Staubig schön

  • 20. January 2006


Staubig schön

Washington/Houston (dpa) - Der von der NASA-Sonde «Stardust» eingesammelte Kometenstaub hat nach erster Untersuchung alle Erwartungen übertroffen. Das sagte der Hauptsachverständige Don Brownlee am Donnerstag im Johnson Space Center der NASA in Houston (Texas).

Brownlee zeigte auch den ersten, in der Auffangsubstanz gefundenen Kometenpartikel. Dieser ist im Durchmesser ein Zehntel Millimeter groß und sieht völlig schwarz aus. «Das ist ein großer Fisch», sagte er. «Wir sind völlig überwältigt.» Der größte Einschlag in der Auffangsubstanz misst nach Angaben des Wissenschaftlers fast einen halben Zentimeter, und man kann einen kleinen Finger hineinstecken. «Wir sind vor Freude auf und ab gesprungen», sagte Brownlee.

Nie zuvor in der Raumfahrtgeschichte ist Kometenstaub aus dem Weltall zur Erde gebracht worden. Die NASA rechne mit mehr als einer Million Partikel, die rund einen Tausendstel Millimeter groß seien, sagte Brownlee. Nur ein Dutzend Staubkörner werde wahrscheinlich eine Größe von einem Zehntel Millimeter haben. Nach statistischen Berechnungen werde nur ein Korn rund 1,3 Millimeter messen. Brownlee sprach in diesem Zusammenhang von einem kosmischen Schatz aus der Vergangenheit, weil er die Grundbausteine bei der Herausbildung unseres Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren enthalte.

Die Staubpartikel sind in einer Auffangsubstanz eingeschlagen, einem Aerogel. Dies ist nach Angaben der NASA völlig durchsichtig wie Glas, hat aber eine geringe Dichte. Dadurch wurden die Teilchen beim Auftreffen auf das Aerogel nicht zerstört. Die Staubkörner hatten beim Einschlag nach Angaben der NASA die Zehnfache Geschwindigkeit einer Pistolenkugel.

Abb.: Nahaufnahme eines Kometenstaubteilchens, das die Sonde Stardust mithilfe von Aerogel-Platten aufgefangen hat. (Quelle: NASA)

Mehr als 150 Wissenschaftler weltweit hätten Interesse an einer Mitarbeit angemeldet, sagte NASA-Mitarbeiter Michael Zolensky. Damit werde die wissenschaftliche Auswertung sehr schnell gehen. Nach Angaben der Universität von Berkeley in Kalifornien haben sich bis Donnerstagabend (MEZ) 65 000 Freiwillige gemeldet, die an einem virtuellen Mikroskop im Internet bei der Suche nach den winzigen Staubteilchen in der Auffangsubstanz helfen wollen. Diese werden speziell ausgesucht und eingewiesen. Die Freiwilligen laden dann digitale Aufnahmen von dem Aerogel von einem NASA-Computer auf ihre Heimcomputer und suchen auf den Fotos nach winzig kleinen Staubkörnchen. Das große und unbezahlte Team soll rund 30 000 Arbeitsstunden leisten und die Auswertung so beschleunigen.

«Stardust» kreuzte sieben Jahre im Weltall und legte dabei rund 4,6 Milliarden Kilometer zurück. Im Januar 2004 sammelte die Sonde beim Vorbeiflug am Kometen Wild 2 Proben aus dessen Gas- und Staubwolke ein. Darüber hinaus brachte «Stardust» winzige Staubteile zur Erde zurück, die aus anderen Galaxien in unser Sonnensystem gedriftet sind. Die Expedition kostete rund 168 Millionen Dollar (142 Millionen Euro).

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