Union auf Konfrontation

  • 03. February 2004

Berlin (dpa) - Die unionsgeführten Länder gehen in der Diskussion um die Elite-Universitäten auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung. Statt des Konzeptes des Bundes für die Förderung von Spitzenuniversitäten streben sie einen wissenschaftsgesteuerten Wettbewerb zwischen einzelnen Fachbereichen ohne Beteiligung des Bundes an. «Wir können das alleine, und wir können das besser», sagte der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) am Montag in Frankfurt nach einer Sitzung mit seinen Kollegen aus unionsgeführten Ländern.

Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sprach sich für die Stärkung einzelner Fachbereiche aus. «Wir sollten nicht ganze Universitäten zur Elite erklären, wir sollten es fachbereichsweise machen», sagte sie bei einem Kongress in Ludwigshafen. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will mit einem nationalen Wettbewerb fünf Universitäten ermitteln, die mit 250 Millionen Euro jährlich aus Bundesmitteln als Spitzenuniversitäten gefördert werden sollen.

Die Wissenschaftsminister von CDU und CSU verabschiedeten Eckpunkte für einen «Elitecampus Deutschland». Dazu gehört auch die Möglichkeit von Studiengebühren und die Abschaffung der Zentralen Studienplatzvergabe (ZVS). Für eine starke Einschränkung der Rolle der ZVS sprach sich auch der Wissenschaftsrat aus. Die bisherige Vergabestelle soll demnach nur noch Organisations- und Verwaltungsaufgaben übernehmen.

Die Auswahl der Studenten soll stattdessen weitgehend von den Hochschulen vorgenommen werden, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl, nach einer dreitägigen Sitzung des Gremiums in Berlin. Darüber hinaus solle bei Studienanfängern künftig nach zwei Semestern über deren Eignung und Verbleib im Studiengang entschieden werden.

Neben Tests und Auswahlgesprächen empfiehlt der Wissenschaftsrat, an der Abiturnote als wichtigstes Bewerbungs-Kriterium für einen Studienplatz festzuhalten. Dazu müssten die Abiturnoten vergleichbar sein, etwa mit einem Zentralabitur oder mit länderübergreifenden Bildungsstandards. Der Wissenschaftsrat ist ein mit Wissenschaftlern und Politikern besetztes Gremium, das Bund und Länder in Forschungs- und Bildungsfragen berät.

In der Diskussion um den Aufbau von Elite-Universitäten warnte Einhäupl vor einem Verlust an «Qualität in der Breite». Der Hochschulbau müsse eine Gemeinschaftsaufgabe bleiben und nicht - wie von Bulmahn verlangt - allein den Ländern übertragen werden.

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