Globale Treibhausgas-Grenzen?

  • 03. May 2007

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Bangkok/Berlin/Hamburg (dpa) - Im Kampf gegen den Klimawandel pocht Deutschland auf eine Obergrenze für den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen. Das sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller am Donnerstag am Rande der Sitzung des UN-Klimarats in Bangkok. «Wir müssen zu einer klaren Mengenbegrenzung kommen, wie viele Treibhausgase zugelassen werden», betonte Müller. Der UN-Klimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) will den dritten Teil seines neuen Klimaberichts an diesem Freitag vorlegen. Er beschäftigt sich mit den möglichen Mitteln gegen den Klimawandel. Das Papier muss Zeile für Zeile von den Regierungsvertretern gebilligt werden.

Die geplanten Formulierungen zur Atomenergie betrachte die Bundesregierung mit Skepsis, betonte Müller. Einem Entwurf zufolge soll die Kernspaltung als treibhausgasneutrale Energiequelle genannt, entgegen früheren Entwürfen aber auch auf die Sicherheitsrisiken und das ungeklärte Entsorgungsproblem hingewiesen werden. Atomenergie sei bei der Stromerzeugung keine nachhaltige Alternative, betonte Müller. Deshalb könne Deutschland keine Formulierung akzeptieren, die nahe lege, dass der Anteil des Atomstroms am Energiemix erhöht werden solle. «Das kann nicht die Weltstrategie sein», sagte Müller.

Grundsätzlich beurteilte er das Ergebnis aber vorab bereits als positiv. Ähnlich äußerte sich einer der Mitherausgeber des Reports, Prof. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg. Der Geist der Verhandlungen sei konstruktiver als erwartet. Gegen Emissionsgrenzen gebe es allerdings Widerstand, sagte Müller. «Besonders die chinesische Delegation versucht massiv, das zu verhindern, und es gibt nicht wenige Staaten, die sich hinter der Position Chinas verstecken.» Nach Angaben von Hohmeyer gibt es eine Reihe Länder, die «die Fakten nicht auf dem Tisch haben wollen». Sie sähen in einer Mengenbegrenzung des Treibhausgasausstoßes eine Wachstumsbremse. Er nannte unter anderem die USA, Saudi-Arabien, Australien, China und Indien.

Der UN-Bericht soll den Politikern beim G8-Gipfel Anfang Juni in Deutschland als Grundlage für ehrgeizige Klimaziele dienen. Auf Basis des neuen Weltklimaberichts beginnen auch im Dezember auf Bali die Verhandlungen über eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung der Treibhausgase.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) setzt derweil auf eine High-Tech-Strategie für die Herausforderungen des Klimawandels. «Ich bin überzeugt, dass ein wesentlicher Schlüssel zur Lösung bei Wissenschaft und Wirtschaft, bei Forschung und Entwicklung liegt», sagte Schavan auf einem Klimaforschungsgipfel in Hamburg. Ziel sei einerseits die Erforschung und Entwicklung klimaschonender Verfahren und Technologien, andererseits gelte es, sich in etwa Landwirtschaft, Bauwesen oder Verkehr auf den Klimawandel einzustellen.

Das Forschungsministeriums stellt in den nächsten drei Jahren 255 Millionen Euro für Forschung zum Klimawandel zur Verfügung. Damit sollen private Investitionen der Wirtschaft ausgelöst werden. Nach Erwartung von Siemens-Vorstand Hermann Requardt könnten Entwicklungen, die aus den deutschen Klimaschutzbemühungen entstehen, zum Exportschlager werden. Am 16. Oktober ist ein weiterer Klimaforschungsgipfel geplant.

Bis zur Schluss-Sitzung des nationalen Energiegipfels am 3. Juli will die Bundesregierung zudem ein Energiesparprogramm entwickeln. Das sagte der Chef der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ziel bis zum Jahr 2020 solle sein, die Effizienz bei der Wärmeenergie um 18 Prozent zu steigern, bei Strom um 8 Prozent und bei Treibstoffen um 5 Prozent

Nach einer Studie des Worldwatch-Instituts kommt den Großstädten im Kampf gegen die globale Erwärmung eine Schlüsselrolle zu. 80 Prozent aller Ressourcen würden in Städten verbraucht, obwohl diese nur 2 Prozent der Erdoberfläche einnähmen, heißt es im «Bericht zur Lage der Welt», der am Donnerstag in deutscher Fassung in Berlin vorgestellt wurde.

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