Vier Forscherteams für Deutschen Zukunftspreis 2008 nominiert

  • 15. October 2008


Hochwirksame Solartechnik, mitwachsende Implantate, intelligente Mini-Sensoren und digitale Tonübertragung konkurrieren um den diesjährigen Deutschen Zukunftspreis.

Berlin (dpa) - Vier Forscherteams der Schott Solar CSP GmbH (Mitterteich/Bayern), der Medizinischen Hochschule Hannover, der Bosch GmbH (Reutlingen/Baden-Württemberg) und der Firma Sennheiser (Wedemark/Niedersachsen) sind am Dienstag in Berlin für die mit 250 000 Euro dotierte Auszeichnung nominiert worden. Bundespräsident Horst Köhler wird die Gewinner des 12. Zukunftspreises am 3. Dezember im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in Berlin bekanntgeben.

Sonnenenergie effizienter zu Strom zu machen, daran arbeiten Nikolaus Benz und Thomas Kuckelkorn bei einer Solar-Tochter der Mainzer Schott AG: Sie entwickelten einen Hochleistungsreceiver, ein Vakuumrohr mit darin zirkulierendem Thermoöl. Durch diesen Receiver, der unter anderem mit einem speziellen Wärmeabsorber und einer dauerhaften, kaum reflektierenden Beschichtung ausgerüstet ist, wird die gebündelte Sonnenwärme verlustarm zu einem Dampfkessel transportiert. Dort wird durch die Hitze Dampf erzeugt, eine Turbine angetrieben und Strom produziert. «Mittelfristig ist damit eine konkurrenzfähige Stromproduktion möglich», so Benz.

Axel Haverich, Serghei Cebotari und Michael Harder (MMH und corLife GmbH, Hannover) widmen sich einer anderen Hochleistungsmaschine, dem menschlichen Herzen: Seit 1996 arbeiten sie an der Entwicklung von langlebigen Herzklappen-Implantaten. Nun haben sie ein Verfahren gefunden, mit dem Spenderklappen durch eine besondere «Zellwäsche» komplett von den Zellen des Spenders befreit werden können. Nur die stabile Matrix aus Kollagen wird dem Empfänger eingepflanzt und dort von dessen eigenen Zellen umwachsen. «Dadurch gibt es beim Empfänger keinerlei Abstoßungsreaktion», erläuterte Haverich. Der Clou: Die implantierte Klappe wächst sogar mit. Bei herzkranken Kindern muss somit nicht wie bislang alle zwei bis drei Jahre ein neues Implantat eingesetzt werden.

Forscher der Reutlinger Bosch GmbH gehen mit ihren smarten Mini- Sensoren in das Rennen um den Zukunftspreis. Jiri Marek, Michael Offenberg und Frank Melzer entwickelten eine mikromechanische Methode, mit der die empfindlichen Messfühler aus extrem dichten Silizium viel winziger, stromsparender und kostengünstiger werden als bislang möglich. Damit können die Sensoren, die größer und teurer schon in Autos für Sicherheit sorgen, auch in kleinen, tragbaren Elektronikgeräten zum Einsatz kommen: etwa in Handys, Spielkonsolen oder Navigationssystemen.

Den guten Ton kultiviert schließlich das vierte nominierte Team: Jörg Sennheiser und Gerrit Buhe präsentierten mit dem ersten digitalen drahtlosen Mikrofonsystem den Abschluss fast 20-jähriger Forschung. Bislang war drahtlose Tonübertragung nur in analogem Verfahren möglich. Nun können die Sound-Daten digitalisiert und dank komplizierter Technik trotz der immens hohen Datenmenge komplett und ohne jegliche Kompression durch den «schmalen» Frequenz-Kanal zum Empfänger geschickt werden. Das Ergebnis: «Wir haben erstmals den Original-Ton ohne jede Einschränkung», so Sennheiser.

«Mittlerweile ist der Zukunftspreis zu einem deutschen Innovations-Oscar geworden», sagte Gert Haller, Chef des Bundespräsidialamts, bei der Vorstellung der Nominierten, die aus 24 Vorschlägen ausgewählt worden waren. Auch dieses Jahr gehe es darum, exzellente wissenschaftliche Ideen in erfolgreiche Produkte umzusetzen.


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