Schellnhuber warnt vor zuviel Ausnahmen beim Emissionshandel

  • 27. August 2008

Berlin (dpa) - Der Klimaforscher und Merkel-Berater Hans Joachim Schellnhuber warnt die Bundesregierung vor zuviel Ausnahmen und Sonderregelungen beim künftigen Emissionshandel mit Verschmutzungs-Zertifikaten. Sonst werde die Lenkungswirkung für den Abbau des schädlichen Kohlendioxids (CO2) verfehlt, sagte der Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Er kritisierte damit auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der Ausnahmen von der ab 2013 geplanten teuren Versteigerung von CO2-Zertifikaten auch zugunsten neuer Kohlekraftwerke in Regierung und EU durchsetzen will.

«Es ist ein bißchen schade, dass vom Wirtschaftsministerium fast immer nur versucht wird, den Status quo (gegenwärtiger Zustand) zu verteidigen», sagte Schellnhuber. «Ein Wirtschaftsprozess muss nach vorne gerichtet und dynamisch sein.» Man dürfe nicht den statischen Zustand einmauern. Und es müssten Branchen verschwinden, die nicht mehr zeitgemäß seien. Andere, die sich auf die neue Zeit einstellten, profitierten davon. «Insofern würde ich davor warnen, diesen Emissionshandel so mit Sonderregelungen und Nachlässen auszustatten, dass man am Schluss das Ding nicht wiedererkennen wird.»

Da wo nachhaltig gewirtschaftet werde vom Verkehrs- bis in den Energiebereich entstünden in der Zukunft neue Arbeitsplätze - und nicht immer dort, wo die Lobby behaupte, so der Wissenschaftler. «Das liegt schon daran, dass die fossilen Energien (wie Kohle und Öl) zuende gehen - was immer wir wollen. Es ist völlig klar, dass andere Energiequellen künftig die Arbeitsplätze stellen werden», sagte Schellnhuber mit Blick auf den Bereich der erneuerbaren Energien, für den die Branche bis 2020 ein Anwachsen auf 250 000 Jobs erwartet.

Bei den Bemühungen um den Klimaschutz forderte Schellnhuber die Regierung auf, «mehr Entschlossenheit zu zeigen, das Tempo zu halten».

Gespräch: Wolfgang Bunse, dpa

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