Aus der Einöde ins Universum

  • 01. June 2005


Aus der Einöde ins Universum

Der russische Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe Kasachstans wird 50 Jahre alt.

Moskau (dpa) - Die triste Steppe Kasachstans zählt zu den Gegenden, wo der Abschied von dieser Welt leicht fällt: Aus der zentralasiatischen Einöde lässt die Raumfahrernation Russland seit Jahrzehnten ihre Kosmonauten ins All fliegen. Der Weltraumbahnhof Baikonur feiert am 2. Juni 50. Geburtstag. Das Kosmodrom vereint die wichtigsten Errungenschaften der internationalen Raumfahrt. Von Baikonur aus starteten die erste Interkontinental-Rakete, der erste Satellit und der erste Mensch ins Weltall.

Alles war strengstens geheim, als der Oberste Sowjet Anfang 1955 den Bau des Forschungs- und Testgeländes Nr. 5 in der Nähe der Bahnstation Tjura-Tam in Kasachstan beschloss. Am 2. Juni des Jahres legten die sowjetischen Streitkräfte den Generalplan für den zukünftigen Weltraumbahnhof fest. Seitdem gilt dieser Tag offiziell als Geburtstag der Startbahn ins All.

Den ersten großen Erfolg auf dem ursprünglich für militärische Zwecke gebauten Testgelände feierten die weltraum-begeisterten Sowjets im Sommer 1957. Im August startete die erste Interkontinentalrakete von Baikonur aus. Zwei Monate später wurde der erste Satellit ins All geschossen.

Das Augenmerk der ganzen Welt richtete sich knapp vier Jahre später auf die kasachische Steppengegend. Am 12. April 1961 startete der russische Kampfpilot Juri Gagarin von Baikonur aus als erster Mensch in die Erdumlaufbahn. Dieses Datum muss bis heute in Russland jedes Schulkind parat haben.

Auf jenen Tag geht auch eine Marotte zurück, die Generationen von Kosmonauten bis heute pflegen: Weil den aufgeregten Gagarin auf der Fahrt zur Startrampe die Blase drückte, pinkeln bis heute alle Raumfahrer-Crews kurz vor dem Ziel an den Busreifen. Das soll eine sichere Rückkehr garantieren. Bis heute halten sich aber Gerüchte, dass die Sowjetunion bereits vor Gagarin Männer in die Erdumlaufbahn schoss. Da die Versuche tödlich endeten, blieb angeblich alles geheim.

Dem Weltraumbahnhof Baikonur war in seinen fünf Jahrzehnten nicht immer das Glück hold. Während der 12. April bis heute der Feiertag der Raumfahrt ist, gilt der 24. Oktober als schwarzer Tag der Branche. An jenem Tag kamen im Jahr 1960 bei einer Raketenexplosion nach widersprüchlichen Angaben in Baikonur zwischen 92 und 165 Menschen ums Leben. Genau drei Jahre später starben acht Menschen bei einer ähnlichen Katastrophe.

Wenn der russische Präsident Wladimir Putin und sein kasachischer Kollege Nursultan Nasarbajew am 2. Juni gemeinsam in Baikonur feiern, werden die Katastrophen ebenso wenig Erwähnung finden wie die jüngsten Streitereien. Seit dem Zerfall der Sowjetunion müssen sich die Russen damit abfinden, dass sich ihr einziger Weltraumbahnhof mit Startberechtigung für bemannte Raumschiffe im Ausland befindet. Noch vor einigen Jahren wollten die Kasachen russische Raketenstarts verhindern. Auslöser waren Pannen mit Triebwerken, bei denen Tonnen giftigen Raketentreibstoffs austraten.

Die besten Tage hat das riesige Raumfahrtgelände längst hinter sich. Die meisten der 15 Startrampen sind außer Betrieb und rosten vor sich hin. Die Siedlungen, in denen einst tausende Soldaten lebten, gleichen Ruinen. Im Mai 2002 starben acht Arbeiter, als ein 70 Meter hohes Hallendach einstürzte.

Für viele Russen bleibt Baikonur bis heute eine der größten Errungenschaften der Sowjetunion. «Das Kosmodrom ist zurecht eines der wichtigsten Symbole unserer ruhmreichen Raumfahrt», betont der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow vor dem Feiertag.

Stefan Voß, dpa

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