Der Große Refraktor

  • 20. June 2005


Der Große Refraktor

Frisch restauriert steht das weltweit viertgrößte Linsenteleskop wieder auf dem Potsdamer Telegrafenberg.

Potsdam (dpa) - Nach mehr als zweijähriger Restaurierung ist das weltweit viertgrößte Linsenteleskop, der Große Refraktor, wieder an seinen alten Standort auf dem Potsdamer Telegrafenberg zurückgekehrt. Am Freitag wurde der Beginn der Einbauarbeiten gefeiert. Das Instrument war seit 2003 von einer Spezialfirma in Jena überholt worden. Das Projekt soll bis Frühsommer 2006 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf rund 650 000 Euro.

Das Geld kam vor allem von der Pietschker-Neese-Stiftung. Daneben gab es noch Spenden des Refraktor-Fördervereins und einen Zuschuss des Bundes. 1899 war Kaiser Wilhelm II. bei der feierlichen Inbetriebnahme des Teleskops dabei. Etwa eine halbe Million Goldmark flossen seinerzeit in den Bau des riesigen Instruments, erzählt der Vorsitzende des Fördervereins «Großer Refraktor Potsdam», Ernst-August Gußmann. Für ihn ist dieser Freitag ein Feiertag

Nicht nur die Kosten des Teleskops sind beeindruckend. Die beiden parallel und fest verbundenen Teleskope sind jeweils 12,5 Meter lang. Das schlankere hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern. Damit beobachteten die Astrophysiker die Sterne. Das zweite hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Damit wurden die Beobachtungen fotografiert. Insgesamt wiegt der bewegliche Teil des Instruments mehr als sieben Tonnen.

Untergebracht ist das Teleskop in einem Ziegelgebäude unweit des weltberühmten Einstein-Turms. Die drehbare Kuppel ist 17 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 21 Metern und wiegt rund 250 Tonnen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Kuppel und Refraktor bei einem Bombenangriff im April 1945 beschädigt. 1953 begann wieder der wissenschaftliche Betrieb und endete erst 1968. Seitdem blieb das Gerät ohne Wartung, die Technik rostete vor sich hin.

Die kostspielige Restaurierung habe zwei Ziele, sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU): Zum einen müsse Wissenschaftsgeschichte bewahrt werden; zum anderen sollten Schüler für die Naturwissenschaften begeistert werden. «Liebe zur Naturwissenschaft fällt nicht einfach vom Himmel», mahnte die Mathematikerin. «Und sie wird auch nicht immer in der Schule geweckt.» Im Erdgeschoss des Refraktorgebäudes entsteht ein Schülerlabor, das mit 300 000 Euro von der EU (75 Prozent) sowie Bund und Land finanziert wird.

Und warum heißt der Refraktor Refraktor? «Das kommt vom lateinischen "brechen"», erklärt Gußmann. Die Lichtstrahlen werden im Refraktor (Linsenteleskop) von den optischen Linsen gebrochen und so gebündelt - im Gegensatz zum heute häufigen Reflektor (Spiegelteleskop), der das Licht mit gebogenen Spiegeln bündelt.

Außer der reinen Beobachtung der Sterne lässt sich ihr Licht wie zu einem Mini-Regenbogen in seine Spektralfarben aufspalten und mit einem Spektrographen analysieren. Die Lichtfarben und die Form der Linien in diesem Spektrum geben Hinweise auf die chemischen und physikalischen Eigenschaften, etwa auf die Temperatur des Sterns. «Das funktioniert allerdings nur bei Sternen, die durch Gase selbst leuchten», schränkt Gußmann ein. Auf dem Telegrafenberg entdeckte Johannes Hartmann 1904, dass der angeblich leere Raum gar nicht leer ist: Er wies Gase und Staub nach.

Matthias Benirschke, dpa

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