Klimaforscher - von hoch erfreut bis betrübt

  • 11. June 2007

Klimaforscher - von hoch erfreut bis betrübt

Hamburg (dpa) - Trotz der Unverbindlichkeit der Beschlüsse zum Klimaschutz auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm sind einige Autoren des UN-Klimareports hoch erfreut darüber. Die Vereinbarung sei «eine Riesenüberraschung» und mehr als man erwarten konnte, sagte der Mitherausgeber des jüngsten UN-Klimaberichts, Olav Hohmeyer, von der Universität Flensburg. «Jeder, der konkrete Zahlen erwartet hat, kennt die Politik nicht», betont der Ökonom, der an den Verhandlungen zum dritten Teil des UN-Klimareports in Bangkok beteiligt war. «Die G8-Vereinbarung ist ein Quantensprung.» Auch Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und einer der leitenden Autoren des Reports ist zufrieden: «Die USA sind auf den Zug aufgesprungen.»

Dass überhaupt eine Halbierung des Kohlendioxidausstoßes bis 2050 in Betracht gezogen werde und der UN-Klimareport anerkannt wurde, sei «weit mehr als das, was die Amerikaner bislang bereit waren zu gehen», meint Hohmeyer. Mit Blick auf die weiteren UN-Klimakonferenzen sagte er, «wir sind auf dem besten Wege einen Zielkorridor zu bauen». Nun gebe es für die nächste UN-Klimakonferenz auf Bali im Dezember «sehr viel bessere Voraussetzungen als wir dachten». Ob das reiche, sei jedoch schwierig zu sagen. Martin Claußen, Autor des Klimareports und Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, begrüßt die G8-Vereinbarung, mahnte aber dringend, jetzt entsprechende Weichen für langfristige Investitionen im Energiebereich zu stellen.

Andere Forscher dagegen kritisierten die G8-Vereinbarung heftig: «Die Bush-Regierung hat ein klares Bekenntnis zur Lösung der dringendsten Frage unserer Zeit verhindert», sagte der Ökologe und Träger des Alternativen Nobelpreises, Michael Succow, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Greifswald. Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif und Klimareportautor war auch enttäuscht: «Ich hätte mir mehr erwartet, besonders weil die Kanzlerin angekündigt hatte, dass sie verbindliche Ziele formuliert haben möchte - und das ist einfach nicht geschehen.»

Sollte auf dem Verhandlungsweg tatsächlich einmal eine weltweite Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 beschlossen werden, so Hohmeyer, müssten die Industrieländer den Hauptteil tragen und ihre Treibhausgase um 80 Prozent reduzieren. Das bedeutet rund 2 Prozentpunkte pro Jahr. Das schaffen derzeit weder die EU noch Deutschland. Hohmeyer ist optimistisch, dass dies dennoch klappen könnte, mit Energiesparen, alternativen Energiequellen - und einem anderen Verhalten beim Autokauf.

Auch Edenhofer hält eine derartige Reduktion für möglich und verweist auf die EU-Klimaziele, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 zu vermindern. Er nennt neben alternativen Energien und Energieeffizienz noch die Lagerung von CO2 in tiefen Schichten. Dazu gibt es allerdings erst Pilotprojekte und es ist ungewiss, ob die Lagerung im Tiefengestein eine Zukunftsoption wird.

Wie schwer die Kohlendioxidreduktion ist, zeigt gerade Deutschland, das sich gerne als Klimaprimus sieht. Das Land schafft es trotz aller Vorgaben zum Klimaschutz seit 1999 nicht mehr, seinen Kohlendioxidausstoß weiter deutlich zu verringern.

Simone Humml, dpa

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