Schavan will nationale Akademie

  • 06. September 2006

Berlin (dpa) - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich für die Gründung einer deutschen National-Akademie der Wissenschaften ausgesprochen. Die deutsche Wissenschaft werde dadurch die Möglichkeit erhalten, «national wie international mit einer Stimme zu sprechen und zugleich den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik weiter voranzubringen», sagte Schavan am Mittwoch in einem dpa-Gespräch.

Schavan begrüßte ausdrücklich das dafür von den verschiedenen Wissenschaftsakademien der Bundesländer entwickelte Konzept, dass die Gründung eines hochkarätigen Wissenschaftler-Konzils unter dem Titel «Deutsche Akademien der Wissenschaften (DAW)» in Berlin vorsieht. In dieses Konzil wollen die einzelnen Länder-Akademien rund 200 angesehene und verdienstvolle Wissenschaftler aus der Medizin, den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Technik- und Naturwissenschaften entsenden. Das Konzept soll erstmals am Dienstag kommender Woche bei einem Treffen der Wissenschafts-Staatssekretäre von Bund und Ländern beraten werden.

Die Ministerin sagte, bei den großen Forschungsprojekten gebe es auf internationaler Ebene immer mehr Abstimmungsbedarf - nicht nur auf Ebene der nationalen Fachminister sondern auch innerhalb der Wissenschaft selbst. Bei so «hochpolitischen Themen» wie etwa Energievorsorge oder -Effizienz gehe es zum einen in der Wissenschaft um eine fachübergreifende Absprache, zum anderen aber auch um den «fruchtbaren Dialog zwischen Forschung und Politik».

«Materieller und geistiger Wohlstand einer Gesellschaft sind immer stärker von der Dynamik in Forschung und Entwicklung abhängig», sagte Schavan. Ein Konzil mit hochangesehenen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen fördere den fachübergreifenden Dialog innerhalb der Forschung. Auch könne ein solches Konzil mit seinen einzelnen Fachsparten einen wichtigen Beitrag bei der Politikberatung leisten. Schavan: «Wir erhoffen uns zugleich eine Quelle von Impulsen für das Erkennen von neuen Zukunfts- und Forschungsthemen sowie das Aufzeigen langfristiger Perspektiven in der Forschungspolitik.»

So wie die jetzt von der Bundesregierung beschlossene «High-Tech-Strategie» die zukünftigen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im technischen Bereich aufzeige, könne das Konzil der deutschen Wissenschaftsakademien die Herausforderungen etwa in den Natur- und Geisteswissenschaften beschreiben. Wichtig sei zudem, dass mit dem Konzil «Brücken zwischen den älteren, renommierten Wissenschaftlern und den jungen Nachwuchsforschern gebaut werden. Die Forschungsministerin: «Wir brauchen schon bei der Gründung des Konzils den generationenübergreifenden Dialog in der Wissenschaft.»

Schavan wies Bedenken zurück, mit dem Akademie-Projekt werde neben den bestehenden Wissenschaftsorganisationen wie Max-Planck-Institut, Helmholtz-Gesellschaft und Deutscher Forschungsgemeinschaft bloß eine weitere Institution hinzugestellt. Natürlich werde jeder Präsident dieser Organisationen auch weiterhin seine Auslandskontakte pflegen. «Aber das neue Konzil kann mit dazu beitragen, Versäulung und Abschottung zwischen verschiedenen Disziplinen weiter abzubauen.»

Nach den bisherigen Vorstellungen soll das Konzil der deutschen Akademien der Wissenschaft beim Bundespräsidenten angesiedelt werden. Das Modell orientiert sich am amerikanischen Vorbild, wo die einzelnen Akademien zwar selbstständig arbeiten, darüber hinaus die gemeinsame Institution «The National Academies» bilden.

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