Sonnenfinsternis im Badeparadies

  • 23. March 2006


Sonnenfinsternis im Badeparadies

Istanbul/Athen/Moskau (dpa) - Ein seltenes Himmelsschauspiel lässt die Herzen in der türkischen Tourismusbranche höher schlagen: Dank der totalen Sonnenfinsternis am kommenden Mittwoch (29. März) sind zahlreiche Hotels komplett ausgebucht, etliche beginnen die Saison früher als üblich. Zur besten Beobachtungszeit über Mittag wird der Mond in einem rund 165 Kilometer breiten Streifen das Tagesgestirn komplett verdunkeln und wenige Minuten lang dunkle Nacht einkehren lassen. Außerhalb der schmalen Kernschattenzone ist das Phänomen als - weit weniger spektakuläre - Teilfinsternis zu beobachten, auch von Deutschland aus.

Für den türkischen Tourismussektor hätte sich das Himmelsphänomen keine bessere Bahn suchen können. Beginnend an den Badestränden von Antalya und Alanya am Mittelmeer wandert die Kernschattenzone in nordöstlicher Richtung über Konya, das für seine tanzenden Derwische berühmt ist, weiter über das mit einzigartigen Naturschönheiten gesegnete Kappadokien. Aber auch Orte am Schwarzen Meer wetteifern mit «Sofi»-Angeboten. Hoteliers in Konya und Kappadokien freuen sich über ausgebuchte Häuser. Für Sonnenfinsternis-Touristen bieten Reiseveranstalter Sonderprogramme an. Das Tourismusministerium in Ankara lässt T-Shirts und Urkunden drucken, die jedem Touristen als Andenken mitgegeben werden sollen. Vielerorts werden Schutzbrillen bereit gehalten.

Dicht vor der türkischen Mittelmeerküste findet sich mit dem griechischen Inselchen Kastellorizon, auch als Megisti bekannt, das einzige EU-Territorium, von dem aus die totale Sonnenfinsternis zu beobachten ist. Auch auf dem nur 9,2 Quadratkilometer kleinen Eiland sind alle Pensionen restlos ausgebucht. Wissenschaftler aus Griechenland und anderen EU-Staaten haben sich eingemietet.

Die Phase der totalen Verdunkelung der Sonne durch den Mond wird auf Kastellorizon etwa 2,5 Minuten dauern. Auf der rund eine Seemeile vor der türkischen Mittelmeerküste liegenden Insel leben nur 250 Menschen. Das Eiland liegt 72 Kilometer von der nächsten griechischen Insel Rhodos entfernt, wo das Himmelsschauspiel jedoch wie in anderen Teilen Griechenlands lediglich als Teilfinsternis zu sehen sein wird. In Athen wird der Mond die Sonne zu etwa 84 Prozent verdecken - immerhin noch mehr als doppelt so viel wie in Deutschland, wo der Bedeckungsgrad von 23 Prozent in Emden bis 37 Prozent in Görlitz reicht.

Die schmale Zone, in der die totale Finsternis zu beobachten ist, zieht sich von Ostbrasilien, wo die Finsternis gegen halb elf Uhr deutscher Zeit beginnt, über den Atlantik, kreuzt das nördliche Afrika, das der Mondschatten in Nordwestägypten wieder verlässt. Anschließend zieht er über das Mittelmeer zwischen Kreta und Zypern, streicht über die Türkei, eilt nach Russland hinein, über Kasachstan und verlässt die Erdoberfläche gegen 14.00 Uhr deutscher Zeit nahe der Mongolei.

In Ägypten wird die Sonnenfinsternis am besten in der Kleinstadt Sallum an der Mittelmeerküste zu beobachten sein. Allerdings gibt es in dem Ort an der Grenze zu Libyen und auch in der näheren Umgebung kaum Hotelbetten. Nach Angaben der ägyptischen Tourismusbehörden werden zur Sonnenfinsternis dennoch zwischen 10 000 und 20 000 Besucher in Sallum erwartet. Schon vor zwei Wochen meldeten die Hoteliers an der westlichen Nordküste Ägyptens: «Zur Sonnenfinsternis sind wir ausgebucht.»

In Russland, wo der Kernschatten des Mondes knapp nördlich des Kaukasus-Hauptkamms streng genommen sogar kurz europäischen Boden streift, ist die Sonnenfinsternis kein großes Thema. Dabei hat Russland einen spektakulären Aussichtspunkt zu bieten, den 5642 Meter hohen Berg Elbrus im Kaukasus. Doch Reisen in die oft wolkenverhangenen Berge im Süden Russlands werden nicht angeboten. Die Moskauer Wissenschaftszeitung «Nauka i Schisn» (Natur und Leben) empfiehlt ihren Lesern, es lieber in der sonnensicheren Stadt Astrachan am Kaspischen Meer oder gleich in der Türkei zu versuchen. In der sibirischen Steppe an der Nordgrenze der Mongolei wird die Sonnenfinsternis in der heraufziehenden Nacht zu Ende gehen.

Ingo Bierschwale und Takis Tsafos, dpa

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