Nur mit Brille

  • 27. September 2005


 

Wer am 3. Oktober die partielle Sonnenfinsternis beobachten will, sollte dies nur mit Schutzbrille tun - die gibt es z. B. kostenlos bei der Christoffel-Blindenmission.

Hamburg (dpa) - Am Vormittag des 3. Oktober gibt es das seltene Himmelsschauspiel einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Von Deutschland aus ist sie jedoch nur in ihren partiellen Phasen zu sehen - der Mond wird die Sonne höchsten bis etwa zur Hälfte verdunkeln. Eine Sonnenfinsternis tritt nur ein, wenn der Mond in Neumondstellung kommt und gleichzeitig die Erdbahnebene passiert. Dann schiebt er sich von der Erde aus gesehen vor die Sonne und verdunkelt sie ganz oder teilweise. Der Mondschatten fällt dabei auf die Erdoberfläche.

Da der Neumond sich am 3. Oktober relativ weit von der Erde entfernt befindet, trifft der Kernschattenkegel des Mondes die Erdoberfläche jedoch nicht. Es kommt somit nicht zu einer totalen sondern zu einer ringförmigen Finsternis. Die dunkle Neumondscheibe erscheint von der Erde aus etwas kleiner als die Sonne - es ist ein heller Ring um die Neumondscheibe zu sehen. Die Zone, in der die ringförmige Phase sichtbar wird, ist nur 164 Kilometer breit aber einige tausend Kilometer lang. Für etwa viereinhalb Minuten ist zum Höhepunkt die ringförmige Phase zu sehen.

Die Zone der ringförmigen Phase beginnt im Nordatlantik, überquert die iberische Halbinsel, wobei Madrid mitten in ihr liegt. Sie zieht über das Mittelmeer, über Nord- und Ostafrika, verlässt die ostafrikanische Küste am Äquator und endet im Indischen Ozean.

Von Mitteleuropa aus betrachtet, bedeckt der Mond die Sonne nur teilweise. In Berlin und Kiel werden maximal 39 Prozent der Sonnenscheibenfläche vom Mond verfinstert, in Bern 60 Prozent, in München 51 Prozent und in Stuttgart 53 Prozent.

Selbst in der maximalen Phase wird es in Deutschland nur unwesentlich dunkler. Wenn der Himmel wolkenlos klar ist, benötigt man keine künstliche Beleuchtung. Keineswegs kann man mit bloßen Augen Sterne sehen, wie dies bei einer totalen Sonnenfinsternis möglich ist.

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) im hessischen Bensheim warnte dringend davor, das Ereignis mit dem bloßen Auge anzuschauen. Auch das Zukneifen der Augen reiche nicht aus. Sonnen- oder Gletscherbrillen, gerußte Glasscheiben oder belichtete Filme böten ebenfalls keinen ausreichenden Schutz. Sie riet zu Sonnenfinsternisbrillen, die bei Augenoptiker-Geschäften oder kostenlos bei der CBM erhältlich seien.

Beim direkten Blick in die Sonne seien die Augen einer Helligkeit ausgesetzt, die etwa 50 000 Mal stärker sei als die hellsten natürlichen Dinge auf der Erde, beispielsweise in der Sonne glitzernder Schnee. Beim ungeschützten Blick brennen sich die Sonnenstrahlen laut CBM schlimmstenfalls regelrecht in die Netzhaut ein. An der Stelle des schärfsten Sehens entstehe ein blinder Bereich. Prominente Opfer seien unter anderem Kaiser Konstantin VII., Galileo Galilei und Isaac Newton gewesen.

Schon früh war die überragende Bedeutung der Sonne für alles irdische Leben bekannt. Verständlich, dass unsere fernen Ahnen mit Besorgnis reagierten, wenn sich die Sonne zu verfinstern begann. Würde sie eventuell auf Nimmerwiedersehen verschwinden? Noch heute geraten Menschen in ängstliche Stimmungslagen, wenn die Sonne sich verfinstert. Trotz Weltraumfahrt und High-Tech-Astronomie blüht auch nach wie vor der Aberglaube: Milch sollte man keine trinken und nach einer Sonnenfinsternis mindestens zwölf Tage fasten. Hoch stehende Persönlichkeiten seien vom Tod bedroht, Ausschreitungen und Revolutionen seien ebenfalls zu erwarten. Nachgewiesen und kein Aberglaube ist hingegen die Erkenntnis, dass die Umsätze von Optikfachgeschäften und Augenärzten bei Sonnenfinsternissen steigen.

Die nächste von Deutschland aus partiell beobachtbare Sonnenfinsternis findet am 29. März 2006 statt, danach erst wieder am 1. August 2008.

Hans-Ulrich Keller, dpa

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