Pedaleur am Rande der Lichtgeschwindigkeit

  • 25. September 2006



Die Publizistik-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft geht an den Tübinger Astrophysiker Hanns Ruder.


Hanns Ruder, Professor für Theoretische Astrophysik an der Universität Tübingen, erhält in diesem Jahr die „Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik“. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) würdigt damit die Begabung des 66-Jährigen, Einsteins Relativitätstheorie anschaulich zu machen. Ruders Requisiten als Wissenschaftsvermittler sind öffentliche Vorträge und ausgefeilte Computersimulationen, die die Effekte der Relativitätstheorie plastisch vor Augen führen. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind komplexe Fragen der Astrophysik, Biomechanik und Hydrodynamik. Die Auszeichnung besteht aus einer Urkunde und einer Silbermedaille. Diese wird am 10. November 2006 im Physikzentrum der DPG im rheinischen Bad Honnef überreicht.

Hanns Ruder engagiert sich von jeher als „Einsteinvermittler“. Allein während des vergangenen „Einsteinjahres“ hielt der Tübinger über 200 öffentliche Vorträge über die Relativitätstheorie. Als Publikumsrenner erwies sich überdies der von Ruder entwickelte „relativistische Drahtesel“, der einen quasi lichtschnellen Pedalritt ermöglicht. Dieser Fahrsimulator wurde bereits bei diversen Ausstellungen vorgeführt und tourt mittlerweile an Bord des „Einsteinmobils“ von Schule zu Schule. Bestandteile sind ein Heimtrainer und eine Leinwand, auf der ein computergeneriertes Abbild der Tübinger Altstadt erscheint. Per Lenkstange kann der Radler durch die engen Gassen manövrieren, durch Tritt in die Pedale das Fahrtempo anpassen. Der Clou: weil die Computersimulation die Lichtgeschwindigkeit künstlich herabsetzt, werden relativistische Effekte bereits bei flottem Lauftempo sichtbar. Je schneller die Fahrt, desto stärker verzerren sich die Häuserfronten, so als würde man sie durch ein Fischauge betrachten.

Auch in seinem Forscherleben bedient sich Hanns Ruder numerischer Simulationen und Hochleistungscomputern. Mit diesen Hilfsmitteln untersucht er beispielsweise die Magnetfelder von Weißen Zwergen und Neutronensternen. Sein wissenschaftliches Interesse gilt aber nicht nur der Astrophysik, sondern auch der Biomechanik sowie strömenden Gasen und Flüssigkeiten.

Die DPG verleiht die „Medaille für Naturwissenschaftliche Publizistik“ seit 1985 in unregelmäßigen Abständen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen TV-Journalist Ranga Yogeshwar, Peter „Löwenzahn“ Lustig, der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer und der Astrophysiker Harald Lesch.

Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG)

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