Die Meere - so es sie gibt - bestehen allerdings nicht aus Wasser sondern aus Kohlenwasserstoffen wie Ethan und Propan. Der Wellengang soll weit heftiger sein als auf der Erde, allerdings bewegen sich die Wogen in Zeitlupe. Beim Festland dürfte es sich bei Temperaturen von Minus 180 Grad vor allem um Eis handeln.

Wegen dieser Unsicherheiten hat die ESA «Huygens» als Kamikaze- Flieger geplant. Er rast mit 20 000 Stundenkilometern auf den Titan zu und wird dann durch die Atmosphäre und drei Fallschirme auf 20 Stundenkilometer abgebremst. «Da entsteht viel Hitze», sagt «Huygens-Experte» John Zarnecki von der englischen Universität Milton Keynes. «Das ist wohl die schwerste Stunde der Mission». Danach soll die fliegende Forschungsstation rund zwei Stunden Richtung Oberfläche sinken und mit seinen sechs Geräten unter anderem Windstärken, Blitzschläge sowie die Zusammensetzung der Luft messen und die Daten direkt an «Cassini» senden.

«Die Landung ist dann die letzte riskante Aktion», sagt Zarnecki ironisch. Er würde eine flüssige Unterlage vorziehen, da «Huygens» dann schwimmend weiterarbeiten könnte, bis ihm nach vier Stunden die Batterien ausgehen. Den Aufprall auf Eis würde das Gerät dagegen kaum überleben. «Vielleicht bleibt es ja auch in einem Baum hängen», sagt der Wissenschaftler verschmitzt und verweist mit einem Lächeln auf den holländischen Astronomen Huygens. Als dieser 1655 «Titan» entdeckte, vermutete er dort eine üppige Vegetation.

Ingo Senft-Werner, dpa

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