Grauen nach 74 Sekunden

  • 23. January 2006


 

Vor 20 Jahren - am 28. Januar 1986 - explodierte die US-Raumfähre "Challenger".

Washington (dpa) - Noch heute, 20 Jahre danach, werden manchmal Trümmerstücke an Floridas Küste geschwemmt - späte Zeugnisse einer Katastrophe, die zu den dramatischsten historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts zählt. Am 28. Januar 1986 verwandelt sich die US-Raumfähre «Challenger» am Himmel in einen riesigen Feuerball. Die sieben Astronauten an Bord werden zerrissen.

Mit ungläubigem Entsetzen sehen Millionen Menschen in den USA und rund um den Globus live im Fernsehen, wie Teile des Shuttle ins Meer regnen. Jäh wird die Welt daran erinnert, wie risikoreich die Raumfahrt immer noch ist. Es dauert Jahre, bis Shuttle-Starts wieder ohne Herzklopfen als schönes Schauspiel genossen werden - bis 17 Jahre später der Absturz der «Columbia» beim Rückflug erneut Grenzen und Fehlbarkeit von Menschen und Material vor Augen führt.

Gerade vom 10. Start der Raumfähre «Challenger» (übersetzt Herausforderung) hatte sich die US-Raumfahrtbehörde NASA etwas Besonderes versprochen. Denn erstmals war 1986 eine «ganz normale» Bürgerin mit an Bord: die 38-jährige Grundschullehrerin Christa McAuliffe aus New Hampshire. Sie wollte vom Weltraum aus unterrichten, die Raumfahrt «greifbarer» für die Menschen machen, Begeisterung und Pioniergeist neu anfachen, ein «Wir-Gefühl» in der Forschung schaffen. Es wird ein «Wir-Gefühl» der Trauer daraus - um eine junge Heldin. Heute sind mehrere Bildungseinrichtungen nach Christa McAuliffe benannt, dazu ein Asteroid und ein Krater auf dem Mond.

Es war Shuttle-Kommandant Francis Scobee, der die letzte Nachricht vor der Tragödie zur Erde schickte. «Challenger, volle Kraft» hatte die NASA-Bodenkontrolle ihn um 11.39 Uhr Ortszeit nach dem 25. Abheben eines Space Shuttle angewiesen. «Challenger, gehen auf volle Kraft», sagte der Commander noch. Dann zeigt das Fernsehen plötzlich kleinere Flammen am unteren Ende des Außentanks, der mit zwei Millionen Litern flüssigem Wasser- und Sauerstoff gefüllt ist. Dann lodert es auf der rechten Seite des Tanks, immer stärker, Tonbänder der Bordcomputer zeichnen einen Explosionsknall auf.

Ein Sprecher in der Bodenzentrale, der die Fernsehbilder offensichtlich nicht gesehen hat, fährt noch fort: «Eine Minute, 15 Sekunden. Geschwindigkeiten 2900 Fuß per Sekunde, Höhe neun nautische Meilen...» Um 11.40 Uhr wird das Unfassbare dann erstmals in Worte gekleidet: «Wir haben keine Verbindung zu Challenger mehr...» Sechs Tage und 34 Minuten sollte die Mission des Shuttle dauern - nach knapp 74 Sekunden ist es vorbei.

Präsident Ronald Reagan verschiebt seinen für den Abend vorgesehenen Bericht zur Lage der Nation im Kongress. Er wendet sich in einer Fernsehansprache an die Nation, würdigt die sieben Toten als Helden. Millionen Menschen beteiligen sich in den kommenden Tagen an nächtlichen Mahnwachen - seit der Ermordung von John F. Kennedy ist die Nation nicht mehr so aufgewühlt gewesen. Zugleich beginnen die Schuldzuweisungen, Ausschüsse starten mit der Suche nach der Unglücksursache.

Schließlich steht es fest: Es waren defekte Dichtungsringe, die bei kalten nächtlichen Temperaturen porös wurden und heiße Gase entweichen ließen. Erst 1988, nach vielen neuen Sicherheitsmaßnahmen, werden die Shuttle-Flüge wieder aufgenommen. Die NASA zeigt wieder Optimismus. Und es geht auch 17 Jahre lang gut - bis zum 1. Februar 2003, als die «Columbia» mit sieben Astronauten an Bord beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Gabriele Chwallek, dpa

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