Weiter Weg

  • 27. November 2006

Das im niederbayerischen Deggendorf für das Forschungszentrum Karlsruhe hergestellten 200 Tonnen schwere Spektrometer ist nach 8800 km in Karlsruhe angekommen.

Karlsruhe (dpa) - Von Bayern nach Baden in mehr als sechs Wochen, 8800 Kilometer über fünf Meere und zwei große Flüsse - für die Wissenschaft scheint kein Weg zu weit. Der Transport eines im niederbayerischen Deggendorf für das Forschungszentrum Karlsruhe hergestellten 200 Tonnen schweren Spektrometers schlägt alle Rekorde. Grund: Das 24 Meter lange Aggregat aus Edelstahl mit einem Durchmesser von zehn Metern ist für die meisten deutschen Straßen- und Kanalbrücken einfach zu groß.

Statt einer Strecke von rund 400 Kilometern auf deutschen Kanälen - per Luftlinie liegen Hersteller und Forschungszentrum sogar nur 220 Kilometer auseinander - musste der Stahlriese per Frachtschiff auf der Donau ans Schwarze Meer transportiert worden. Anschließend ging die Odyssee durch das Marmara- und das Mittelmeer sowie den Atlantik und die Nordsee den Rhein hinauf bis kurz vor Karlsruhe. Hier residiert im badischen Eggenstein-Leopoldshafen das Forschungszentrum Karlsruhe. Die Kosten für den Bau und den Transport des Gerätes bezifferte das Zentrum auf rund sechs Millionen Euro.

Die mehr als 3000 Mitarbeiter zählende wissenschaftliche Einrichtung benötigt das gewaltige Spektrometer aus Austenit- Edelstahl für das nach eigenen Angaben weltweit einzigartige Karlsruher Tritium-Neutrino-Experiment («KATRIN»). Mit der 33,5- Millionen-Euro-Studie wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie groß die Masse des Neutrinos ist und welche Rolle es bei der Entwicklung des Universums spielte.

Nach Angaben von Projektleiter Prof. Guido Drexlin vom Institut für Kernphysik des Forschungszentrums wird das Spektrometer Teil der «empfindlichsten Waage der Welt» sein. Mit den Messungen soll im Jahr 2009 oder 2010 begonnen werden, erste Ergebnisse werden etwa drei Jahre später erwartet. An dem Projekt sind 15 europäische und US- amerikanische Institutionen beteiligt.

Der für Karlsruhe bestimmte Koloss hat bereits vor der Aufnahme der wissenschaftlichen Forschungen für Superlative gesorgt: Rund 30 000 Schaulustige verfolgten am Samstag nach Polizeischätzung den sechs Kilometer langen Schwertransport zum Zentrum. Der wie ein stählerner Zeppelin aussehende Koloss wurde am Rhein von einem Kran auf einen Spezialponton gehievt.

Der Weitertransport auf zwei jeweils 14-achsigen, ferngesteuerten Tiefladern verursachte Schweißausbrüche bei den verantwortlichen Logistik-Experten und «Ah»- und «Oh»-Rufe bei den tausenden Zuschauern. Bereits Stunden zuvor hatten einige Bewohner entlang der Hauptstraße von Leopoldshafen auf Balkonen ihre Videokameras in Stellung gebracht, um das Großereignis zu dokumentieren.

Für den Transport wurden Ampeln, Verkehrsinseln und Laternen abgebaut und Bäume gestutzt. Auch Stromleitungen, die über der Fahrtroute des Konvois hingen, wurden abgeschaltet. Einige Bürger konnten sich einen ironischen Seitenhieb auf den jüngsten Strom-Gau in Niedersachsen, der Teile Westeuropas für Minuten oder Stunden lahm gelegt hatte, nicht verkneifen. «Wir haben unsere Schularbeiten gemacht. Da kann und wird nichts passieren», beruhigte ein Experte des Stromversorgers EnBW ängstliche Frager.

York Favier, dpa

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