Zwischenbilanz beim Polarjahr

  • 11. March 2008

Münster (dpa) - Schrumpfendes Meereis in der Arktis und eine ungekannte Artenvielfalt in der Tiefsee rund um den Südpol: Wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung haben Wissenschaftler am Montag in Münster zur Halbzeit des internationalen Polarjahrs hervorgehoben. Mehr als 25 Expeditionen zu Land, zu Wasser und in der Luft ins Nord- und Südpolarmeer hätten «neue Bausteine» zum Verständnis von Erde und Klima geliefert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polarjahr-Kommission, Prof. Reinhard Dietrich, zu Beginn der 23. Internationalen Polartagung. Bis Freitag kommen rund 150 Experten in Münster zusammen.

Am Polarjahr, dem größten Forschungsprogramm in diesen Regionen seit 50 Jahren, beteiligen sich weltweit mehr 50.000 Forscher mit 220 Projekten.

Im vergangenen Sommer wurde die bislang geringste Ausdehnung und Dicke des arktischen Meereises festgestellt. «Die Flächenveränderungen des Eises waren schon länger bekannt, die der Dicke nicht: Diese lag 1998 noch bei 2,50 Meter - im letzten September bei noch einem Meter», sagte der Vizedirektor des Alfred- Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, Heinrich Miller.

In der Tiefsee der Antarktis entdeckten Meeresbiologen zudem rund 700 neue Arten - meist kleine wirbellose Tiere. Dabei handelt es sich nach den Worten von Dietrich um die erste systematische Untersuchung der Artenvielfalt in den dortigen Gewässern. Nicht alle bisherigen Forschungsergebnisse seien allerdings «klimarelevant», betonten beide Experten. Konkrete Erkenntnisse und Prognosen für kommende Jahre könnten erst bei genauer Auswertung der Daten und im Vergleich mit früheren und künftigen Forschungsergebnissen gewonnen werden.

In der zweiten Forschungsphase des im Frühjahr 2009 endenden Polarjahrs sind den Angaben zufolge noch einmal ähnlich viele Expeditionen an die Pole der Erde geplant.

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