'Columbus' ist fertig

  • 27. April 2006


 

Am 2. Mai 2006 wird das Weltraumlabor «Columbus» an die ESA übergeben - bis zur ISS ist aber noch ein langer Weg.

Bremen (dpa) - Für jeden Ingenieur ist es eine Schreckensvision: «Etwas zu entwickeln und zu konstruieren - und dann landet es doch nur im Museum.» Der Bremer Raumfahrtingenieur Günther Brandt hatte dieses gefürchtete Szenario vor Augen: Als «Vater» des europäischen Raumfahrtlabors «Columbus» musste Brandt mehrfach um den Fortgang des 880-Millionen-Euro-Projektes bangen. Am kommenden Dienstag (2. Mai) wird «Columbus» in Bremen an die Europäische Weltraumorganisation ESA übergeben - an seinem Ziel, der Internationalen Raumstation ISS in 400 Kilometern Höhe, ist es aber noch lange nicht angekommen.

Abb.: So soll Columbus einmal an der Internationalen Raumstation ISS angedockt werden (angeschnittene Darstellung). (Quelle: ESA / D.Ducros)

Mit einem Festakt im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel feiert Europa immerhin die Fertigstellung von «Columbus». Das Labor wurde überwiegend beim Bremer Raumfahrtunternehmen EADS Space Transportation (ST) gebaut. Nach dem Transport Ende Mai zum Startplatz Cape Canaveral kann es jedoch frühestens Mitte 2007 ins All abheben - wenn es keine neuen Pannen mit den US-Raumfähren gibt. «Wir sind auf die Shuttle angewiesen», sagt der Präsident von EADS ST, Evert Dudok.

Ursprünglich war bereits im Oktober 2004 das Andocken an die ISS geplant. Dann stoppte eine der größten Tragödien der Raumfahrtgeschichte die Pläne der Europäer: Am 1. Februar 2003 explodierte das Shuttle «Columbia» bei seinem 28. Einsatz. Die siebenköpfige Crew wurde in den Tod gerissen.

Weitere Pannen mit der Raumfähre «Discovery» folgten. Gutachter übten darauf vernichtende Kritik an der US-Weltraumbehörde NASA. Deren Chef Michael Griffin bezeichnete schließlich das US- Raumfahrtprogramm und die ISS als Fehler. Die Raumstation sei zu teuer und zu riskant.

Die transatlantischen Partner waren besorgt. Immerhin wirbelte die NASA neben ihren eigenen Shuttle-Flugplänen die Ausbau-Ziele der ISS und die Planungen der Europäer gewaltig durcheinander. «Die Zusammenarbeit mit den USA ist schwieriger geworden», so die Kritik von Industrievertretern und Wissenschaftlern an Europas Abhängigkeit von den Amerikanern. Unter den Verzögerungen litt auch der deutsche Astronaut Thomas Reiter. Er soll nach einem Jahr Wartezeit im Juli zur Langzeitbesatzung der ISS stoßen. Sie wird dann erstmals seit dem Absturz der Raumfähre «Columbia» 2003 wieder - wie vorgesehen - drei Dauerbewohner haben.

«Ich habe immer fest an den Erfolg geglaubt», zeigt sich indes Projektleiter Brandt überzeugt von den Qualitäten seiner «Tonne», wie er «Columbus» bezeichnet. Das acht Meter lange Labor mit einem Durchmesser von 4,5 Metern ähnelt äußerlich tatsächlich eher einer Röhre als einer hochkomplexen Forschungsplattform. Drei Astronauten können darin Grundlagenforschung in den Disziplinen Biotechnologie, Medizin, Material-, Flüssigkeits- und Humanwissenschaften vornehmen.

Die Wissenschaftler sind besonders gespannt auf die Daten, die sich unter den besonderen Bedingungen der Schwerelosigkeit ergeben. So verhalten sich Werkstoffe oder Flüssigkeiten anders als auf der Erde. Auch das Verschmelzen metallischer Legierungen und das Vermischen flüssiger Substanzen im All interessiert die Forscher.

Unternehmen aus zehn europäischen Staaten steuern mit «Columbus» ihren Anteil zur ISS bei: Das Labor gilt als Eintrittskarte Europas in das international konzipierte Gemeinschaftshaus und soll mindestens zehn Jahre im Dienst bleiben. «Zehn Jahre haben wir auch an "Columbus" entwickelt», sagt Brandt, «aber das Labor ist erst dann fertig, wenn es im Orbit ist und funktioniert.»

Hans-Christian Wöste, dpa

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