Jeder Vierte geht weg

  • 01. June 2005


Berlin (dpa) - Jeder vierte deutsche Student (27,4 Prozent) verbringt inzwischen einen Teil seines Studiums im Ausland oder ergänzt seine Ausbildung durch Auslandspraktika oder Sprachkurse. Dies zeigt eine von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie. 22 Prozent der deutschen Studenten finanzieren ihren Auslandsaufenthalt mit Bafög. Seit der Bafög-Reform von 2001 haben Bafög-Empfänger die Möglichkeit, vom dritten Semester an ihre Förderung mit ins Ausland nehmen.

In Sachen Auslandsmobilität stellen die deutschen Studenten damit ihre Kommilitonen in Großbritannien, Australien oder den USA nach den Worten von Bulmahn deutlich in den Schatten. Zugleich sei Deutschland für ausländische Studenten wie Nachwuchswissenschaftler «attraktiv wie noch nie». Nach der Untersuchung sind inzwischen mehr als zehn Prozent der zwei Millionen Studenten in Deutschland ausländischer Herkunft - insgesamt 227 025. Davon gelten 62 000 als so genannte Bildungsinländer - meist Gastarbeiter-Kinder mit deutschem Abitur. 15 Prozent der neuen Hochschulstellen für Junior-Professuren wurden mit ausländischen Nachwuchswissenschaftlern besetzt.

60 Prozent der Gaststudenten in Deutschland kommen aus Europa, 25 Prozent aus Asien. Dabei hätten Tests gezeigt, dass Deutschland gerade leistungsstarke Studenten anziehe, sagte Bulmahn.

Die deutschen Studenten zieht es vorrangig in englischsprachige Länder, wobei Großbritannien inzwischen gefragter als die USA ist. Auf Platz drei der Beliebtheitsskala der deutschen Studenten steht die Schweiz, gefolgt von Frankreich, Österreich, Spanien und die Niederlande. Etwa 190 deutsche Studenten zieht es Jahr für Jahr in den Vatikanstaat, rund 100 in die Türkei.

Von den deutschen Studenten, die derzeit kurz vor ihrem Examen stehen, haben knapp 15 Prozent ein oder mehrere Semester im Ausland verbracht. Vor zehn Jahren waren dies der Studie zu Folge erst sechs Prozent. 14 Prozent können ein Auslandspraktikum vorweisen, 7,5 Prozent haben einen längeren Sprachkurs absolviert. Touristische Reisen wurden bei der Studie des Deutschen Studentenwerkes (DSW) und des Hochschul-Informationssystems (HIS) nicht berücksichtigt.

Für Kinder aus der Oberschicht gilt nach Aussage von DSW-Präsident Hans- Dieter Rinkens ein Studien- oder Sprachaufenthalt im Ausland heute nahezu als selbstverständlich. Sie nutzten doppelt so häufig diese Chancen wie Studenten aus einkommensschwachen Haushalten. Gerade deshalb sei die Bafög-Förderung bei Auslandsaufenthalten so wichtig.

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